19.01.13

Berlin

Zoochef betitelt Arbeiterinnen als "Zuchtstuten"

Um Fettnäpfchen macht Berlins Zoochef Bernhard Blaszkiewitz bekanntlich keinen großen Bogen. Der neueste Konflikt betrifft mehr seinen rustikalen Stil im Umgang mit Menschen, nicht mit Tieren.

Von Hans-Rüdiger Bein
Foto: dpa

Bernhard Blaszkiewitz, Direktor des Zoos in Berlin, lässt kein Fettnäpfchen aus
Bernhard Blaszkiewitz, Zoo- und Tierpark-Direktor in Berlin, mit der Knut-Gedenkmünze

Im Berliner Zoo und Tierpark ist wieder einmal "der Bär los", wie es so schön heißt, wenn es so richtig kracht. Hinter vorgehaltener Hand heißt es auch, es bestätige sich wieder einmal, dass sich der seit längerer Zeit heftig umstrittene Herr der Tiere in Berlin, Bernhard Blaszkiewitz, wie ein Elefant im Porzellanladen verhält.

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung soll der Zoo- und Tierparkchef in internen Schreiben vor die Namen weiblicher Mitarbeiter die Formel 0,1 gesetzt haben. Diese steht in der Zoowelt für "Weibchen".

Beim nächsten Aufreger geht es den Zoohelfern direkt ans Geld. Viele Zooangestellte würden Weihnachtsgeld kassieren, obwohl sie ganz und gar "unchristlich" seien, schnaubte Blaszkiewitz am vergangenen Mittwoch bei einer konfliktreichen Betriebsversammlung im Tierpark Friedrichsfelde.

Der in zahlreichen Verbalduellen als Dauer- und Lieblingsgegnerin bekannten Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling soll er auch unterstellt haben, sie sei mit ihrer ständigen Kritik, vor allem an der Elefantenhaltung, "einfach bösartig".

Sofortige Abberufung von Blaszkiewitz

Die Politikerin fordert nun die sofortige Abberufung von Blaszkiewitz durch den Senat. Der Zoochef sei "disqualifiziert als Chef" und habe "herabwürdigende und diskriminierende Umgangsformen". So dürfe kein Chef mit den ihm anvertrauten Tieren und Menschen umgehen. Das Maß sei voll, für die Entlassung sei es höchste Zeit, fordert Hämmerling.

Blaszkiewitz reagiert erst einmal, wie schon bei früheren Vorwürfen, als Unschuldslamm. Die Klassifizierung von weiblichen Mitarbeitern unter einer Formel für weibliche Tiere sei "nicht etwa eine Bezeichnung der Missachtung". Wörtlich heißt es in seiner Antwort auf eine parlamentarische Grünen-Anfrage: "Im Gegensatz zu den männlichen Mitarbeitern, bei denen lediglich der Nachname – übrigens auch unter Weglassung des akademischen Titels – genannt wird, ist dies als Höflichkeit gegenüber den weiblichen Mitarbeitern gedacht."

Generell bewertet Blaszkiewitz die Tatsache, dass diese Schreiben und Zitatauszüge aus der Betriebsversammlung Medien zugespielt worden sind, als Vertrauensbruch und Verstoß gegen Arbeitsverträge. Die Inhalte würden "die Öffentlichkeit einen feuchten Kehricht angehen", sagte Blaszkiewitz.

Weiter unter Druck könnte Blaszkiewitz aber nicht nur wegen des Vorwurfs der persönlichen Diskriminierung von Zoo- und Tierpark-Mitarbeiterinnen und der Grünen-Abgeordneten Hämmerling geraten, sondern vor allem wegen der Vermischung von Tarifverhandlungen mit seiner persönlichen Rolle.

Als bekennender Katholik war Blaszkiewitz nach eigenen Angaben von 2003 bis 2011 Leiter der Berliner Komturei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Vor diesem Hintergrund reagieren zahlreiche Zooangestellte empört auf den Vorhalt, sie würden Weihnachtsgeld kassieren, obwohl viele von ihnen absolut "unchristlich" seien. Dies sei keineswegs zu vermischen, tarifrechtlich dürfte die private Einstellung ohnehin keine Rolle spielen.

Zahlreiche Gegner und Kritiker

Blaszkiewitz hat persönlich schon seit vielen Jahren zahlreiche Gegner und Kritiker. Besonders unter Druck stand er, als er vor einem Parlamentsausschuss zugeben musste, vor mehr als 20 Jahren im Tierpark vier junge Katzen eigenhändig durch Genickbruch getötet zu haben. Kritisch bewertet wurde auch seine äußerst knappe Reaktion nach dem Tod einer Pflegerin durch einen ausgebrochenen Moschusochsen ("Ein Moschusochsenbulle ist eben kein Schmusetier").

Weltweit Kritik auch von Experten musste er sich wegen mehrerer Entscheidungen über die Haltung des berühmten Eisbären Knut anhören. Viele Tierfreunde waren auch wütend, als Blaszkiewitz die beliebte Knut-Show mit dem damaligen Tierpfleger Thomas Dörflein vorzeitig stoppte.

Zeigefinger abgebissen

Blaszkiewitz selber zeigte sich stets hart im Nehmen. 2009 war er am Affengehege kurz unvorsichtig, ein Schimpanse biss ihm einen Zeigefinger ab. Der Versuch des Annähens in der Chirurgie misslang wegen einer späteren Wundinfektion. Bei der ersten Pressekonferenz nach dem Vorfall zeigte er den Fotografen demonstrativ den verheilten Stumpf.

Auch aktuell will er offensiv bleiben: "Ich bin das Leitbild" – das soll er in der emotional aufgeladenen Betriebsversammlung verkündet haben. Er wisse, dass man ihn hier "weghaben" wolle. Aber, so Blaszkiewitz: "Das klappt nicht."

Quelle: dpa/mh
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Südkorea Geretteter Schulleiter bringt sich um
Schriftsteller Trauer um Gabriel Garcia Marquez
Trotz Handelsverbot Kanada eröffnet die alljährliche Robbenjagd
Coachella Festival Hier ist Promis nichts peinlich
mood_inklusion_300.jpg
Inklusionspreis Berlin…

Auszeichnung für Unternehmen, die vorbildlich für behinderte…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Mount Everest

Tote Sherpas und ehrgeizige Touristen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote