02.01.13

US-Budgetstreit

Repräsentantenhaus segnet Haushaltskompromiss ab

Der mühsam erkämpfte Kompromiss im US-Haushaltsstreit hat den Segen des Repräsentantenhauses erhalten. Die Abstimmung zeigte die tiefe Spaltung der Republikaner.

Quelle: Reuters
02.01.13 0:47 min.
Der US-Haushaltsstreit ist beigelegt. Nach stundenlangen Verhandlungen stimmte auch das Repräsentantenhaus für den Kompromissvorschlag des Senats. In zwei Monaten droht jedoch neuer Streit.

Gegen eine Mehrheit der Republikaner hat das Repräsentantenhaus am späten Abend des Neujahrstags der Vorlage des Senats im wochenlang erbittert geführten Streit über die Fiskalklippe zugestimmt. Präsident Barack Obama kündigte anschließend die umgehende Unterzeichnung des Gesetzes an, um die zum Jahresbeginn technisch eingetretene Steuererhöhung "für 98 Prozent der Amerikaner" sofort wieder zu stoppen.

Für Einkommen oberhalb von 400.000 Dollar steigt der Steuersatz hingegen von 35 auf 39,6 Prozent.

Obama dankte um 23.15 Uhr Ortszeit (5.15 Uhr MEZ) bei einem kurzen Auftritt vor Journalisten im Weißen Haus den Abgeordneten für ihren Kompromiss, sagte aber auch, es handele sich "nur um einen Schritt innerhalb einer umfassenden Anstrengung", um das "immer noch zu hohe Defizit zu reduzieren".

257 Abgeordnete stimmten dafür, 167 dagegen

In der unmittelbar zuvor durchgeführten Abstimmung stimmten nur 85 republikanische Abgeordnete für das Gesetz, aber 151 dagegen. Die Demokraten votierten mit 172 zu 16 Stimmen für die Vorlage. Insgesamt fand das Gesetz eine Mehrheit von 257 zu 167 Stimmen.

Der Senat hatte es in der Silvesternacht zwei Stunden vor dem Jahreswechsel mit 89 zu acht Stimmen angenommen.

Der finalen Abstimmung im Repräsentantenhaus waren hitzige Diskussionen in der Republikaner-Fraktion vorausgegangen. Weil die "Grand Old Party" Steuererhöhungen ablehnt und statt dessen Etatkürzungen verlangt, um das auch 2013 erwartete Defizit von nahezu einer Billion Dollar zu reduzieren, wollten maßgebliche Abgeordnete die Vorlage zunächst mit entsprechenden Änderungen in den Senat zurückschicken.

Insbesondere aus Zeitgründen ließen sie aber schließlich doch eine Abstimmung zu. Denn bereits am 3. Januar tritt der neue Kongress zusammen, dessen Abgeordnete parallel mit der Präsidentenwahl am 6. November gewählt worden waren.

Aufschub für drastische Haushaltskürzungen

Obama sagte in seiner Stellungnahme mit Blick auf die nun unmittelbar bevorstehenden Verhandlungen mit dem Kongress um die Anhebung der Schuldenobergrenze, er werde darauf beharren, "dass wir die Rechnungen, die bereits entstanden sind, bezahlen können".

Das Schuldenlimit von 16,4 Billionen Dollar war am 31. Dezember erreicht worden und muss bis spätestens März vom Kongress angehoben werden, damit die USA ihre Zahlungsverpflichtungen im In- und Ausland weiterhin erfüllen können.

Neben der Festschreibung der noch aus der Zeit von Präsident George W. Bush stammenden Steuererleichterungen für die meisten Einkommen sieht der mühsam ausgehandelte Kompromiss einen Aufschub um zwei Monate für drastische Haushaltskürzungen von 106 Milliarden Dollar vor, die ansonsten im Rahmen der sogenannten Sequestration automatisch wirksam geworden wären.

Experten hatten gewarnt, die USA würden in eine neue Rezession schlittern, wenn es zu diesen Etateinschnitten sowie Steuererhöhungen für ausnahmslos alle Einkommensklassen mit einem Gesamtvolumen von 540 Milliarden Dollar gekommen wäre.

Fortschreibung der Arbeitslosenhilfe

Zum Gesetz gehört auch eine Fortschreibung der Arbeitslosenhilfe bis zum Ende des Jahres. Sie wird für maximal 99 Wochen gewährt und betrifft derzeit zwei Millionen Amerikaner.

Die Abstimmung im Repräsentantenhaus zeigte die tiefe Spaltung der Republikaner. Während John Boehner, der Sprecher des "Houses", und Paul Ryan, der vormalige Vizepräsidentschaftskandidat, für den Kompromiss stimmten, votierte Fraktionschef Eric Cantor dagegen.

Cantor hatte im Laufe des Tages die Stimmung geschürt für eine Rücksendung des Entwurfs an den Senat mit der Forderung nach Änderungen.

