15.02.13

Mali

Auspeitschen von Frauen löst Streit bei al-Qaida aus

In einem verlassenen Al-Qaida-Versteck ist ein Brief eines Anführers der Organisation aufgetaucht. Das Schreiben belegt Meinungsverschiedenheiten im Führungskreis des Terrornetzwerks.

Foto: AP

In diesem Gebäude in Timbuktu wurde das Strategiepapier der al-Qaida in Mali gefunden
In diesem Gebäude in Timbuktu wurde das Strategiepapier der al-Qaida in Mali gefunden

In Nordmali ist ein Brief eines hohen al-Qaida-Funktionärs über die Strategie der islamistischen Terroristen aufgetaucht. Das neunseitige Dokument ist vom Anführer von al-Qaida im Islamischen Maghreb, Abdelmalek Droukdel, unterzeichnet. Wissenschaftler halten das Schreiben für echt und für außerordentlich aufschlussreich.

Aus dem Schreiben geht hervor, dass dem Terrornetzwerk vor der französischen Militärintervention Anfang Januar die eigene schwache Position bewusst war. Der Brief belegt zudem Meinungsverschiedenheiten im Führungskreis von al-Qaida in Nordmali über die strikte Anwendung islamischen Rechts. So äußerte Droukdel Missfallen darüber, dass Frauen ausgepeitscht und in Timbuktu Heiligtümer zerstört wurden.

Außerdem macht das Schreiben deutlich, dass al-Qaida trotz des Rückzugs vor den vorrückenden französischen Truppen weiter in der Region aktiv bleiben will und dass die Terrorgruppe zu kurzfristigen ideologischen Zugeständnissen bereit ist, um Verbündete zu gewinnen.

Islamwissenschaftler bestätigt Echtheit

Der Brief ist eines von ganz wenigen aufgetauchten internen Dokumenten des nordafrikanischen Ablegers von al-Qaida. Möglicherweise ist es das erste überhaupt, das veröffentlicht wird, wie der Islamwissenschaftler der Universität von Toulouse Mathieu Guidere sagte. Er bestätigte die Echtheit des Papiers, das die Nummer 33/234 trägt.

"Dies ist ein Dokument zwischen den Islamisten, wie es noch nie der Öffentlichkeit gezeigt wurde", sagte Guidere. "Es bestätigt etwas sehr Wichtiges: Die Spaltung über die strategische Ausrichtung der Organisation. Es gab eine Debatte darüber, wie ein islamischer Staat in Nordmali errichtet werden und wie die Scharia umgesetzt werden sollte."

Das undatierte Schreiben wurde von Reportern auf dem Boden eines Hauses gefunden, in dem Al-Qaida-Kämpfer mehr als ein Jahr gewohnt hatten. Es ist eine Art kritische Bestandsaufnahme der Aktivitäten der Dschihadisten in den vergangenen Monaten. So kritisiert Droukdel – eigentlich Abu Musab Abdul Wadud -, dass seine Kämpfer zu brutal vorgingen. Er mahnt zur Zurückhaltung, sonst könnte ihr ganzes Projekt in Gefahr sein.

Damit könnte das Schreiben auf eine Änderung in Droukdels Strategie hinweisen. Denn für die jetzt angemahnte Zurückhaltung ist er selbst bisher nicht bekannt. Vielmehr soll Droukdel die Planung zahlreicher Selbstmordattentate beaufsichtigt haben.

Darunter ist auch der Anschlag auf ein UN-Gebäude und einen Regierungskomplex in Algier 2007. Damals starben 41 Menschen. Im selben Jahr erklärten ihn die USA zu einem globalen Terroristen und verboten Amerikanern, mit ihm Geschäfte zu machen.

Quelle: AP/ks
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