28.12.12

Jesco von Puttkamer †

Der Mars war das Ziel des Weltraum-Philosophen

Er war der dienstälteste Mitarbeiter der Nasa und dort seit mehr als 50 Jahren praktisch an allen wichtigen Projekten beteiligt. Der in Leipzig geborene Ingenieur galt als Vordenker und Visionär.

Foto: ddp

Jesco von Puttkamer, ehemaliger Manager der US-Raumfahrtbehörde Nasa, starb im Alter von 79 Jahren. Er gilt zusammen mit Wernher von Braun als Mitbegründer der bemannten Raumfahrt.

9 Bilder

Jesco Freiherr von Puttkamer ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Der deutsch-amerikanische Wissenschaftler war zuletzt der dienstälteste Mitarbeiter der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa, bei der er seit 1962 angestellt gewesen ist.

Bis zu seinem Tod am 27. Dezember 2012 leitete er im Nasa-Hauptquartier in Washington eine Arbeitsgruppe zur strategischen Planung der permanenten Erschließung des Alls.

Puttkamer war bei der Nasa ein enger Weggefährte von Wernher von Braun. In dessen Team arbeitete der in Leipzig geborene von Puttkamer am Apollo-Mondprogramm mit und berechnete unter anderem jene Flugbahnen, auf denen die Astronauten später zum Mond und wieder zurück zur Erde gelangen konnten.

Ein Mann voller Leidenschaft

Wer Jesco von Puttkamer persönlich begegnet ist, hat sofort die Leidenschaft gespürt, die in ihm für die Raumfahrt brannte. Bis zuletzt hat er nicht nur inhaltlich für die Nasa Visionen für künftige Weltraummissionen entwickelt, er hat sich auch publizistisch mit überbordender Energie für die Raumfahrt eingesetzt.

In zahlreichen Büchern, Fernsehauftritten und Zeitungsbeiträgen beschrieb Puttkamer die Geschichte und glänzende Zukunft der Raumfahrt. So schrieb er im Jahre 2009 beispielsweise für die Wissenschafts-Seite der Berliner Morgenpost eine Serie anlässlich des 40. Jahrestags der ersten Mondlandung.

Der Mars ist das Ziel

Puttkamers Insiderwissen begeisterte jeden an Raumfahrt Interessierten. Mit dem Menschheitsprojekt "Besiedlung des Planeten Mars" setzte sich Puttkamer schon vor Jahrzehnten auseinander – lange bevor diverse Marsrover ein Millionenpublikum rund um den Erdkreis fanden.

Der am 22. September 1933 geborene Jesco von Puttkamer hatte die Zeit des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit seiner Mutter und den Geschwistern in der Schweiz verbracht. Sein Abitur machte er 1952 in Konstanz. Von Puttkamer absolvierte ein Maschinenbau-Studium an der Technischen Hochschule Aachen und schrieb als Student Science-Fiction-Romane und Kurzgeschichten.

Im Team von Wernher von Braun

1962 wanderte der Diplom-Ingenieur dann in die USA aus. Dort wandte er sich an Wernher von Braun, der für die Nasa neue Weltraumraketen konstruierte. Von Braun war zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland bereits mit der Entwicklung von Raketen für militärische Anwendungen befasst.

Von Braun war der geistige Vater der berüchtigten deutschen V2-Rakete. Nach dem Krieg machten sich die Amerikaner das Know-how von Brauns für die Zwecke der Nasa zu Nutze.

Skylab und Space Shuttle

Nach dem Abschluss des Apollo-Mondprogramms war von Puttkamer unter anderem als Planer an den Projekten Skylab und dem Space Shuttle beteiligt. Im Office of Space Operations der Nasa war Puttkamer auch in führender Position mit dem Projekt der Internationalen Raumstation betraut, sowie an der Formulierung und Umsetzung der Langfristprogramme zur Erforschung des Mondes und des Planeten Mars.

In den Jahren 1978 bis 1980 war von Puttkamer als wissenschaftlicher Berater für "Star Trek – Der Film" tätig. Und von 1983 bis 2000 war von Puttkamer auch noch als Honorarprofessor an der Fachhochschule Aachen tätig.

Doktor der Philosophie

1996 verlieh ihm die Universität Saarbrücken die Würde eines Doktors der Philosophie ehrenhalber. Von Puttkamer wurde mit zahlreichen Orden und Auszeichnungen geehrt. So ist er etwa Träger des "Exceptional Service"-Ordens der Nasa.

Mit von Puttkamer verliert die Raumfahrt-Community einen unermüdlichen Fürsprecher, der sich stets und mit aller Kraft für die Förderung der bemannten Raumfahrt eingesetzt hat und mit seinen Visionen Menschen für die Erforschung und Eroberung des Weltalls begeistern konnte.

Erinnern wird uns an den Raumfahrt-Enthusiasten von Puttkamer stets auch ein Kleinplanet im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, der alle 3,5 Jahre einmal die Sonne umrundet. Im September 2011 wurde dieses Himmelobjekt offiziell auf den Namen "Vonputtkamer" getauft.

Im Jahr 2009 hat Jesco von Puttkamer in der Berliner Morgenpost anlässlich des Jubiläums der Mondlandung geschrieben. Lesen Sie seine Artikel hier:

  • Ein großer Schritt
  • Im Meer der Stille
  • Der Mensch - ein Geschöpf des Weltraums

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