19.12.12

Wendelin Wiedeking

Staatsanwalt klagt Ex-Porsche-Chef an

Gegen den früheren Porsche-Chef liegt eine umfangreiche Anklage vor. Dabei geht es um den Vorwurf der "informationsgestützten Marktmanipulation". Wiedeking droht im schlimmsten Fall eine Haftstrafe.

Foto: picture alliance / dpa

Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (r.) und sein ehemaliger Finanzvorstand Holger Härter (l) müssen sich vor Gericht verantworten
Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (r.) und sein ehemaliger Finanzvorstand Holger Härter (l.) müssen sich vor Gericht verantworten

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart klagt Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Holger Härter wegen des gescheiterten Übernahmeversuchs von Volkswagen an. Das teilten die Staatsanwaltschaft sowie die Verteidiger von Wiedeking und Härter hervor. Sie bestätigten damit einen Bericht der Berliner Morgenpost.

Bei der Anklage geht es um den Vorwurf, der Ex-Porsche-Chef habe bei der Übernahmeschlacht mit Volkswagen den Aktienkurs vorsätzlich beeinflusst und damit Anleger getäuscht – und um ihr Geld gebracht. Die Anklagevertreter sprechen vom Verdacht der "informationsgestützten Marktmanipulation", der sich erhärtet habe.

"Unrichtige Angaben gemacht"

"Den Angeschuldigten wird vorgeworfen, in von ihnen im Jahr 2008 veranlassten öffentlichen Erklärungen des Unternehmens in Bezug auf den Beteiligungserwerb an der Volkswagen AG unrichtige Angaben gemacht zu haben", erklärte die Staatsanwaltschaft.

Porsche habe im Zeitraum 10. März bis 2. Oktober 2008 in mindestens fünf öffentlichen Erklärungen eine bereits bestehende Absicht zur Aufstockung seiner Beteiligung an VW auf 75 Prozent dementiert.

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen hätten die Angeschuldigten jedoch spätestens im Februar 2008 die Absicht gefasst, die Beteiligung Porsches an der Volkswagen AG in Vorbereitung eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags noch im ersten Quartal 2009 auf 75 Prozent des stimmberechtigten Kapitals zu erhöhen. So sieht das zumindest die Staatsanwaltschaft.

Zugleich habe die Porsche-Spitze spätestens ab März 2008 damit begonnen, diese Beteiligungserhöhung insbesondere durch den Erwerb entsprechender Kauf-Optionen auf VW-Stamm- und Vorzugsaktien konkret vorzubereiten.

Fünf Jahre Haft möglich

Eine entsprechende Klage gegen Wiedeking war erwartet worden. Im Fall einer Verteilung wären bis zu fünf Jahre Haft möglich. Holger Härter muss sich in Stuttgart bereits als Folge der Übernahmeschlacht persönlich vor Gericht verantworten. Ob es zu einem Prozess gegen Wiedeking kommt, entscheidet das Gericht.

Die Staatsanwaltschaft hat bereits gegen Härter und zwei weitere Verantwortliche aus dem Finanzbereich der Porsche Holding SE wegen angeblich hinreichendem Tatverdachts auf Kreditbetrug im Zusammenhang mit dem Übernahmeversuch von VW Anklage erhoben.

Die Beklagten bestreiten die Vorwürfe. Gleichzeitig laufen mehrere Klagen von Anlegern gegen Porsche, dabei geht es um Milliardenforderungen.

In einem Punkt musste die Staatsanwaltschaft im Fall Wiedeking bereits zurückrudern: Der von den Strafverfolgern geäußerte Verdacht der "handelsgestützten Marktmanipulation" konnte nicht erhärtet werden.

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Wiedekings Aktivitäten
  • SCHUHE

    Wiedeking ist an einer Schuhmanufaktur mit Sitz im Kreis Ludwigsburg beteiligt. Die Firma vertreibt handgefertigte Herrenschuhe, die in Budapest produziert werden.

  • IMMOBILIEN

    Neben seiner eigen Immobilienfirma, die er schon als Student gründete, mischt Wiedeking unter anderem bei der österreichischen Immobilienfirma Signa mit. Zuletzt signalisierte er für Signa Interesse an der Metro-Warenhaustochter Kaufhof. Auch an einem westfälischen Immobilienanbieter ist er beteiligt.

  • PR UND KOMMUNIKATION

    Seit Ende 2010 ist Wiedeking Gesellschafter der PR-Agentur des ehemaligen „Bild“-Chefredakteurs Hans-Hermann Tiedje. Im Juli 2012 zog er dort auch in den Aufsichtsrat ein. Zudem ist er an einer Frankfurter Berater-Agentur für Unternehmenskommunikation beteiligt.

  • PHARMA

    Bei dem Schweizer Pharmakonzern Novartis sitzt Wiedeking im Aufsichtsrat.

  • GASTRONOMIE

    Auch im Geschäft mit Pizza und Pasta mischt der 60-Jährige mit. Der Manager hat nach Angaben seines Sprechers eine Restaurantkette gegründet, die Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bekommen soll. Erste Erfahrungen hat er bereits: In seiner westfälischen Heimat Beckum gehört ihm ein Lokal.

  • STIFTUNGEN

    Wiedeking gründete insgesamt drei Stiftungen, die nach Angaben seines Sprechers mittlerweile über eine Millionen Euro für soziale, kulturelle und wissenschaftliche Projekte ausgeschüttet haben. dpa

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