Wirtschaftskrise
Benedikt XVI. fordert Reform des Weltfinanzsystems
Nach den deutschen Bischöfen hat sich jetzt auch Papst Benedikt XVI. zur weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise zu Wort gemeldet. Das Oberhaupt der katholischen Kirche rief die Regierungen weltweit auf, durchgreifende Konsequenzen aus der Krise zu ziehen. Wie die Kirche dabei helfen kann, verriet er auch.
Papst Benedikt XVI. hat die Regierungen weltweit zu einer tiefgreifenden Reform des Weltfinanzsystems aufgerufen. In seiner Neujahrsansprache vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz erklärte der Papst, kurzfristige Rettungsversuche seien nicht ausreichend.
"Es genügt nicht, neue Flicken auf ein altes Kleid zu setzen", sagte er beim Mittagsgebet am Neujahrstag auf dem Petersplatz. Erforderlich sei ein neues Modell der "globalen Solidarität", das die Möglichkeiten und Kräfte des Marktes mit denen der Zivilgesellschaft in Einklang bringen" müsse.
"Die Krise sollte als ein ernsthaftes Symptom gesehen werden, dass ein Eingreifen an der Wurzel erfordert", erklärte Benedikt. Auch die Erde sei auf eine Korrektur angewiesen, genauso wie die "kulturelle und moralische Krise", in der die Welt sich befinde.
Nachdrücklich bot der Papst den Regierungen und internationalen Organisationen die Kirche als Dialogpartner für die Gestaltung einer menschenwürdigen Weltordnung an. "Jesus Christus hat keine Kampagnen gegen die Armut organisiert, sondern den Armen das Evangelium verkündet", sagte er. Es gehe um eine "umfassende Erlösung vom moralischen und materiellen Elend".
Das Oberhaupt der katholischen Kirche warnte vor bloßem Vertrauen auf ein günstiges Schicksal oder die Netzwerke von Markt und Finanzen. "Mit der Gnade des Herrn - und nur mit ihr – können wir immer von neuem hoffen, dass die Zukunft besser wird als die Vergangenheit."
Zugleich rief der Papst die Politiker und die Bürger auf, sich von den Problemen nicht entmutigen zu lassen, sondern ihr Engagement zu erneuern. Jeder einzelne müsse sich "anstrengen, ein bisschen besser und verantwortungsvoller zu sein", um auf das Wohlwollen Gottes zählen zu können.
Bereits im Festgottesdienst am Neujahrsmorgen hatte Benedikt XVI. die Staatengemeinschaft zum Kampf gegen Armut gemahnt. "Um die ungerechte Armut zu bekämpfen, die zahllose Männer und Frauen bedrängt und den Frieden aller bedroht, braucht es die Wiederentdeckung von Maßhalten und Solidarität", betonte er dabei in seiner Predigt. Notwendig sei es, die Unterschiede "zwischen demjenigen, der den Überfluss vergeudet, und demjenigen, dem sogar das Notwendige fehlt" abzubauen.
In seiner Ansprache ging der Papst auch auf die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten ein. Er erklärte, er bete für ein Ende der Angriffe im Gazastreifen und hoffe, die internationale Gemeinschaft werde konkrete Lösungsvorschläge präsentieren. Israelis und Palästinenser müssten in Frieden, Sicherheit und Würde leben können.
In einem Silvestergottesdienst im Petersdom hatte der Papst am Mittwoch für das neue Jahr zu "Nüchternheit und Solidarität" aufgerufen. Die gegenwärtige Zeit werde von Unsicherheit und Sorge um die Zukunft geprägt, sagte Benedikt. Dies sei aber kein Grund, ängstlich zu sein. Die Menschen forderte Benedikt auf, besonders den Familien in finanziellen Schwierigkeiten beizustehen. Die katholischen Hilfsorganisationen täten ihr Möglichstes, um diesen Familien zu helfen.
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