14.02.13

Schloss Bellevue

Gauck ernennt Wanka zur neuen Bildungsministerin

Stabübergabe, erster Akt: Mit Johanna Wanka ist eine ausgewiesene Pragmatikerin neue Bildungsministerin geworden. Der offizielle Abschied von Vorgängerin Annette Schavan findet am Freitag statt.

Foto: AFP

Joachim Gauck beglückwünscht Johanna Wanka zum neuen Job als Ministerin. Vorgängerin Annette Schavan schaut missmutig zu
Joachim Gauck beglückwünscht Johanna Wanka zum neuen Job als Ministerin. Vorgängerin Annette Schavan schaut missmutig zu

Bundespräsident Joachim Gauck hat am Donnerstag Johanna Wanka zur neuen Bundesbildungsministerin ernannt. Die aus Sachsen stammende Wanka folgt auf Annette Schavan (beide CDU), die nach der Aberkennung ihres Doktortitels wegen Plagiatsvorwürfen am Samstag zurückgetreten war.

Gauck dankte Schavan für die in mehr als sieben Jahren als Bildungsministerin geleistete Arbeit. "Viele bedauern, dass die Bildungs- und Forschungspolitik des Bundes nicht mehr in ihren Händen liegen", sagte der Präsident.

Mit Schavan gehe eine Ministerin, "die weit über die eigene Fraktion und Koalition hinaus hohe Achtung in der politischen und wissenschaftlichen Welt genießt", sagte Gauck weiter nach der Übergabe der Entlassungsurkunde an die scheidende Ministerin.

Schavan, eine enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), strebt nun erneut ein Bundestagsmandat an; gegen die Entscheidung der Universität Düsseldorf zur Aberkennung des Doktortitels will sie juristisch vorgehen.

Gauck gratuliert Wanka

Der neuen Ministerin Wanka gratulierte Gauck zu ihrem Amt. Er verwies auf deren Engagement zur Wendezeit in der DDR; Wanka gehörte seinerzeit zu den Gründern des Neuen Forums in Merseburg.

Er hob die wissenschaftliche Karriere der promovierten Mathematikerin hervor, die auch als Bildungsministerin in Brandenburg und Niedersachsen einige Erfahrung gesammelt habe. "Auch bei Ihnen kann man sagen, dass Sie Wissenschaft und Forschung leben."

Mit Blick auf die schwierige Zusammenarbeit von Bund und Ländern in der Bildungspolitik fügte Gauck hinzu, er wünsche sich, "dass die Verantwortlichen hier gemeinsamer handeln".

Mit dem Auslaufen großer Milliardenprogramme von Bund und Ländern – wie der bis 2017 dauernden Exzellenzinitiative – stünden in der nächsten Zeit "große Entscheidungen" an. "Sie werden in drängenden Fragen viel zu bewegen haben", sagte Gauck an die Adresse Wankas. Die neue Ministerin will sich gegen Mittag in Berlin an die Presse wenden.

Amt ist Wanka auf den Leib geschneidert

Mit Johanna Wanka, bisher Wissenschaftsministerin in Niedersachsen, wechselt eine Frau an die Spitze des Bundesbildungsministeriums, der dieses Amt quasi auf den Leib geschneidert ist. In Niedersachsen hat sie bewiesen, wie schnell sie sich auf jeder Hochschul- und Wissenschaftswiese dieser Republik zurechtfindet.

Wanka, die 1951 im sächsischen Rosenfeld geboren wurde, studierte von 1970 bis 1974 in Leipzig Mathematik. Danach ging sie als Dozentin zur Technischen Hochschule Merseburg, deren Rektorin sie von 1994 bis 2000 war. Im Wendejahr 1989 war sie Gründungsmitglied des oppositionellen Neuen Forums in Merseburg. Wanka ist mit einem Mathematikprofessor verheiratet und hat zwei Kinder. Sie lebt in Potsdam.

Von 2000 bis 2009 war Wanka Wissenschaftsministerin in Brandenburg. 2010 wechselte die promovierte Mathematikerin aus der Brandenburger Opposition nach Hannover, wohin Christian Wulff die damals 59-Jährige gelotst hatte.

Innerhalb kürzester Zeit bekam sie das als eher kompliziert geltende Wissenschaftsministerium in den Griff und führte es zweieinhalb Jahre lang unfallfrei durch die an Skandalen und Skandälchen nicht eben arme niedersächsische Landespolitik.

Immer elegant gekleidet

Es konnte noch so hoch hergehen im Landtag zu Hannover, Johanna Wanka, immer elegant gekleidet, bewies Maß, Mitte, Haltung. Gerne auch mal gegen den Mainstream.

Als Mathematikerin und Pragmatikerin war sie in Niedersachsen schnell zu der Überzeugung gekommen, dass die unterfinanzierte deutsche Hochschullandschaft ihren Mangel an Qualität und Wettbewerbsfähigkeit nur mithilfe von Studiengebühren und Fremdfinanzierungen würde verbessern können.

Bundespräsident Gauck jedenfalls wünschte ihr bei der Ernennung große Gestaltungskraft bei der Fortentwicklung der milliardenschweren Bund-Länder-Sonderprogramme zur Stärkung von Bildung und Forschung.

Quelle: WON/AFP/pku
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