17.02.13

ARD-Krimi

Mehr Ernst würde dem Wiener "Tatort" gut tun

Der neue Wiener "Tatort" "Zwischen den Fronten" hat ein paar spannende Momente, eine paar lustige Gags, insgesamt ist er aber Durchschnittsware. Ein wenig mehr Ernst würde manchmal helfen.

Foto: rbb/ORF/Petro Domenigg

Gewollt lustig ist anders als lustig: Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer als Bibi Fellner und Moritz Eisner
Gewollt lustig ist anders als lustig: Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer als Bibi Fellner und Moritz Eisner

Damals in den späten 80er-Jahren muss es gewesen sein, als die "Tatort"-Regisseure an einer Art Schizophrenie erkrankt sind. Bis dahin war klar, was diese Serie ist, ein Kriminalfilm, seiner Natur nach Tragödie, weil Tod, Verbrechen und Leidenschaften eine Rolle spielten.

Dann hat irgendeiner der Drehbuchautoren einen Clown gefrühstückt, einen humorinfizierten Redakteur gefunden, und die Scherzkeks-Fraktion hat den Sonntagabend besetzt. Seither müssen die Kommissare Witze machen, auch wenn die Sache ernst ist. Thiel und Börne sind die bedeutendsten lebenden Vertreter dieser Kreuzung aus tragischem Helden und Suppenkasper.

Die zynischsten Vertreter der Witzfraktion sind – ganz ihrer Herkunft verpflichtet – die Wiener Kommissare. Im vorliegenden Fall äußert sich das etwa, aber nicht nur da, wenn sich Moritz Eisner und Assistentin Bibi Fellner über die verkohlten Überreste eines vermeintlichen Selbstmordattentäters unterhalten, die in einem Leichensack auf dem Pflaster vor dem feudalen Wiener Palais Liechtenstein liegt, in der gerade eine Uno-Konferenz abgehalten wird.

Nur Handlanger bei der Ermittlung

Sie wundern sich darüber, wie wenig die Leiche stinkt, trotz der Temperaturen. Eisner und Bibi sind nur Handlanger bei der Ermittlung, geführt werden sie vom Inlandsgeheimdienst, dessen Vertreterin sich beim Anblick des Kadavers abwendet und würgt. Das ist Humor. Schwarzer Humor. Gar nicht immer so schlecht.

Ansonsten bedient sich der Tatort "Zwischen den Fronten" ziemlich wahllos aus dem Baukasten für Krimiautoren. Der Film enthält Sozialkritik, dieses ewige "Die da oben sind böse, und die da unten sind gut". Im vorliegenden Fall will eine Mischung aus Filz und rechtsnationaler Gesinnung schärfere Sicherheitsgesetze erzwingen, und dazu ist die Leiche eines irakischstämmigen Österreichers gut.

Der Film enthält Liebe und Leid, vor allem bei denen da unten, die lauter sind. Und er enthält auch Gewalt. Verknüpft ist das eher schlecht als recht.

Trotzdem wird nicht alles gut

Modern sein will der Film auch: Der verdächtige Tote ist Mitgründer eines Computernetzwerkes, das sich gegen die böse Macht wendet, voll der Social-Media-Typ. Ein paar Nahostkriegsveteranen torkeln noch durch die Sendung und sind irgendwie verdächtig. Der Geheimdienst versucht die Aufklärung mehr zu behindern als voranzutreiben und bald wird klar, unsere Kommissare sind auf sich allein gestellt.

Natürlich entwirren sie das Knäuel. Und trotzdem wird nicht alles gut. Ein paar spannende Momente, eine paar lustige Gags, insgesamt aber Tatortdurchschnittsware. Ein wenig mehr Ernst würde manchmal helfen.

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