Obama erinnerte daran, dass er vor Weihnachten mit Boehner nach einer "größeren Vereinbarung" gesucht hatte, um die Haushaltsprobleme und Rekordverschuldung der USA anzugehen. Dabei hatte Boehner seiner eigenen Partei als Kompromiss vorgeschlagen, einer Steuererhöhung zumindest für Einkommensmillionäre zuzustimmen.

Der Idee verweigerte sich die Fraktion aber mehrheitlich – um nun, anderthalb Wochen später, ein Gesetz zu erleben, das höhere Steuern bereits ab einem Einkommen von 400.000 Dollar für Einzelverdiener und 450.000 Dollar für Ehepaare verfügt.

Quelle: Reuters
01.01.13 0:53 min.
Der US-Senat hat mit großer Mehrheit einen Kompromiss zur Umschiffung der Fiskalklippe verabschiedet, rund zwei Stunden nach Ablauf der Frist für eine Lösung. Nun ist das US-Repräsentantenhaus am Zug.
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
U.S. President Barack Obama and First Lady Michelle wave as they board Air Force One to depart from Berlin
19.06.13Minutenprotokoll
Obama in Berlin – Bye Bye, Mr. President

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia haben in Berlin ein eng getaktetes Programm absolviert. Der Tag der Obamas im Minutenprotokoll. mehr...

Dritter Gang  Königsberger Klopse, Rote Bete und Stampfkartoffel
19.06.13Abendessen
Obamas Berliner Menü - die Rezepte zum Nachkochen

Eigentlich hat Zwei-Sterne-Koch Tim Raue ein Faible für Asien – für den Empfang des US-Präsidenten und die Kanzlerin kocht er aber bodenständig. Ein Gericht ist trotzdem sehr aufwendig geraten. mehr...

Obama in Berlin
19.06.13Obama in Berlin
Michelle Obama und ihr Gespür für Mode - eine Stilkritik

Besonders Michelle Obama zieht mit ihrem Outfit die Blicke auf sich. Ihre Töchter Sasha und Malia stehen ihr da in nichts nach. Wir zeigen, wie stylish der Berlin-Ausflug der Präsidentenfamilie ist. mehr...


„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Kanzlerin Merkel in einer Pressekonferenz mit US-Präsident Obama
19.06.13Häme bei Twitter
"Die kleine Angela möchte aus #neuland abgeholt werden"

Mit einer Bemerkung über das Internet zog Kanzlerin Merkel im Netz viel Spott auf sich. In Sekundenschnelle wurde "#Neuland" zum meistdiskutierten Begriff auf Twitter in Deutschland. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Multimedia
Der US-Haushaltskompromiss
  • Sparmaßnahmen

    Der Start automatischer Ausgabenkürzungen im Volumen von 1,2 Billionen Dollar über zehn Jahre (sogenannter „Sequester“) wird um zwei Monate verschoben. In diesem Zeitraum müssen dennoch 24 Milliarden Dollar eingespart werden. Die Hälfte davon soll durch Sparmaßnahmen bei Verteidigung und in anderen Ressorts kommen, die andere Hälfte durch neue Einnahmen.

  • Steuererhöhungen

    Über einen Zeitraum von zehn Jahren werden Einnahmen im Volumen von 600 Milliarden Dollar durch eine Reihe von Steuererhöhungen für wohlhabende Amerikaner generiert.

  • Steuererleichterungen

    Die im Jahr 2001 unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush eingeführten Steuererleichterungen für Bezieher von Einkommen unter 400.000 Dollar (Einzelpersonen) oder 450.000 (Familien) sollen dauerhaft bestehen bleiben. Wer mehr verdient muss künftig einen Spitzen-Steuersatz von 39,6 Prozent statt bislang 35 Prozent bezahlen.

  • Kapitalsteuern

    Über dieser Einkommensgrenze sollen Kapitalerträge und Dividenden statt mit 15 Prozent künftig mit 20 Prozent besteuert werden.

  • Ausnahmeregeln

    Ausnahmeregeln für Einkommen über 250.000 Dollar (Einzelperson) oder über 300.000 Dollar (Haushalt) werden abgeschafft.

  • Arbeitslosenversicherung

    Die Zuwendungen aus der Arbeitslosenversicherung werden für zwei Millionen Menschen um ein Jahr verlängert.

  • Kinder

    Steuervorteile für Kinder und deren Erziehung werden um fünf Jahre verlängert.

  • Ärzte

    Kürzungen für die Honorare von Ärzten, die Medicare-Patienten behandeln, werden vermieden.

  • Landwirtschaft

    Landwirtschaftsprogramme werden vorübergehend verlängert.

  • Politiker

    Eine Erhöhung der Bezüge für Kongressmitglieder wird gestrichen. Reuters

Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Obamas Rede in voller Länge
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote