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31.12.08

Kapitalismuskritik

Managerschelte – Bischöfe legen noch einmal nach

Nach der teils scharfen Kritik an Banken und Managern in der Weihnachtszeit haben die deutschen Bischöfe in den Predigten zum Jahreswechsel die Wirtschaftskrise erneut zum Anlass genommen, um vor Gier und Maßlosigkeit zu warnen. Geld dürfe nicht im Mittelpunkt der Lebensplanung stehen, hieß es überall.

Angesichts der Wirtschaftskrise haben evangelische und katholische Bischöfe zum Jahreswechsel eine Rückbesinnung auf Gott gefordert. Die krisenhaften Entwicklungen stellten die Menschen vor die Frage, worauf es letztlich ankomme, "auf Gott oder auf das Geld", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, am Mittwoch in Hannover. "Wettbewerb, Wachstum und Gewinn sind wirtschaftliche Instrumente; eine verlässliche Lebensgewissheit stiften sie nicht."

Huber warnte davor, das Streben nach Geld zur alleinigen Lebensgrundlage zu machen. Wer den Wohlstand bewahren wolle, dürfe ihn nicht zum letzten Wert machen. Wettbewerb, Wachstum und Gewinn seien wirtschaftliche Instrumente, stifteten aber keine verlässliche Lebensgewissheit, betonte er. Huber erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die Verantwortung, die Reichtum und Besitz mit sich brächten. "Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern", zitierte der Bischof das Lukas-Evangelium.

Huber hatte sich zuletzt mit persönlichen Angriffen auf Vorstandschef Josef Ackermann den Zorn der Deutschen Bank zugezogen. Das von Ackermann ausgegebene Renditeziel von 25 Prozent sei eine Form des Götzendienstes und erinnere ihn an den Tanz ums Goldene Kalb, hatte Huber in einem Interview gesagt. Ein Sprecher des Geldinstituts wies die Äußerungen "sowohl in der Sache wie in der Form als unangebracht" zurück.

Der katholische Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, warnte die Gläubigen davor, ihr Leben an Materiellen Werten auszurichten. "Der Reichtum – und dies ist vielleicht die größte Gefahr – verbirgt oft den Geschenkcharakter unseres Lebens", sagte Lehmann. Es scheine, dass mancher Umgang mit dem Reichtum die Menschen nicht zufrieden, sondern unersättlich mache, betonte der Bischof mit Blick auf die Finanzkrise.

"In den letzten Jahrzehnten gab es im Bankenwesen, nicht zuletzt auch in der Börsenmoral Entgleisungen. Die Rendite-Erwartungen und – Versprechen wurden immer größer. Der Händlergewinn stieg manchen in den Kopf." Lehmann warnte allerdings vor einfachen Schuldzuweisungen für die Krise im Wirtschafts- und Finanzsystem. "Wir leben auch selbst in diesen Systemen und können, wenn wir nicht Einsiedler in der Wüste sein wollen, nicht einfach aus ihnen herausspringen.(...) Wir sind auf verschiedene Weise alle in das Geschehen verwickelt."

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann erklärte, viele Menschen bauten darauf, dass sie sich mit Geld gegen jede Not absichern könnten. "Wie unsicher und verletzbar diese Absicherung ist, wurde uns im vergangenen Jahr bewusst, als alle Kurse wankten", so die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Davon seien nicht nur die Superreichen betroffen gewesen, sondern auch viele "kleine Leute", die ein Häuschen oder eine Lebensversicherung zur Altersvorsorge angespart hätten.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner warnte in seiner Silvesterpredigt davor, den Bezug zu Gott zu verlieren und falschen Göttern zu folgen. Den Hunger und Durst des Menschen nach ewiger Glückseligkeit könne nur Gott stillen, sagte Meisner am Mittwochabend im Kölner Dom laut Predigttext: "Erwecken wir die Sehnsucht nach Gott, damit wir von den Süchten des Menschen nicht deformiert werden." Wenn die Sehnsucht nach Gott von ihrem Zielpunkt abgeschnitten werde, pervertiere sie zu Habsucht, Ehrsucht und Genusssucht.

Der rheinische Präses Nikolaus Schneider sagte, über alle in Aussicht stehenden schlechten Nachrichten für das kommende Jahr stehe die eine gute Botschaft Gottes: "Was immer für düstere Prognosen und noch düstere Erwartungen auf dem kommenden Jahr liegen: Auch das Jahr 2009 wird ein ’anno domini’ sein – ein Jahr des Herrn". Damit sei eine Grenze gesetzt gegenüber allen Schrecken.

Quelle: EPD/dpa/ks
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