20.12.12

US-Diplomaten

Rücktritte und Entlassungen nach Fehlern in Bengasi

Der Terrorangriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi, bei dem Botschafter Stevens ums Leben kam, zieht erst personelle Konsequenzen nach sich. Das State Department trennt sich von vier Beamten.

Foto: REUTERS

US-Außenministerin Hillary Clinton sollte eigentlich zu den Vorgängen in Bengasi aussagen – ist jedoch noch wegen einer Gehirnerschütterung verhindert
US-Außenministerin Hillary Clinton sollte eigentlich zu den Vorgängen in Bengasi aussagen – ist jedoch noch wegen einer Gehirnerschütterung verhindert

Drei Monate nach dem tödlichen Terrorangriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi gibt es im Washingtoner Außenministerium offenbar erste personelle Konsequenzen. Vier Beamte des State Department sind Medienberichten zufolge zurückgetreten oder von ihren Aufgaben entbunden.

Wie die "New York Times" am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf eine Ministeriumssprecherin berichtete, reichte der Leiter der Abteilung Diplomatische Sicherheit, Eric Boswell, seinen Rücktritt ein.

Die für die Sicherheit der Botschaften zuständige stellvertretende Abteilungsleiterin Charlene Lamb sowie ein weiterer, namentlich nicht genannter Sicherheitsexperte des Amtes seien von ihren Aufgaben entbunden worden. Gleiches gelte für Raymond Maxwell, der im State Department für Nordafrika zuständig gewesen sei. Alle vier seien bis auf Weiteres beurlaubt worden.

Schwere Fehler in zwei Abteilungen

Die personellen Konsequenzen folgten auf die Veröffentlichung des Berichts einer unabhängigen Kommission zu der Botschaftsattacke, in dem heftige Kritik am State Department geübt wird. Schwere Fehler in zwei Abteilungen der Behörde hätten zu "krassen" Sicherheitslücken in Bengasi geführt, heißt es darin.

Bei dem Angriff am 11. September waren US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten ums Leben gekommen. Der Vorfall wurde erst Tage später von der US-Regierung als gezielter Terrorangriff eingestuft. Zunächst hatte es geheißen, die Attacke habe sich aus spontanen Protesten gegen einen in den USA produzierten Schmähfilm über den Propheten Mohammed entwickelt.

In dem Untersuchungsbericht wird dem Ministerium im Einzelnen angelastet, es habe nicht genügend erfahrene Sicherheitsleute zur Verfügung gestellt. Stattdessen habe man sich auf örtliche Milizen zum Schutz des Konsulatsgeländes verlassen. Zudem habe das State Department Bitten der US-Botschaft in Tripolis nach mehr Schutz ignoriert.

Clinton hütet noch das Krankenbett

"Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass die Sicherheitsvorkehrungen ... nicht der Bedrohungslage in Bengasi entsprachen und in der Tat krass unzureichend waren, mit der Attacke ... fertigzuwerden", sagte der ehemalige Generalstabschef Mike Mullen, der dem Gremium angehörte.

Clinton sollte eigentlich am Donnerstag vor zwei Kongressausschüssen zu Bengasi aussagen. Doch sie hütet wegen einer Gehirnerschütterung diese Woche das Krankenbett und wird nach Ministeriumsangaben nun im Januar vor die Gremien treten – kurz bevor sie aus ihrem Amt ausscheidet.

Quelle: dpa/mcz
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