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Finanzkrise

Zweites Konjunkturpaket wird kleiner als gedacht

Nur noch 25 statt 40 Milliarden Euro soll das zweite Konjunkturpaket umfassen. Grund für die Kürzung ist der Euro-Stabilitätspakt, der auch im Rezessionsjahr 2009 eingehalten werden soll. Während Roland Koch Steuersenkungen fordert, warnt Verfassungsgerichts-Präsident Hans-Jürgen Papier die Politik davor, immer neue Schulden zu machen.

Das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung wird mit 25 Milliarden Euro offenbar geringer ausfallen als ursprünglich angenommen. Nach mehreren Presseberichten ist von den avisierten 40 Milliarden Euro nicht mehr die Rede. Hintergrund ist offenbar der Euro-Stabilitätspakt, der nach einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern auch im Rezessionsjahr 2009 eingehalten werden soll.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, will Deutschland, das sich als Hüter des Stabilitätspaktes sieht, Staaten wie Frankreich und Italien, die das Vertragswerk zum Euro gerne durchlöchern würden, keine Munition liefern. Nach dem Euro-Stabilitätspakt darf die gesamtstaatliche Neuverschuldung drei Prozent der Wirtschaftsleistung, also etwa 75 Milliarden Euro, nicht überschreiten.

Das deutsche Staatsdefizit werde nach internen Schätzungen der Bundesregierung von beinahe Null in diesem auf bis zu 50 Milliarden Euro im nächsten Jahr anwachsen, hieß es in dem Bericht der „Süddeutschen“. Grund dafür seien Steuermindereinnahmen, Mehrausgaben für den Arbeitsmarkt und die Kosten für das erste Konjunkturpaket.

Etwa zehn der 25 Milliarden Euro sind dem Blatt zufolge für eine Senkung der Sozialabgaben im Gespräch, hinzukommen Milliardenkosten für mögliche Steuersenkungen und weitere Maßnahmen wie die Einführung einer Auto-Abwrackprämie. Für Investitionen stehe damit ein hoher einstelliger Milliardenbetrag zur Verfügung“, heiße es in Regierungskreisen. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte bereits mitgeteilt, dass 7,5 Milliarden Euro in die Modernisierung von Schulen und Universitäten fließen sollen.

Der „Frankfurter Rundschau“ zufolge soll das Paket hingegen zu zwei Dritteln aus Investitionen und zu einem Drittel aus Entlastungen der Bürger von Steuern und Abgaben bestehen. Mit bis zu sechs bis acht Milliarden wolle sich der Bund an Maßnahmen beteiligen, für die eigentlich die Länder zuständig sind.

Die „Rhein-Zeitung“ berief sich in ihrer Meldung über das Programm auf die Aussagen des rheinland-pfälzischen Finanzministers Ingolf Deubel (SPD) nach dem Bund-Länder-Gipfel im Kanzleramt am Dienstag. Der Mainzer Finanzminister plädiert darin für einen Schwerpunkt auf Sanierungen von Schulen und Verbindungsstraßen. Sie seien konjunkturwirksam, innerhalb von zwei Jahren umsetzbar und sicherten dadurch Arbeitsplätze. Klammen Kommunen, die ihren Eigenanteil nicht stemmen können, werde das Land entgegenkommen.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch sagte in einem Interview der Nachrichtenagentur AP, Steuersenkungen seien wünschenswert und müssten in der nächsten Wahlperiode auf jeden Fall kommen. Seine Ablehnung von Steuersenkungen als Teil des zweiten Konjunkturprogramms begründete er damit, dass sie die benötigten Impulse zur schnellen Ankurbelung der Konjunktur nicht setzen könnten. Die Steuerreform werde erst 18 Monate oder noch länger nach ihrem Beschluss greifen. „Sie ist trotzdem richtig, aber eben nicht das richtige Mittel zur Lösung der Krise“, betonte Koch. Mit der CSU, die nach wie vor schnelle Steuersenkungen fordert, werde darüber zu reden sein. Koch widersprach zugleich Forderungen, die Große Koalition wegen der Finanzkrise auch nach der Bundestagswahl fortzusetzen.

Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans- Jürgen Papier, warnte die Politik davor, unter Hinweis auf die Konjunkturkrise immer neue Schulden zu machen. „Die Begrenzung der Staatsverschuldung ist vom Bundesverfassungsgericht als ganz zentrale Aufgabenstellung bewertet worden. Daran möchte ich gerade in der Krise erinnern“, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. Das Ziel der Haushaltskonsolidierung solle nicht aus den Augen verloren werden. Papier: „Wenn sich der Staat über alle Maßen verschuldet, kann er die Lebensgrundlagen der Menschen auf Dauer nicht mehr sichern.“

Der Präsident des obersten deutschen Gerichts in Karlsruhe forderte strengere Verschuldungsregeln für Bund und Länder. Es sei richtig, dass die Föderalismuskommission eine rigidere Schuldenbremse schaffen wolle, betonte Papier. Eine Möglichkeit sei, ein absolutes Schuldenverbot, das nur in wirklichen Notzeiten durchbrochen werden dürfe, im Grundgesetz zu verankern. Die gegenwärtigen Verschuldungsregeln hätten sich als unzureichend erwiesen.dpa/AP/ab



Erschienen am 24.12.2008

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