12.02.13

Schöne Aussicht

ISS-Astronaut twittert phänomenale Fotos der Erde

Chris Hadfield arbeitet in 400 Kilometern Höhe auf der Raumfahrtstation ISS. Der Blick von seinem Arbeitsplatz ist so fantastisch, dass der Astronaut ihn täglich an Hunderttausende twittert.

Foto: Chris Hadfield/NASA

Während der ein oder andere (junge) Londoner noch von einem Leben als Astronaut träumt, schwebt Chris Hadfield bereits in seiner Raumfahrtstation über ihn hinweg: Fünf Monate lang ist der 53-Jährige als Astronaut auf der Internationalen Raumstation ISS tätig. Nahezu täglich twittert er seine Sicht auf die Welt - beispielsweise dieses Bild von der englischen Metropole mitten in der Nacht.

15 Bilder

Um diese Fotos faszinierend zu finden, ist kein Interesse an Raumfahrt erforderlich. Nein, eine Gänsehaut stellt sich bei den Bildern von Astronaut Chris Hadfield ganz von selbst ein: Seit dem 21. Dezember ist der Kanadier auf der internationalen Raumstation ISS beschäftigt - und zeigt uns seitdem, wie die Welt von oben aussieht.

Beinahe täglich schickt er über Twitter oder Facebook Bilder aus dem All, mal vom nächtlichen Nordkorea, ein paar Tage später von Teheran, dann von der Landschaft Afrikas – je nachdem, über welchem Teil der Erde die ISS auf ihrer 35. Mission gerade kreist.

Fotografien wie diese hat es zwar auch schon vorher gegeben. Doch die Bilder von Hadfield sind trotzdem besonders, vor allem wegen seiner Anekdoten, die er zu seinen Aufnahmen aus dem All erzählt – etwa, wenn ihn, mit Blick auf unseren Planeten, die Sehnsucht nach Zuhause packt. "Sarnia, Ontario, die Stadt, in der ich geboren wurde", schreibt Hadfield, als die Raumfahrstation über Kanada gleitet. "So großartig, die Lichter meiner Heimat in der Nacht zu sehen."

Hadfield hat 350.000 Follower bei Twitter

Für die meisten von uns ist sie nur schwer vorstellbar, diese Reise auf einer Raumstation, der Alltag weit oberhalb der Atmosphäre, die Isolation, die Hadfield während seiner fünfmonatigen Arbeit auf der ISS erlebt. Vielleicht ist genau das der Grund, warum der 53-Jährige, 1995 erster Kanadier auf der Raumstation Mir, so viele Menschen für sein Abenteuer 400 Kilometer über der Erde gewinnen kann.

Mehr als 350.000 Follower hat Hadfield, der auch der erste Kanadier ist, der die Geschäfte auf der ISS führen wird, inzwischen – und es werden täglich mehr. Als er Ende Dezember ins All flog, waren es gerade 22.000.

Neben seinen spektakulären Bildern ist Hadfield seine Fangemeinde auch wegen einer Sache sicher: Er geht auf die Fragen und Wünsche seiner Leser, die aus den verschiedensten Ländern kommen, ein. Weil der von der Canadian Space Agency entsandte Astronaut etwa bemerkt habe, dass er viele Follower aus England hat, wolle er Aufnahmen von Großbritannien machen, "sobald die Wolken verschwunden sind".

Zeitvertreib im All? Aus dem Fenster sehen!

An anderen Tagen, bei klarer Sicht, fotografiert der 53-Jährige einen ausgetrockneten See über Australien, dessen Aussehen ihn an eine Auster erinnert, oder aber das nächtliche Portugal, genauer gesagt: die Hauptstadt Lissabon mit ihren Abermillionen von Lichtern. "Ich habe immer gesagt, dass der beste Zeitvertreib von Astronauten der ist, vom Fenster aus die Welt zu beobachten", sagte Hadfield bei einem Pressetermin.

Manche seiner Aufnahmen erscheinen dem Betrachter so nah, dass es kaum vorstellbar ist, in welcher Entfernung Hadfield über der Erde arbeitet: Ein Bild, das vom Wind verwehte Sanddünen zeigt, erweckt den Eindruck, als ob der Astronaut das Foto aus einem Flugzeug aufgenommen hätte. "Seoul, Südkorea, nur ein paar Hundert Kilometer entfernt", schreibt Hadfield über ein anderes Bild, wohl zur Erinnerung, dass er dann eben doch weit weg, im Weltall, unterwegs ist.

Erst im Mai kommt der Raumfahrer, der auch schon mit Captain Kirk beziehungsweise seinem Schauspieler William Shatner geplaudert hat, zur Erde zurück.

In seiner Freizeit spielt er Gitarre

Bis dahin wird er für wissenschaftliche Untersuchungen auch weiterhin Vulkane und Wälder, Metropolen und Meere beobachten – es sei denn, er hat ein wenig Freizeit. Denn dann spielt Hadfield auch schon mal eine ganze Nacht lang Gitarre. Er arbeitet nämlich zur Zeit an dem ersten, in der Umlaufbahn produzierten Album. Einen Song hat er bereits einstudiert, "I.S.S. (Is Someone Singing)" heißt er, und Hadfield hat ihn bereits im amerikanischen Fernsehen vorgetragen. Live aus dem All zugeschaltet, versteht sich.

Bei dem Ausblick, den der Astronaut derzeit genießt, wird er sicher über genug Material für viele weitere Titel verfügen. Und Fotos für das Cover der Platte hat er ja auch schon parat.

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