24.02.13

Italien

Drei barbusige Frauen stürzen sich auf Berlusconi

Zwischenfall bei der Wahl in Italien: Drei halbnackte Frauen sind auf Berlusconi zugestürzt, als dieser seine Stimme abgeben wollte. Im Wahllokal brach Chaos aus, die Polizei schritt ein.

Foto: REUTERS

Sie wollte doch nur zu Berlusconi: Polizisten halten eine Nackte fest
Sie wollte doch nur zu Berlusconi: Polizisten halten eine Nackte fest

Bei der italienischen Parlamentswahl sind am Sonntag drei barbusige Frauen auf den früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zugestürzt, als dieser in Mailand seine Stimme abgeben wollte.

In einem chaotischen Durcheinander mit weinenden Kindern und Schreien des Protests gegen den Ex-Regierungschef vergingen nur wenige Sekunden, bis die drei Frauen von Polizisten mit Jacken bedeckt und in Handschellen abgeführt wurden.

Auf dem Rücken trugen die drei Frauen den Slogan "Basta Berlusconi" (Genug von Berlusconi).

Die drei Frauen standen in einer wartenden Menge vor dem Wahllokal in Mailand, vor dem sich auch zahlreiche Journalisten versammelt hatten. Dann brachen die Protestierenden durch die Reihen und sprangen über mehrere Tische, um Berlusconi zu erreichen, was ihnen jedoch nicht gelang.

Berlusconi polarisiert die italienischen Wähler seit vielen Jahren, unter anderem auch durch seine Liebschaften mit jungen Frauen, flapsigen sexistischen Sprüchen und durch ausschweifende Partys.

Monti gab am frühen Morgen seine Stimme ab

Die Wähler sind bei dem zweitägigen Wahlgang in Italien aufgerufen, über ein neues Abgeordnetenhaus und einen neuen Senat abzustimmen, der Ausgang der Wahl war ungewiss. In den letzten Umfragen lagen die Sozialdemokraten von Pier Luigi Bersani knapp vor dem Mitte-Rechts-Bündnis des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi.

Der scheidende Ministerpräsident Mario Monti, der Italien nach Berlusconis Abgang im November 2011 mit einem Expertenkabinett regiert hatte, gab am frühen Morgen in Mailand mit ernster Miene seine Stimme ab.

Der Spitzenkandidat der Demokratischen Partei (PD), Bersani, wählte im norditalienischen Piacenza und schaute nicht minder ernst in die Kameras der Journalisten. Lediglich Berlusconi, der in Mailand wählte, posierte lächelnd an der Wahlurne.

"Ich wähle die Sozialdemokraten", sagte der 63-jährige Alessandro in Mailand, "ich möchte nicht, dass wir so enden wie Griechenland". Ähnlich äußerte sich die 48-jährige Ida, die in Rom ihre Stimme abgab.

"Ich wähle Berlusconi"

Die Wahl sei nach etlichen Regierungen unter Berlusconi eine "Gelegenheit, Italien zu verändern". Doch der Cavaliere hatte zuletzt, vor allem mit Versprechen zur Rückzahlung von Steuern, in den Umfragen aufgeholt. "Ich wähle Berlusconi", sagte die 65-jährige Maria Teresa Gottardi. "Ich weiß, dass er seine Fehler hat. Aber er ist der Beste."

Die Wahllokale sollten am Sonntag bis 22 Uhr geöffnet bleiben. Am Montag soll die Wahl fortgesetzt werden, unmittelbar nach Schließung der Abstimmungslokale am Montagnachmittag um 15 Uhr wird mit ersten Prognosen gerechnet.

Vier große Parteienkoalitionen treten an: Bersanis Linksbündnis, Berlusconis Mitte-Rechts-Allianz, Montis im Zentrum angesiedelte Bürgerwahl sowie die Bewegung Fünf Sterne des Komikers und Bloggers Beppe Grillo, der zahlreiche Proteststimmen auf sich vereinen dürfte. In den zuletzt verfügbaren Umfragen lag Bersani knapp vor Berlusconi, danach folgten Grillo und Monti.

EU interessiert sich für das Votum

Das italienische Wahlsystem ist kompliziert. Über die 630 Plätze im Abgeordnetenhaus dürfen alle Italiener ab 18 Jahren abstimmen. Die Partei mit den meisten Stimmen erhält automatisch die absolute Mehrheit in der Kammer, nämlich 340 Mandate.

Über die 315 Senatoren dürfen Italiener ab 25 Jahren abstimmen. Die Vergabe der Mandate und der sogenannte Mehrheitsbonus erfolgt hier über die Auszählung auf der Ebene der jeweiligen 20 Regionen.

Dadurch könnten sich unterschiedliche Mehrheiten in den Kammern ergeben. Ein wahrscheinliches Szenario für die Regierung ist eine Zusammenarbeit von Bersani und Montis Allianz. Der Sozialdemokrat hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, den Reformkurs des Wirtschaftsexperten im Fall eines Wahlsiegs fortzusetzen.

Die EU blickt genau auf die Abstimmung. Brüssel sowie die Finanzmärkte befürchten, dass bei einem Wahlsieg Berlusconis die Schuldenkrise wieder aufflammen könnte, nachdem Monti harsche Reformen unter anderem im Rentenbereich und auf dem Arbeitsmarkt durchgesetzt hatte, um die Staatsfinanzen zu sanieren.

Berlusconi hatte hingegen im Wahlkampf unter anderem gegen die Rolle der Bundesregierung bei der Finanzkrise gewettert, weshalb Berlin sich zuletzt besorgt über eine mögliche Rückkehr Berlusconis gezeigt hatte.

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