25.01.13

Konjunkturbarometer

Optimismus zurück - Dax auf Fünf-Jahres-Hoch

Die deutsche Wirtschaft nimmt im neuen Jahr wieder Fahrt auf. Der wichtigste Konjunkturindikator, der Ifo-Index, stieg im Januar den dritten Monat in Folge. Der Dax kletterte auf ein Fünf-Jahres-Hoch.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Januar den dritten Monat in Folge aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte um 1,8 auf 104,2 Punkte, teilte das Münchner Ifo-Institut mit. Das ist der beste Wert seit Mitte 2012. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur ein Plus auf 103,0 Punkte erwartet.

Drei Anstiege in Folge signalisieren eine Wende zum Besseren. "Die deutsche Wirtschaft startet hoffnungsvoll ins neue Jahr", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Damit mehren sich die Hinweise, dass die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn wieder wächst. Im vierten Quartal 2012 war sie mit 0,5 Prozent erstmals seit einem Jahr geschrumpft – und das so stark eingebrochen wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr.

Die jetzigen Anzeichen der konjunkturellen Erholung trieben den deutschen Aktienmarkt auf ein Fünf-Jahres-Hoch. Der Dax stieg um bis zu 1,2 Prozent auf 7842 Zähler, den höchsten Stand seit Januar 2008. Auch der Euro zog kräftig an und war mit 1,3451 Dollar so teuer wie seit elf Monaten nicht mehr.

Die Kurse waren allerdings schon kurz vor Bekanntgabe der eigentlichen Ifo-Daten deutlich nach oben gegangen. "Da haben wohl einige schon auf den besser als erwartet ausgefallenen Ifo spekuliert", sagte ein Händler.

Industrie besonders optimistisch

Die 7000 befragten Manager bewerteten die Aussichten für die kommenden sechs Monate erneut besser: Das Barometer kletterte um 2,5 auf 100,5 Punkte, während Ökonomen nur mit 99,0 Punkten gerechnet hatten. Die Lage wurde ebenfalls besser eingeschätzt. Dieser Index legte um 0,9 auf 108,0 Zähler zu, womit die Analystenprognose von 107,2 Zählern übertroffen wurde.

Besonders deutlich hat sich die Stimmung in der Industrie verbessert. "Der Optimismus kehrt zurück", sagte Sinn. Die Unternehmen würden ihre Maschinen und Geräte wieder stärker auslasten. Auch bei den Dienstleistern und in der Baubranche ging es bergauf, im Groß- und Außenhandel hatten dagegen die Pessimisten Zulauf.

Die von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Ökonomen rechnen mit einer Rückkehr auf den Wachstumspfad. Sie sagen für das erste Quartal ein Plus von 0,2 Prozent voraus, das sich im Frühjahr auf 0,3 Prozent und in der zweiten Jahreshälfte auf 0,4 Prozent steigern soll. "Die Unternehmen haben 2012 abgehakt", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. "Die Weltwirtschaft erholt sich, die Planungsunsicherheit lässt nach." Gleichzeitig steige der Konsum dank hoher Beschäftigung und steigender Reallöhne.

Allerdings dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr nur langsam wachsen. Die Bundesbank rechnet mit einem Plus von 0,4 Prozent, nach 0,7 Prozent 2012.

Quelle: Reuters/dpa/cat
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Deutsche und französische Wirtschaft
  • WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

    Frankreich: In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich 2012 im Standortvergleich des World Economic Forum um drei Ränge auf den 21. Platz ab. Die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der „Grande Nation“. Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.

    Deutschland: Trotz der Euro-Krise hat Deutschland in dem globalen Standortvergleich seinen sechsten Platz behauptet und damit erstmals die USA überholt. Als Pluspunkte gelten die ausgezeichnete Infrastruktur und innovative Unternehmen, die alle Stufen der Wertschöpfung leisten können – von der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Minuspunkte gab es dagegen für den Arbeitsmarkt, der als zu starr gilt. Kritisiert wird vor allem die mangelnde „Flexibilität der Lohnfindung“: Hier landet Deutschland auf Platz 139 von 144.

  • INDUSTRIE

    Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 12,6 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei.

    Deutschland: Hierzulande haben viele „hidden champions“ ihre Heimat – also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung kletterte 2011 auf 26,2 Prozent, während er zwischen 2000 und 2010 im Schnitt nur 25,1 Prozent betrug.

  • RATING

    Frankreich: Mit Fitch stuft nur noch eine der drei großen Ratingagenturen die Bonität mit der Bestnote AAA ein. Standard & Poor's entzog Frankreich das Spitzenrating vor einem Jahr und droht mit einer weiteren Herabstufung. Moody's zog im November nach.

    Deutschland: Von allen großen Ratingagenturen wird Deutschland mit AAA bewertet. Der Staatshaushalt wies 2012 trotz Konjunkturflaute erstmals seit fünf Jahren wieder einen Überschuss aus.

  • WACHSTUM

    Frankreich: Die Wirtschaft wächst nicht mehr. Von Reuters befragte Ökonomen sagen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr eine Stagnation voraus. Grund dafür ist der Konsum: Er dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr angesichts der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren. 2014 soll ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent folgen.

    Deutschland: 0,6 Prozent Wachstum sagen die Ökonomen für 2013 voraus. Garant dafür ist der private Konsum. Er soll wegen der Rekordbeschäftigung und spürbarer Lohnzuwächse kräftiger wachsen als 2012. Für das kommende Jahr rechnen die Experten mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.

  • SCHULDEN

    Frankreich: Frühestens 2015 wird Frankreich nach Einschätzung der EU-Kommission die EU-Grenze für die Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wieder einhalten. Demnach wird das Defizit 2013 und 2014 bei jeweils 3,5 Prozent liegen. Der Schuldenberg soll in diesem Jahr auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen.

    Deutschland: Bereits 2012 wurde ein Überschuss von 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielt – dank des Steuerbooms und der Rekordbeschäftigung. Bis 2014 soll der Schuldenstand nach Prognose der EU-Kommission auf 78,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen.

    Quellen: Thomson Reuters, Statistisches Bundesamt, EU-Kommission, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

  • ARBEITSKOSTEN

    Frankreich: 34,20 Euro kostete 2011 eine Arbeitsstunde in der französischen Privatwirtschaft im Schnitt, in der Industrie sind es sogar 35,91 Euro. Damit ist in der EU Arbeit nur in Belgien, Schweden und Dänemark noch teurer.

    Deutschland: Im Schnitt kostete im Referenzjahr eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro – das ist der siebthöchste Wert der 27 EU-Mitglieder. Der Euro-Zonen-Schnitt liegt bei 27,70 Euro. In der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie liegen die Arbeitskosten bei 35,66 Euro pro Stunde.

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