07.01.2013, 11:40

Nationalmannschaft Rassismusdebatte – Asamoah kritisiert Ballack

Asamoah

Foto: Bongarts/Getty Images

Nach dem Fall Kevin-Prince Boateng hat sich nun auch Gerald Asamoah in die Rassismusdebatte eingeschaltet. In seiner Autobiografie kritisiert er seine ehemaligen Teamkollegen in der DFB-Auswahl.

Bundesligaprofi Gerald Asamoah hat früheren Nationalmannschaftskollegen vorgeworfen, sich vor Jahren nicht deutlich genug gegen Rassismus in deutschen Fußballstadien positioniert zu haben.

In seiner Autobiografie ("Dieser Weg wird kein leichter sein - Mein Leben und ich"), aus der die "Bild"-Zeitung vorab zitiert, beschreibt der Routinier ein Erstrundenspiel im DFB-Pokal 2006 mit Schalke 04 bei Hansa Rostock II, bei dem er massiv rassistisch beleidigt wurde.

"Schon beim Warmmachen spürte ich den Hass, der mir von den Rängen entgegenschlug", schreibt der gebürtige Ghanaer in seinem Buch. "Die Zuschauer schienen sich abgesprochen zu haben, als wollten sie ein Zeichen setzen nicht gegen, sondern für Rassismus. Bei jedem meiner Ballkontakte waren Affengeräusche, Sprechchöre und Beleidigungen zu hören."

Keine Reaktion von Ballack

Danach habe er von den Auswahlkollegen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und in erster Linie von Kapitän Michael Ballack vergeblich auf eine Reaktion gewartet. "Fest steht, dass ich mir damals gewünscht hätte, dass aus dem Kreis der ehemaligen Spieler der Nationalmannschaft und vor allem vom Kapitän eine Reaktion gekommen wäre. Eine eindeutige Stellungnahme gegen solche Vorkommnisse", schreibt der 34-Jährige. "Dass dies nicht passiert ist, hat mich sehr enttäuscht und machte mich doch sehr nachdenklich."

Wenige Wochen nach dem umjubelten dritten Platz bei der Heim-WM habe er damals auch an einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft gedacht, verrät Asamoah. "Was macht es für einen Sinn, dachte ich, für ein Land zu spielen, dessen Fans mich nicht wollen."

Darf ein Spieler einen Spielabbruch herbeiführen?

Dass Rassismus in den Fußballstadien allgegenwärtig ist, wurde zuletzt auch bei einem Freundschaftsspiel des AC Mailand deutlich. Vor und während des Testspiels beim Viertligaverein Pro Patria hatten Fans Kevin-Prince Boateng und weitere dunkelhäutige "Milan"-Spieler rassistisch mit Affenlauten beleidigt.

Daraufhin unterbrach Boateng in der 26. Minute das Spiel, schoss den Ball in Richtung der Zuschauer und verließ den Platz. Seine Teamkollegen folgten Boateng ("Das macht mich stolz"), das Spiel wurde anschließend abgebrochen.

Der gebürtige Berliner bekam daraufhin viel Zuspruch für seine Aktion. Derweil fragen sich zum Wiederbeginn der Serie A am Wochenende immer mehr Trainer und Verantwortliche: Darf ein Spieler vom Platz gehen und damit einen Spielabbruch herbeiführen? Beobachter fürchten, dass dies rassistische Unruhestifter nur noch mehr motiviert und gezielt provozierte Spielabbrüche zum Alltag werden.

Blatter ist dagegen

Wie im Testspiel am Donnerstag gegen Pro Patria will Boateng in Zukunft immer das Spielfeld verlassen, wenn Fußballspieler rassistisch verhöhnt werden: "Wir dürfen Rassismus nicht mehr tolerieren. Ich hätte das auch in der Champions League beim Spiel gegen Real Madrid gemacht – und werde es immer wieder tun", betonte der Sohn eines Ghanaers.

Präsident Joseph Blatter vom Weltverband Fifa ist damit nach einem Bericht der in den Vereinigten Arabischen Emiraten erscheinenden Zeitung "The National" nicht einverstanden: "Ich denke, dass ein Spieler nicht einfach vom Feld gehen kann, das ist nicht die Lösung", sagte der Weltverbandschef am Rande einer Veranstaltung in Dubai. Sonst könne man schließlich bei einer drohenden Niederlage einfach vom Platz. Blatter betonte aber auch: "Rassismus darf nicht toleriert werden."

(dpa, DW)
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