30.12.12

Vergewaltigungsopfer

Leiche unter starkem Polizeischutz eingeäschert

Die Leiche der von mehreren Männern brutal vergewaltigten Inderin ist in ihrer Heimat eingeäschert worden. In Neu-Delhi rüsten sich Einsatzkräfte für neue Proteste gegen die brutale Tat.

Quelle: Reuters
30.12.12 1:26 min.
Am Sonntag wurde die Leiche der von mehreren Männern vergewaltigten 23-jährigen Inderin in Neu Delhi eingeäschert. In der indischen Hauptstadt gedachten zahlreiche Menschen der jungen Frau.

Die Leiche der von mehreren Männern vergewaltigten Inderin ist am Sonntagmorgen nach Neu-Delhi zurückgebracht und eingeäschert worden. Der Sarg sei in einer von der Regierung gemieteten Chartermaschine aus Singapur überführt worden. Dort war die 23-Jährige in einer Spezialklinik behandelt worden, aber schließlich ihren schweren inneren Verletzungen erlegen.

Ihr 13 Tage währender Überlebenskampf hatte in Indien Wut und Schamgefühle ausgelöst. Am Samstag trauerten Tausende Menschen öffentlich und demonstrierten für mehr Frauenrechte. Auch am Sonntag wurden wieder Proteste erwartet.

Sowohl Premierminister Manmohan Singh als auch die Chefin der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, waren am Flughafen, als die Chartermaschine eintraf, wie der staatliche Rundfunksender AIR berichtete.

Opfer hatte für Februar Hochzeit geplant

Mit an Bord der Air-India-Maschine waren auch die Eltern der Toten sowie zwei Brüder, die alle in den letzten Stunden bei der Studentin gewesen waren. Die letzten Riten empfing die 23-Jährige laut dem Radiosender an ihrem einstigen Wohnort in Neu-Delhi, ehe sie zum Krematorium gebracht wurde.

Das Krematorium war von starken Polizeikräften abgeriegelt. Ein Polizeisprecher sagte, die Einäscherungszeremonie nach hinduistischem Brauch sollte auf Wunsch der Familie im engsten Kreise stattfinden.

Nachbarn, die an der Einäscherung auf einem Scheiterhaufen teilnahmen, sagten, die Frau habe im Februar ihren Freund heiraten wollen. "Sie hatten bereits alle Vorbereitungen getroffen und eine Hochzeitsparty in Delhi geplant", sagte Meena Rai, die zusammen mit der künftigen Braut schon nach Hochzeitskleidern Ausschau gehalten hatte.

"Gewalt gegen Frauen darf nie toleriert werden"

Die junge Frau war am 16. Dezember in Neu-Delhi von mehreren Männern in einem Bus vergewaltigt, mit einer Eisenstange malträtiert und nackt aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Die sechs Tatverdächtigen sollen des Mordes angeklagt werden. Ihnen droht die Todesstrafe.

Bis zum Donnerstag will die Polizei das Anklageprotokoll ausfüllen. Ehe die schwer verletzte Frau nach Singapur geflogen worden war, hatten Ermittler sie befragt. Diese Aussagen sollen vor Gericht verwendet werden.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon drückte sein "tiefes Bedauern" über den Tod der Frau aus. Zugleich habe er das Verbrechen aufs Äußerste verurteilt, teilte ein Sprecher Bans mit. "Gewalt gegen Frauen darf nie hingenommen, nie entschuldigt, nie toleriert werden", heißt es in der in der Nacht zum Sonntag in New York verbreiteten Erklärung.

Wahrzeichen India Gate weiträumig abgesperrt

Die Hauptstadt Neu-Delhi rüstete sich unterdessen für neue Proteste. Nach Polizeiangaben blieben das Regierungsviertel und das Wahrzeichen India Gate wieder weiträumig abgesperrt und zehn Metro-Stationen geschlossen.

Für Gedenken und Proteste wurden zwei Plätze ausgewiesen. Am Samstag waren Tausende Menschen überall in Indien friedlich auf die Straßen gegangen. In mehreren Städten zündeten sie Kerzen für das Opfer an.

Am Samstag hatten alle führenden Politiker kondoliert und Maßnahmen versprochen, damit sich ein solcher Fall nicht wiederhole. So wird untersucht, ob in besonders schweren Vergewaltigungsfällen auch die Todesstrafe verhängt werden kann – diese Forderung war von zahlreichen Demonstranten erhoben worden. Auch sollen Vergewaltiger nicht mehr auf Kaution freikommen und besonders schnell vor Gericht gestellt werden.

Für Vergewaltigungsopfer soll ab dem ersten Januar eine spezielle Hotline bei der Polizei eingerichtet werden. Außerdem soll es in der Hauptstadt mehr Beleuchtung geben und öffentliche Busse besser überwacht werden. Daneben versucht die Polizei, mehr Frauen für ihren Dienst auszubilden.

Quelle: dpa/AFP/mcz
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