10.01.13

"Ich bin ein Star"

Wer ist wer? Das ist die Dschungelcamp-Typologie

Der Start von "Ich bin ein Star – holt mich hier raus" rückt näher. Zeit für eine Typologie der Veteranen und der neuen Kandidaten. Wer wird das erotische Luder? Und wer die Krawallschachtel?

Foto: (c) RTL / Stefan Gregorowius

Diese elf Stars und Sternchen machen 2013 das australische Dschungelcamp unsicher.

13 Bilder

Freitag startet die siebte Staffel des RTL-Dschungelcamps. Zum nun bereits siebten Mal hat der Sender Prominente – oder besser: Menschen, die gerne welche wären – in den australischen Urwald geschickt. Jeder von ihnen hat dort eine Funktion. Wer bei der vergangenen Staffel für was zuständig war – und wer die Position diesmal einnimmt:

Die Mutter der Kompanie

In der Fauna und vor dem Fernseher erfreut sich diese gepanzerte Gattung der größten Beliebtheit. Von allen guten Geistern verlassen und vom Leben gebeutelt, beweisen die Exemplare eine schier unerschütterliche Geduld. Die Kabarettistinnen Lisa Fitz und Desiree Nick bewiesen Mutterwitz und Sozialsinn – Nick, die unentwegt quatschte, verließ das Gelände sogar als Königin.

Für Ingrid van Bergen war der Aufenthalt eine Vergnügungsreise, sie hatte viele Jahre im Gefängnis verbracht, nachdem sie ihren Ehemann erschossen hatte. Die illusionslosen, rhetorisch brillant vorgetragenen Lebensweisheiten der Schauspielerin brachten ihr den Sieg in der vierten Staffel. Katy Karrenbauer hatte in einem fiktionalen Frauenknast die Hauptrolle gespielt und sich dann mit einem Zirkuszelt verzettelt – im Camp triumphierte ihr existenzialistischer Lakonismus.

Brigitte Nielsen schließlich, Trash-Legende der 80er-Jahre, lümmelte sich mit ausgezehrtem Leib in der Hängematte, verkündete schwerzüngig dänische Spruchweisheiten und schloss alle empathisch in die Arme. Sie gewann zu Recht die sechste Staffel.

Vertreterin diesmal: Iris Klein, Mutter von Daniela Katzenberger

Chancen: Labert alle aus dem Lager

Der Verarmte

Dieser Typus hat nichts mehr, weshalb er durch eine gewisse Demut gekennzeichnet ist. Der Musikant Werner Böhm führte einst als Gottlieb Wendehals die "Polonäse Blankenese" an und wusch im Camp still seine Wäsche. Ebenso gedämpft präsentierte sich die einstige RTL-Plaudertasche Harry Wijnvoord, der zuletzt Staubsauger im Fernsehen verkaufte.

Kollege Björn Hergen Schimpf kujonierte das Publikum jahrelang mit seiner bräsigen Stoffpuppe Karlchen und gab sich auch im Dschungel bärbeißig, während der Münchner "Neger vom Hasenbergl", Günther Kaufmann, den gutmütigen, sorgenbeladenen Pater familias gab. Die als Teil der Jacob Sistersüberkandidelt agierende Eva Jacob überraschte mit bodenständigen Hausfrauentugenden, während der "Michaela"-Troubadour Bata Illic graugesichtig seine Zigaretten vermisste.

Vertreter diesmal: Kaufhaus-Erpresser Arno Funke

Chancen: Müsste die Krone von einem ferngesteuerten Gefährt abholen lassen

Das erotische Luder

Diese possierliche Gattung gefällt vor allem der männlichen Population, erweist sich in freier Wildbahn indes häufig als überraschend lustlos. Die strenge ehemalige Porno-Aktrice Dolly Buster hatte sichtbar kein Vergnügen an dem Outdoor-Aufenthalt, während Ex-Kollegin Michaela Schaffrath, notorisch geworden als Gina Wild, einen erstaunlich patenten und unverdorbenen Eindruck machte und beinahe gesiegt hätte.

Indira Weis, früher mal Sängerin bei Bro'Sis, knutschte mit dem Boygroup-Überlebenden Jay Khan, doch die Affäre im Amüsiertümpel war bloß für den Zuschauer inszeniert. Christina Lugner, der Ehefrau des Wiener Bau-Unternehmers Mörtel-Lugner, fehlte die Sachertorte zum Zweispänner doch sehr. Gitta Saxx, Playmate des Jahrhunderts, fehlte es an Esprit. Und dem Model Micaela Schäfer fehlte es an Kleidung:

Vertreterin diesmal: Fiona Erdmann, Fotomodel

Chancen: Auch Ausziehen hilft nicht

Die Krawallschachtel

Angehörige dieser Spezies sind im Medienzirkus schon unangenehm aufgefallen und haben keinen Ruf mehr zu verlieren. Kennzeichnend ist ihr eitles Verhalten, das oft mit Realitätsverlust und bizarren Selbstinszenierungen einhergeht. Der Kindergärtner Daniel Küblböck war das kauzige Maskottchen der ersten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" und verlor im Urwald erheblich an Charme, bevor er gegen einen Gurkenlaster fuhr und mitSolaranlagen ein Millionenvermögen verdiente.

Willi Herren spielte einst in der "Lindenstraße", entdeckte das Kokain, wurde erst größenwahnsinnig, dann gefeuert und singt seitdem Stimmungslieder in Diskos – im Camp ein No-Go.

Vertreter diesmal: Seine Merkwürden Helmut Berger

Chancen: nur, wenn es Champagner und Kaviar gibt

Der Absitzer

Eine zur Abgeschiedenheit, zum Egoismus und Rechthaberei neigende Spezies, oft noch recht jung. Hier trifft unangenehme Selbstüberschätzung auf bodenlose Langeweile und Macho-Habitus: Phlegmatisch hocken die Männchen in ihren Hängematten, pulen sich die Füße oder nesteln an den Haaren und schweigen stoisch – bis sie eine nicht enden wollende Suada über die Ungerechtigkeit, die ihnen angetan wurde, oder die Hölle des Eingesperrtseins aus ihnen hervorbricht.

Ehemalige Sportler und Musiker, Moderatoren und Hippies eint die Camouflage im Regenwald: Sie alle sind Müßiggänger und Gammler.

Vertreter diesmal: Patrick Nuo, Sänger

Chancen: Wird nicht so lange sitzen gelassen

Die Neurotikerin

Die gefürchtete Gattung der Camp-Zicke hat den höchsten Unterhaltungswert und ist höchst gefährlich. Caroline Beil, im Fernsehen fast unbemerkt geblieben, lästerte über Susan Stahnkes unschuldiges Antlitz als "freaky fuckin' face" und verspritzte unablässig Gift. Dagegen gebärdete sich die verwöhnte Komponistentochter Giulia Siegel als eingebildete Künstlerin, die mit sämtlichen Campern deftige Dispute austrug und schließlich auf eigenen Wunsch das Lager verließ.

Sarah Knappik, bei einer Model-Show gescheitert, gab erst die Heulsuse und Nervensäge, bis sie eine Gruppe um Mathieu Carrière gegen sich aufbrachte, was wiederum Peer Kusmagk zum Sieg verhalf. Die Ansagerin Ramon Leiß gerierte sich in der sechsten Staffel als Erziehungsberichtigte, belehrte die Camper belfernd und jammerte hysterisch über ihre Kindheit.

Vertreterin diesmal: Georgina Fleur, Aspirantin bei "Der Bachelor"

Chancen: Müsste alle vergiften

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