27.12.12

Soziale Netzwerke

Zuckerbergs Schwester Randi in der Facebook-Falle

Mit dem Frieden in der Familie Zuckerberg war es vorbei, als Mark Zuckerbergs Schwester Randi ihr Familienfoto tausendfach auf Twitter gepostet fand. Nun beklagt sie sich über die Nutzerbedingungen.

Foto: dpa

Randi Zuckerberg (r), einst Marketing-Chefin von Facebook, während des Weltwirtschaftsforums 2010 in Davos. Inzwischen hat die Schwester von Mark Facebook verlassen und hat ihr eigenes Unternehmen gegründet
Randi Zuckerberg (r), einst Marketing-Chefin von Facebook, während des Weltwirtschaftsforums 2010 in Davos. Inzwischen hat die Schwester von Mark Facebook verlassen und hat ihr eigenes Unternehmen gegründet

Geht es um die Daten oder Bilder der Nutzer, ist das soziale Netzwerk Facebook für Laien schwer durchschaubar: Mindestens dreimal änderte der Konzern in diesem Jahr bereits seine Privatsphäre-Einstellungen, zweimal seine Nutzungsbedingungen.

Doch inzwischen scheint sogar die Familie von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg selbst die Übersicht verloren zu haben – und das führte ausgerechnet zu Weihnachten zu einem handfesten Online-Streit zwischen Silicon-Valley-Größen.

Zuckerbergs Schwester Randi musste am ersten Weihnachtstag hilflos zusehen, wie ein privates Familienfoto, das sie eigentlich nur an ihre Freunde verschicken wollte, an 40.000 Fremde weitergereicht und danach auf diversen Nachrichtenseiten publiziert wurde.

Das umstrittene Foto ist eigentlich völlig harmlos: Es zeigt Randi und andere Mitglieder der Familie Zuckerberg mit Smartphones rund um den Küchentresen, die Schwestern freuen sich augenscheinlich, jedoch mit offenen Mündern wenig fotogen über die neue Facebook-App des Chatservice Poke. Bruder Mark steht lächelnd im Hintergrund. Das Bild hatte Randi prompt an ihren Freundeskreis auf Facebook geschickt.

Foto über Twitter verbreitet

Doch Facebook erlaubt auch Freunden von Freunden den Einblick in deren Nachrichtenfeed – so gelangte Randis Statusupdate samt Bild auf den Bildschirm von Callie Schweitzer, einer Marketingmanagerin des Online-Mediendienstes Vox Media. Die fand nichts dabei, das Statusupdate via Twitter weiterzureichen – dort folgen knapp 40.000 Nutzer den Kurznachrichten von Schweitzer.

Facebooks Einstellungen sehen bislang nicht vor, dass Nutzer die Weitergabe ihrer Statusnachrichten über Twitter unterbinden können. So blieb Randi nur, Schweitzer am Weihnachtsmorgen eine geharnischte Nachricht via Twitter zu schicken: "Ich bin nicht sicher, woher Du das Foto hast. Ich habe es nur an meine Freunde auf Facebook geschickt. Dass Du es jetzt auf Twitter hochlädst, ist sehr uncool."

Schweitzer reagierte sofort, entschuldigte sich, löschte ihren Tweet samt Foto und erklärte sich ebenfalls via Twitter: "Ich mochte das Foto, weil es so fröhlich und normal erschien. Du solltest es öffentlich machen."

Doch im Internet lässt sich nichts zurückholen, der Schaden war bereits angerichtet. Während das Foto sich in rasendem Tempo im Netz verbreitete, schimpfte Randi Zuckerberg via Twitter vor sich hin – und klagte über den Verfall digitaler Etikette.

Facebook-Einstellungen sind zum Teil verwirrend

Schweitzer hatte an sich nichts falsch gemacht: Sie sah das Foto völlig zu Recht, da sie in der Freundesliste von Mark Zuckerbergs zweiter Schwester Arielle steht. Auch erlaubt Facebook, Statusmeldungen via Twitter zu verbreiten – in dem Netzwerk ist dafür sogar eine Twitter-App integriert. Schweitzer konnte zudem nicht wissen, an wen das Foto adressiert war oder dass es nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Der Fall zeigt einmal mehr, wie verwirrend die Facebook-Einstellungen inzwischen für viele Nutzer sind. Nur die wenigsten realisieren überhaupt, welche Reichweite ihre Facebook-Nachrichten haben: Wer in den Privatsphäre-Einstellungen erlaubt, dass auch Freunde seiner Freunde die eigenen Nachrichten sehen, erreicht damit laut einer Analyse von Pew Research im Median über 30.000 andere Nutzer.

Facebook hatte zuletzt im November die Nutzungsrechte geändert und wenig später auch detailliertere Privatsphäre-Einstellungen zugelassen. Gleichzeitig aber ließ sich der Konzern das Recht einräumen, die Daten der Nutzer mit Tochterfirmen zu teilen, um zum Beispiel Werbung in Kombination mit Nutzerinhalten auf allen Seiten des Konzerns einheitlich anzuzeigen. Die Proteste von mehreren Tausend Nutzern ignorierte der Konzern und schaffte das Mitspracherechte ab, nachdem zu wenige dagegengestimmt hatten.

Die Änderung betraf wenig später auch die mehr als hundert Millionen Nutzer der Fotosharing-Tochter Instagram, sie sollen nun geänderten Nutzungsbedingungen zustimmen, die am 13. Januar in Kraft treten. Einige von ihnen reichten daraufhin über Weihnachten prompt eine Sammelklage ein, die nun in San Francisco von der US-Anwaltskanzlei Finkelstein & Krinsk vorangetrieben wird.

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