Freilassung
Christian Klar und die Zumutung des Rechtsstaats
Samstag, 20. Dezember 2008 18:29 - Von Ulf PoschardtEr saß 26 Jahre im Gefängnis, länger als jedes andere RAF-Mitglied: der Terrorist und vielfache Mörder Christian Klar. Er wird als freier Mann jene Liberalität genießen dürfen, die er einst bekämpft hat. In seiner neuen Heimat Berlin könnte er nun den orthodoxen Clown für den autonomen Nachwuchs geben – oder uns alle überraschen.
Seit Freitag ist der neunfache Mörder Christian Klar auf freiem Fuß. Es ist verständlich, dass die Angehörigen der Opfer über die Freilassung dieses Mannes empört sind, der weder Anzeichen von Reue zeigte noch zur Aufklärung von RAF-Taten beitrug. Klars Entlassung bedeutet jene Zumutung, die der Rechtsstaat den Bürgern im Sinne seiner inneren Verfasstheit mitunter zumuten muss. Klar genießt jene Liberalität, die er einst gnadenlos bekämpfte.
| Zurück | 1 | Weiter |
| spruechewahl('next'); |
Dass Christian Klar nach Berlin zieht, überrascht kaum, hat sich dort doch eine linksradikale Folklore entwickelt, deren nostalgisches Sehnen alte Verbitterte wie junge Resignierte eint. In einer komplex gewordenen Welt erscheint die militärische Aufteilung der Welt in eigene Truppen und Feinde manchem verführerisch.
Wenn sich Christian Klar in Interviews äußert, ist das wie eine sprachliche Grabplatte der Barbarei: Sinnfälliger kann das Ende der RAF nicht kommuniziert werden als in der toten Sprache Klars. Klar redete wie eine Theaterfigur von Heiner Müller, mit einer Prise Samuel Beckett angereichert.
Erschreckender als der Ausdruck des Gesichts beim Interview und das Festhalten an alten Interpretationen der Welt ist die Versteinerung seiner Sprache und seines Geistes.
Dass diese melancholische Selbstmonumentalisierung ihre Freunde in linksrevolutionären Kuschelstuben finden wird, kann nicht überraschen. Jene, die nachts relativ unheroisch Autos von fleißigen, jungen Familien anzünden, am 1. Mai auch Synagogen bedrohen und auf Kosten der wirklich Bedürftigen leben, werden Klar wie einen Kriegsveteranen verehren – so wie sie das mit anderen grau geworden Ex-Terroristen tun.
Klar wird sich überlegen müssen, ob er im linken, gut subventionierten Streichelzoo von Theaterintendant Claus Peymann den emsigen RAFler geben will und für den autonomen Nachwuchs den orthodoxen Clown. Klar hat die Chance zu überraschen, indem er zurück ins Leben findet und in die Gegenwart. Die Gnade des Rechtsstaats als eine Art moralische Überschreitung im Geiste der Nächstenliebe könnte ihm das Herz und damit den Verstand öffnen.







Stellenmarkt
Wohnungen
Branchenbuch
Kleinanzeigen
Veranstaltungen
Kinoprogramm










Versicherungen
Gesundheitstests
Hotelsuche
Abo
Stadtplan
epaper
Archivsuche
Zeitung Heute
RSS
Newsticker
Video
TV-Programm
Wetter
Gehaltsrechner
Börse
Kredit und Zinsen
Europa
Krankenkassen
Hilfe
Handelsregister
Leserbrief
Kontakt
Mobilportal
iPhone-/iPad-Apps
Heizölvergleich