05.02.13

Luftverkehr

Airline richtet kinderfreie Zone im Flugzeug ein

Kinder können schon manchmal nerven – besonders, wenn es nicht die eigenen sind. Doch darf man sie deswegen aus bestimmten Sektionen in Flugzeugen verbannen, wie es eine malaysische Airline tut?

Von Christian Ebner
Foto: dpa

Bei deutschen Fluggesellschaften wie Air Berlin und Lufthansa haben Kinder freie Sitzplatzwahl
Bei deutschen Fluggesellschaften wie Air Berlin und Lufthansa haben Kinder freie Sitzplatzwahl

Streit um Kinderlärm gibt es nicht nur in Berliner Szene-Cafés. So sperren in Asien manche Fluggesellschaften bestimmte Sitzreihen für Passagiere unter zwölf Jahren, um anderen Gästen gegen Aufpreis eine ruhigere Umgebung anzubieten.

In dieser Woche zog der malaysische Billigflieger Air Asia X, der allerdings nicht mehr nach Europa fliegt, nach: Die ersten sieben Economy-Reihen der Air Asia-Jets sind für Kinder unter zwölf Jahren tabu. Erwachsene, die in der ruhigen Zone sitzen wollen, müssen einen Aufschlag zahlen.

Die Airline verspricht "Frieden und Stille" für ein paar Euro und verbannt die Familien in den hinteren Flugzeugteil. In Internet-Foren findet sich neben Empörung auch viel Zustimmung zum "Fliegen ohne Kindergeschrei" und einige Kritik an Eltern, die ihren Nachwuchs nicht im Griff hätten.

Angetrunkene Erwachsene sind schlimmer

Der Hamburger Luftverkehrsexperte Cord Schellenberg sieht im Vorgehen der malaysischen Gesellschaften dennoch keinen globalen Trend.

Mindestens in Nordamerika und Europa seien die Gesellschaften sehr sensibel gegen Diskrimierungen, so dass für die Fluggesellschaften keine Möglichkeit bestehe, die mitfliegenden Kinder schlechter zu behandeln als andere Fluggäste. "Ein Großteil der Gäste würde das als sehr unfreundlich empfinden und nicht auf Dauer mit einer solchen Airline fliegen wollen", sagte Schellenberg.

Die meisten Kinder sind laut Schellenberg ohnehin gebannt von Bordfilmen oder elektronischem Spielzeug. "Und das Schreien von Säuglingen, die ja nun wirklich nichts dafür können, muss doch jeder aushalten können", sagte der Luftverkehrsexperte. Ohnehin seien angetrunkene Erwachsene viel unangenehmere Mit-Passagiere.

"Da ist Fingerspitzengefühl gefragt"

Die deutschen Fluggesellschaften versichern, es gebe auch überhaupt keine Pläne für kinderfreie Zonen. Air Berlin bezeichnet sich selbst als "Airline mit Herz". "Bei uns gibt es keinerlei Überlegungen in diese Richtung", sagte eine Sprecherin. "Wir werden weiterhin ein vielfältiges Angebot für Familien mit Kindern aller Altersstufen anbieten."

Auch beim Marktführer Lufthansa gibt es keine Tabu-Zonen für junge Passagiere. "Das ist auch nicht geplant", heißt es in der Frankfurter Zentrale. Konflikte an Bord lassen sich am besten durch gut geschultes Personal vermeiden, ergänzt der Experte Gerald Wissel von Airborne Consulting. "Da ist Augenmaß und Fingerspitzengefühl gefragt."

Quelle: dpa
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