20.12.12

Deutsche Telekom

Obermanns Kronprinz tritt schon früher an

Schon in der Vergangenheit hatte der Vorstand für Finanzen, Höttges, großen Einfluss auf strategische Entscheidungen im Konzern. René Obermann will künftig stärker operativ arbeiten.

Foto: Getty Images
Enge Vertraute: Finanzvorstand Timotheus Höttges (l.) und sein Chef René Obermann (r.) gehen bald getrennte Wege
Enge Vertraute: Finanzvorstand Timotheus Höttges (l.) und sein Chef René Obermann (r.) gehen bald getrennte Wege

So überraschend der angekündigte Rücktritt von Telekom-Chef René Obermann ist, so wenig überrascht sein Nachfolger. Bei fast allen wichtigen Terminen ist Obermann in der Vergangenheit zusammen mit seinem Finanzchef Timotheus Höttges aufgetreten. Für eine mögliche Nachfolge galt er daher intern bereits als Kronprinz – allerdings für einen späteren Zeitpunkt.

Am Donnerstag spielten sich Obermann und Höttges die Bälle hin und her. "Mit René Obermann verbindet mich mehr als nur eine reine berufliche Beziehung", sagte Höttges. "Ich kann mir keinen Besseren vorstellen als ihn, um die gute Entwicklung der letzten Jahre fortzuschreiben", sagte Obermann. Und damit die Finanzmärkte nicht zu sensibel reagieren, sprachen beide von einem "geordneten" Übergang. Der Börsenkurs reagierte kaum auf die Nachricht.

Tatsächlich war Höttges' Einfluss in der Vergangenheit schon größer, als es die eines Finanzvorstandes üblicherweise ist. Insbesondere in strategischen Fragen hatte sich Obermann schon in der Vergangenheit eng mit Höttges abgestimmt. Zuletzt hatte Obermann ihm sogar die Verantwortung für die größte Konzernbaustelle, das Amerika-Geschäft, gegeben.

Problemfall US-Geschäft

Bereits die Verhandlungen mit AT&T, aus der ein für die Telekom erstaunlich gutes Geschäft hervorgehen sollte, hatte Höttges maßgeblich geführt. Allerdings scheiterte der Verkauf von T-Mobile USA an AT&T letztlich an den Widerständen der US-Wettbewerbsbehörden. Auch beim jüngsten Geschäft in Übersee, dem Zusammengehen von T-Mobile USA mit dem Anbieter MetroPCS, war Höttges führend beteiligt. Die Wettbewerbsbehörden müssen dem aber noch zustimmen.

Höttges beherrscht die Kommunikation mit Investoren und Analysten ausgesprochen gut. Noch vor zwei Wochen hatte er gemeinsam mit Obermann auf einer Investorenveranstaltung einen Strategieschwenk und zugleich die Kürzung der Dividende um fast 30 Prozent angekündigt, ohne dass der Aktienkurs darunter merkbar litt.

Die Telekom kündigte an, in den kommenden drei Jahren 30 Milliarden Euro zu investieren und damit vor allem die Netze in Deutschland und den USA auszubauen. Dieses Programm darf nun allein Höttges zu Ende führen. Die Strategie ist nicht ohne Risiko. Die Telekom wird nach wie vor streng reguliert und im heftig geführten Konkurrenzkampf kennen die Preise nur den Weg nach unten.

Das Geschäft der Telekom geht seit Jahren zurück, nicht zuletzt auch wegen konjunktureller Schwierigkeiten in Europa. Höttges muss dies nun ändern. "Wir wollen bis 2014 die Umsatzrückgänge stoppen und wieder wachsen", sagte er. "Auf der Schuldenseite sind wir besser aufgestellt als unsere Hauptwettbewerber in Europa." Darauf sei die Telekom stolz.

Höttges, ein Urgewächs

Höttges ist seit zwölf Jahren bei der Telekom, zuerst als Finanzchef bei der Mobilfunktochter T-Mobile Deutschland, bevor er dort die Führung übernahm. Von 2005 an war Höttges im Vorstand der T-Mobile International für das Europageschäft zuständig. 2006 übernahm er die Führung des Festnetzgeschäftes T-Home. 2009 machte ihn Obermann zum Finanzchef des Konzerns. "Ich kenne die Telekom sehr gut", sagte Höttges. "Und ich kenne die Menschen in diesem Unternehmen."

Obermann hat in den vergangenen Jahren die Telekom stark umgebaut, mehrere Sparprogramme abgearbeitet und neue Wachstumsfelder gefunden, darunter das mobile Internet und das Geschäft mit intelligenten Netzen. Sogar in den USA hat er der Telekom eine neue Perspektive gegeben.

Dem Vorwurf, amtsmüde zu sein, widersprach er am Donnerstag. "Der Begriff kommt mir gar nicht in den Mund", sagte er. Er sei nach wie vor voller Energie. Allerdings wolle er künftig stärker operativ arbeiten, "näher an die Basis und näher am Maschinenraum".

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ulrich Lehner, bedauerte die Entscheidung. "Ich respektiere seinen Schritt, auch wenn ich unsere erfolgreiche Zusammenarbeit sehr gerne weitergeführt hätte", sagte er. Auch Lehner sprach von einem "geordneten Übergang". Es sei dem Aufsichtsrat wichtig, "die Nachfolge und den Übergang frühzeitig zu regeln und so Kontinuität sicherzustellen".

Quelle: dapd
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    Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro das größte europäische Telekommunikationsunternehmen. Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost.

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    Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1989 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

  • Ron Sommer

    Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Ihm folgte Kai-Uwe Ricke von November 2002 bis 2006. Heute ist die Deutsche Telekom in etwa 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

  • Mitarbeiter

    Weltweit beschäftigt sie rund eine Viertelmillion Menschen, in Deutschland sind es 85.000 Tarifbeschäftigte. Die drei Säulen des Unternehmens sind Festnetz, Mobilfunk und die Großkundensparte T-Systems. Quelle dpa

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