16.12.12

K.o. gegen Bouadla

Arthur Abraham siegt, Waldemar Hartmann weint

Nach dem Erfolg gegen Mehdi Bouadla kommt es für Arthur Abraham zum zweiten Duell mit Ex-Champion Robert Stieglitz. Für Boxkommentator Waldemar Hartmann endete der sentimentale Abschied mit Tränen.

Foto: Bongarts/Getty Images

Die Faust geballt, den Gürtel über der Schulter: So durfte sich Arthur Abraham nach seinem Sieg gegen den Franzosen Mehdi Bouadla präsentieren. In der achten Runde ...

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Für das Team Sauerland war die Welt in Ordnung an diesem Abend. Die Gesichter aller Angestellten von Deutschlands mächtigstem Boxunternehmen waren nach dem Kampfabend in der Nürnberger Arena von Freude und Frohsinn erhellt. Das Jahr hätte sportlich auch nicht besser enden können, denn nach dem letzten Duell 2012 verließ Arthur Abraham im Triumphzug als Champion den Ring. Zum ersten Mal hatte er im Supermittelgewicht seinen Weltmeistertitel nach Version des Verbandes World Boxing Organization (WBO) verteidigt.

Sonderlich schwer fiel dem 32-Jährigen dieser Sieg allerdings nicht. Dafür bot Herausforderer Mehdi Bouadla einfach zu wenig. Der zwei Jahre jüngere Franzose war boxerisch noch viel limitierter als der Champion. Körperlich besaß er deutliche Nachteile. Zudem hatte er sich in der siebten Runde nach einem Schlag von Abraham eine tiefe Risswunde unter der rechten Augenbraue zugezogen, die zum argen Handicap wurde. Dass der amerikanische Ringrichter Mark Nelson den ungleichen Kampf in Runde acht nach einer harten Trefferserie des Weltmeisters stoppte, war das einzig Vernünftige, was er tun konnte.

Das sah der Verlierer nicht anders. "Der Abbruch war okay. Arthur hat sehr kraftvoll und mit viel Druck geboxt. Und er hat sehr hart geschlagen", befand Bouadla, ehe er ins Krankenhaus gefahren wurde, um seine Wunde nähen zu lassen. Ausschließlich Lob heimste Abraham auch von Ulli Wegner ein, seinem sonst so kritischen Trainer. "Es gibt nichts zu klagen. Was soll ich Arthur auch beschimpfen, wenn er alles richtig macht?", rechtfertigte der Meistermacher die verbalen Streicheleinheiten für seinen Schützling. "Ich glaube, in diesem Jahr bekommt er sogar ein Weihnachtsgeschenk von meiner Frau", sagte Wegner. Und Abraham gab zu: "Diese Sätze gehen natürlich runter wie Öl."

Abraham ist wieder wer

Vor zwölf Monaten noch galt er nach drei deklassierenden Niederlagen im Super-Six-Turnier als Auslaufmodell. Jetzt ist er wieder wer. "Vier Kämpfe, vier Siege, wieder Weltmeister geworden und Titel verteidigt – mehr geht nicht in einem Jahr", bilanzierte Abraham überglücklich. "Ich wünsche mir, dass das nächste Jahr genauso erfolgreich wird."

Für Promotor Kalle Sauerland ist nach dem Sieg über Bouadla klar: "Von heute an beginnt eine neue Ära Arthur Abraham." Er glaubt fest daran, dass sie einen ähnlichen Verlauf nehmen wird wie einst eine Gewichtsklasse tiefer. Als Mittelgewichtler war der gebürtige Armenier unbesiegt. Seinen Weltmeistertitel der International Boxing Federation (IBF) konnte er zehnmal verteidigen, bevor er dann die Gewichtsklasse wechselte.

Ganz sicher wird es kein leichtes Unterfangen, Sauerlands Wunschdenken umzusetzen. Zumal es Abraham erklärte Absicht ist, sich beim IBF-Weltmeister Carl Froch (England) und den Amerikanern Andre Direll sowie Andre Ward, Superchampion der World Boxing Association (WBA) und Weltmeister des World Boxing Council (WBC), für die Niederlagen zu revanchieren. Alle drei Kämpfer gehören unverändert zu den Besten im Limit bis 76,203 Kilogramm.

Jetzt gegen Stieglitz

Bevor er sich jedoch diesen Herausforderungen stellen kann, gilt es erst einmal, die bereits vereinbarte Titelverteidigung zu meistern. Sie wird gewiss um einiges schwieriger werden als die gegen Bouadla. Im März oder April kommt es zum Rückkampf gegen Robert Stieglitz (31). Den Rivalen aus dem SES-Boxstall Magdeburg hatte er im August durch einen Punktsieg als WBO-Champion entthront.

Stieglitz, der zuletzt wegen handgreiflicher Auseinandersetzungen mit seinem Noch-Schwiegervater in die Schlagzeilen geraten war, die aber laut Promotor Ulf Steinforth ohne Einfluss auf seinen weiteren Karriereverlauf sind, verfolgte Abrahams Titelverteidigung aus der ersten Reihe. Er sagte: "Ich bin froh, dass Arthur gewonnen hat, jetzt kann ich mir wenigstens meinen Gürtel zurückholen. Und ich werde es tun", sagte er fest entschlossen.

"Das war einfach zu viel"

Trotz der allgegenwärtigen Zufriedenheit flossen ganz zum Schluss auch noch einige Tränen. Dabei hatte sich Waldemar Hartmann (64) fest vorgenommen, keine feuchten Augen zu bekommen. Doch sein sentimentaler Abschied nach zwölf Jahren als Boxkommentator der ARD übermannte ihn derart, dass er nicht an sich halten konnte: "Das war einfach zu viel", wisperte die bayerische Frohnatur, "das ging echt unter die Haut."

Erst huldigte Abraham ihm noch im Ring, anschließend überreichte Experte Henry Maske seinem Wegbegleiter einen speziell für ihn gefertigten Boxgürtel mit dessen Konterfei und dem Logo seines Senders, und zu guter Letzt ließ es sich Ulli Wegner nicht nehmen, "Waldi" vor einem Millionenpublikum für seinen Job zu danken. "Darauf trinken wir heute einen", kündigte der Erfolgstrainer an. Was sie auch taten, bis alle Tränen getrocknet waren.

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