Miniermotte kommt vom Balkan

Berlin/Bonn - Die Herkunft der Miniermotte, die seit 1998 massenhaft Kastanien in Berlin befällt, ist geklärt: Sie stammt aus Schluchtwäldern im Balkan. Lange Zeit war vermutet worden, die Motte sei aus Südostasien nach Europa gekommen. Durch die Auswertung von Sammlungen getrockneter Pflanzen konnte sie nun auf Kastanienblättern aus Griechenland bis zum Jahr 1879 zurückverfolgt werden, wie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) am Freitag in Bonn mitteilte. An den jüngsten Forschungen zur Miniermotte waren auch Wissenschaftler des Botanischen Gartens Berlin beteiligt.

Die Miniermotte befällt weiß blühende Kastanien. Rund 48 000 dieser Bäume gibt es in der Hauptstadt. Wie jedes Jahr beginnen die Blätter auch in diesem Sommer bereits im Juli braun zu werden und abzufallen. Schuld sind die Motten-Larven, die sich durch die Blätter fressen und die Blattstruktur zerstören.

Bisher zeigten sich Berlins Kastanien allerdings widerstandsfähiger als gedacht. Denn viele Bäume haben ihre Winterreserven bis zum Sommer bereits eingelagert und überstehen so die Motten-Plage. Eine große Hilfe ist dabei das Laubsammeln im Herbst. Das verhindert, dass im Laub eine große Motten-Brut bis zum nächsten Frühjahr heranwächst. Je mehr Laub gesammelt wird, desto geringer ist der Befall der Bäume.

Kastanien haben eine Lebensdauer von 200 Jahren. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald geht allerdings davon aus, dass von Motten befallene Bäume dieses stolze Alter nicht erreichen. Denn die geschwächten Bäume werden auch für andere Schädlingen wie Pilze anfälliger. So manche Kastanienallee könnte deshalb in Zukunft gefällt werden müssen, sagt Sprecherin Sabine Krömer-Butz. Bei Neupflanzungen wichen viele Städte deshalb bereits heute auf rotblühende Kastanien aus. Sie sind vor der Motte sicher.

Lange Zeit lebte die Miniermotte nach den jüngsten Forschungen isoliert in unzugänglichen Schluchtwäldern des Balkans. Erst mit dem Straßenbau gelangten die Motten als blinde Passagiere in andere Regionen. Bereits in den 1960er Jahren gab es laut SDW erste Massenvermehrungen. 1984 wurde die Miniermotte an Rosskastanien in Mazedonien entdeckt. Seit 1989 eroberte sie fast ganz Europa. In Deutschland fraßen sich die Motten von Süden nach Norden vor. Einen natürlichen Feind haben Miniermotten nicht. Deshalb ist ihre Bekämpfung auch so schwierig.

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