28.01.13

Berlinale

Schluss mit den Festival-Mottos!

Berlinale-Chef Dieter Kosslick verleiht seinem Festival jedes Jahr ein seltsames Motto. Diesmal soll es angeblich um "starke Frauen" gehen. Dabei ist der heimliche Themenschwerpunkt ein ganz anderer.

Foto: dapd

Findet immer einen passenden Slogan, auch wenn die ganzen Filme eigentlich gar nicht unter einen Hut zu bringen sind: Dieter Kosslick, hier bei der Berlinale-Pressekonferenz in Berlin
Findet immer einen passenden Slogan, auch wenn die ganzen Filme eigentlich gar nicht unter einen Hut zu bringen sind: Dieter Kosslick, hier bei der Berlinale-Pressekonferenz in Berlin

Am Donnerstag nächster Woche beginnt in der Bundeshauptstadt das größte schwäbische Ereignis des Kalenderjahres. Es heißt "Berlinale". Geleitet wird es von dem in Pforzheim geborenen Schwaben Dieter Kosslick (obwohl Pforzheim, das gehört einmal gesagt, in der schwäbisch-alemannisch-fränkischen Dialektgrauzone liegt), Programmmanager ist der Öhringer Schwabe Thomas Hailer, Pressesprecherin die Böblingerin Frauke Greiner – und wer weiß, wie viele Schwaben im Berlinale-Hintergrund noch so ihre Spätzles-Fäden ziehen. Fast ein Wunder, dass der Badener Wieland Speck weiter die Sektion "Panorama" leiten darf, aber Schwaben sind ja berühmt für ihre Toleranz.

Auf jeden Fall wäre es an der Zeit, dass die Berlinale sich als schwäbische Einflussveranstaltung outet. Als Veranstaltung mit heimlichem Schwaben-Schwerpunkt. Das ist, zugegeben, in der momentan erhitzten Berlin/Schwaben-Debatte ungefähr so schwer wie ein schwules Outing in Niederbayern vor fünfzig Jahren.

Am Montag hätte Dieter Kosslick die Gelegenheit dazu gehabt, bei seiner jährlichen Prä-Berlinale-Show, aber offensichtlich hat ihn dann doch der Mut verlassen, und es blieb bei der Bekanntgabe der Jury und den üblichen Schwerpunkt-Slogans.

Wie bringt man alles unter Kosslicks Borsalino?

Diese Motto-Suche! Kosslick ist nicht zu beneiden. Es ist ja nicht so, dass sich die Auswahlkommissionen ein Motto ausdächten ("Dieses Jahr nehmen wir nur Filme, in denen über Alternativen zum Kapitalismus nachgedacht wird") und nun die Tausende von Filmen, die eingereicht werden, danach durchkämmen würden.

Vielmehr wird jeder Kandidat einzeln auf seine Meriten überprüft, und die Endauswahl von 400 Filmen enthält Dutzende von Themen und Aspekten, die sich unter keinen gemeinsamen Hut zwingen lassen, nicht einmal unter Kosslicks berühmten Borsalino.

Dessen ungeachtet präsentiert der Berlinale-Direktor unverdrossen jedes Jahr "Schwerpunkte", denn die Medien verlangen Schlagworte. Wir stellen uns vor, wie voriges Wochenende Brainstorming-Sitzungen im Berlinale-Hauptquartier verzweifelt nach "Schwerpunkten" fahndeten: "Betrügerische Banker?" – "Nein, kann man nicht jedes Jahr machen". Vielleicht "Die Jobbisierung der Arbeitswelt?" – "Nicht gut. Auch die Berlinale bietet fast nur Zeitverträge".

Bei der Pressekonferenz proklamierte Kosslick schließlich "starke Frauen" (originell wären "starke Männer" gewesen) und den "Kampf gegen gnadenlose Systeme" (da sind wir gespannt, welche darunter fallen) als übergreifende Aspekte.

Die Berlinale könnte sich dieses krampfhafte Schielen nach thematischen Aufklebern ersparen. Warum stellt sich Dieter Kosslick bei seiner Pressekonferenz 2014 nicht einfach hin und sagt: "Keine Details heute, Leute. Vertraut einfach uns Schwaben. Auf uns ist ein Großteil der Wertschöpfung in Berlin zurückzuführen, dann werden wir dieses Event auch noch hinkriegen. Mir wisset, was mer machet, un net bloß im Ländle. Tschüssle dann bis zum roten Teppich."

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