03.02.13

Goldene Kamera

Ein Preis für die geplagte "Wetten, dass..?"-Seele

Glänzender Abend in Bestbesetzung: Al Pacino und Sigourney Weaver gaben der Verleihung der Goldenen Kamera Hollywood-Glanz. Das ZDF holte zwei wichtige Preise. Am Ende wurde es ein wenig traurig.

Von Maike Jansen
Foto: Eventpress HerrRa

Al Pacino kam mit Freundin Lucila Sola. Der US-Schauspieler wurde in diesem Jahr für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

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Nun wird Tom Hanks endgültig den Glauben an das deutsche Fernsehen verlieren: Markus Lanz bekommt für seine Neuauflage von "Wetten, dass..?" die Goldene Kamera – dabei war sich der US-Schauspieler doch jüngst noch so sicher: Eine Sendung wie diese wäre in seinem Heimatland längst abgesetzt worden.

Und nicht nur Tom Hanks schimpfte über den Versuch von ZDF und Markus Lanz, die schmerzhafte Lücke in der Abendunterhaltung, die Thomas Gottschalk mit seinem Ausstieg gerissen hatte, zu stopfen. "Das letzte große Lagerfeuer" – so wurde "Wetten, dass..?" vorgestellt, und auch Preisträger Markus Lanz fasste sein neues Showbaby genauso auf. "Ich mach's mit jedem Tag ein bisschen lieber", bekannte er in seiner Dankesrede – die Wunden der verheerenden Kritiken scheinen noch immer zu schmerzen.

Es ist ein konservatives und zugleich ermutigendes Signal, das die "Hörzu"-Leser mit diesem Preis aussenden. Gerade erst hatte das Grimme-Institut, eigentlich für seine Biederkeit bekannt, für Aufsehen gesorgt, weil die Juroren erwägen, das Dschungelcamp für herausragende Unterhaltung auszuzeichnen. Nach überirdischen Quoten könnte RTL damit auch noch per Auszeichnung salonfähig werden – ein Dorn im Auge vieler Kritiker.

Das Lagerfeuer glimmt noch

Doch den Untergang des deutschen Fernsehens, den viele schon herbeischrieben, hat die Goldene Kamera nun noch einmal abwenden können. Schon die Auswahl der Sendungen war äußerst familienfreundlich: "Die große Show der Naturwunder", "Frag doch mal die Maus" und eben "Wetten, dass ..?" – das Lagerfeuer glimmt noch, so das deutliche Signal.

Ein Signal aber nicht nur ans Privatfernsehen, sondern auch in Richtung ARD. Denn nicht nur in Sachen Unterhaltung, auch in einer zweiten Disziplin befand die "Hörzu": Auch in der Sparte Information sieht man mit dem Zweiten laut der Jury besser.

Claus Kleber wurde zum besten Anchorman gekürt, die "erste goldene Auszeichnung", freute er sich. Seine Dankesrede nutzte Kleber gleich zur Aufklärung: "Wir schreiben unsere Texte selber" und: "Wir sprechen die Fragen in Interviews nicht mit Politikern ab", denn: "Messi erzählt dem Torwart ja auch nicht, in welche Ecke er zielt."

Glänzender Gastgeber Hape Kerkeling

Durchs Programm der Goldenen Kamera führte ein erstaunlich wenig schriller Hape Kerkeling, der sich nach einem Jahr zurück auf der Bühne zeigte. Seine Alter Ego Königin Beatrix hatte er natürlich mit im Gepäck, aber auch Horst Schlämmer, der sich überraschend von der Bühne aus an Birgit Schrowange heranmachte.

Einer Gala angemessen in Jackett und Fliege führte Kerkeling kurzweilig durch das Programm, tauchte auch in kurzen Einspielern immer wieder in verschiedenen Rollen auf. Er sollte wirklich wieder mehr auf der Bühne stehen, dieser Gedanke drängt sich auch an diesem Abend immer wieder auf.

Doch zum Kern der Veranstaltung: Charly Hübner wurde als bester Schauspieler ausgezeichnet, der bescheiden die Kamera lieber an Ulrich Noethen oder Devid Striesow weitergegeben hätte. Als beste Schauspielerin nahm Claudia Michelsen die Goldene Kamera entgegen. Sie setzte sich gegen Ina Weisse und Silke Bodenbender durch. Als bester Film gewann "Das Ende einer Nacht" – und damit wieder das ZDF – eine goldene Kamera.

Die großen Stars aus Hollywood mussten wie üblich nicht im Publikum bangen, ob sie am Ende des Abends einen Preis absahnen würden – wer so eine weite Reise unternimmt, dem ist Ehre garantiert. Al Pacino war gekommen, um die Goldene Kamera für sein Lebenswerk in Empfang zu nehmen.

Auch Joe Cocker steht inzwischen schon so lange auf der Bühne, dass gleich sein ganzes Leben preisgekrönt wurde, ein Gewinnerständchen schenkte er der Gala noch dazu.

"Niemals geht man so ganz" für Dirk Bach

Sigourney Weaver (63), bekannt aus Filmen wie "Alien" und "Gorillas im Nebel" bekam die Goldene Kamera in der Kategorie "Beste Schauspielerin international". Und Clive Owen, der in Filmen wie "Closer" und "Children of Men" mitspielte, durfte als "Bester Schauspieler international" den Preis mit nach Hause nehmen.

Doch auch ein paar deutsche Stars waren schon als Sieger in Berlin eingetroffen, standen schon vor der Gala außer Konkurrenz: Dem Graf von der Band Unheilig war die Auszeichnung "Beste Musik national" sicher, der Komiker Dieter Hallervorden hat sich mit fünf Bühnenjahrzehnten ein goldenes Lebenswerk erspielt – 77 Jahre alt und immer noch lustig.

Wenn auch das Dschungelcamp von der Goldenen Kamera links liegen gelassen wurde, so war Dirk Bach, der verstorbene Star der Show auch an diesem Abend noch einmal sehr präsent: "Niemals geht man so ganz", sang ein Chor von Prominenten – ein rührendes Abschiedsständchen für den großen Entertainer.

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