15.12.12

27 Tote in Schule

Ein Massaker, das die USA in Schockstarre versetzt

Die Tat selbst dauerte nur wenige Minuten. Doch es war das schlimmste Massaker an einer Schule in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Das Land ist in einer Schockstarre. Der Präsident weint.

Quelle: dapd
15.12.12 1:47 min.
28 Tote, darunter zahlreiche Schulkinder, das ist die entsetzliche Bilanz des Amoklaufs eines 20-Jährigen in Newtown im US-Bundesstaat Connecticut. Lähmende Trauer lässt die USA erstarren.

Den Zweitklässlern, die aus der Sandy-Hook-Grundschule geführt wurden, sagte die Lehrerin, sie sollten sich an den Händen fassen, die Augen schließen "und in die Schutzhaltung kauern, falls was Böses passiert".

Ein kleines Mädchen erzählte, die Hand seiner Mutter umklammernd, kurz nach der Bluttat in Newtown (Connecticut) von weinenden Kindern in Panik: "Einige haben sich übergeben."

Jeff S., ein junger Mann aus Newtown, twitterte: "Bete für meinen kleinen Cousin, der zur Sandy Hook geht. Hoffe, du bist ok." Martha T. informierte ihre Freunde: "Meine Enkelin ist in der Schule, meine Tochter ist bei ihr. Sie sagt, der Direktor ist tot und zwei Kinder sind verletzt."

Entsetzen und Fassungslosigkeit

Die Wahrheit war noch viel schlimmer, sie hat eine Nation fassungslos gemacht und einen Präsidenten zum Weinen gebracht. Ein 20 Jahre alter Mann hat 20 Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren getötet und außerdem sechs Erwachsene.

Die meisten Opfer starben im Klassenzimmer der Mutter des Täters, Nancy L., einer Lehrerin an der Schule, die ebenfalls getötet wurde. Auch der mutmaßliche Massenmörder selbst, Adam L., ist tot. Er erschoss sich offenkundig vor dem Eintreffen der Polizei in dem Klassenzimmer.

Ursprünglich hatte die Polizei Ryan L., den 24-jährigen Bruder von Adam L., als Täter benannt. Dabei handelte es sich aber um eine Verwechslung, wie die Behörden am Freitagnachmittag (Ortszeit) bestätigten. Möglicherweise hatte Adam L. Ausweispapiere seines Bruders mit sich geführt. Der in Hoboken (New Jersey) lebende Ryan L. selbst postete auf seiner Facebook-Seite: "Ich war es nicht. Ich war bei der Arbeit."

Kurz vor 9.30 Uhr war der in Schwarz gekleidete Adam L. in die Schule eingedrungen. Er führte zwei Pistolen mit sich, eine Glock und eine Sig Sauer, und ein Gewehr vom Kaliber .223.

Lehrer schlossen Türen ab

Lehrer, die mit ihren Schülern in den Klassenräumen waren, schlossen die Türen ab, ließen die Schüler auf dem Boden oder hinter umgestürzten Bänken Zuflucht suchen und riefen den Notruf.

Eine Besucherin der Schule berichtete später, sie habe zur Tatzeit eine Verabredung mit der Direktorin, deren Vertreter und der Schulpsychologin gehabt. Als kurz nach 9.30 Uhr Schüsse zu hören waren, seien die drei Schulvertreter in die Haupthalle geeilt.

Später kam der Vizedirektor zurückgekrochen, von einem Schuss in den Fuß getroffen. Bei der Evakuierung durch die Polizei sah sie die Direktorin und die Psychologin in Blutlachen liegen.

Blutende und leblose Kinder

Die Wahnsinnstat dauerte nur wenige Minuten. Polizisten trugen blutende und leblose Kinder aus dem Gebäude. Der Täter wurde tot in dem Klassenzimmer gefunden.

So emotional wie selten zuvor sprach der Präsident am Nachmittag (Ortszeit) im Weißen Haus zur Nation. "Wir haben zu viele dieser Tragödien in den letzten Jahren erlitten", sagte Barack Obama.

Obama erinnert an Vergangenheit

"Jedes Mal, wenn ich derartige Nachrichten erhalte, reagiere ich nicht als Präsident, sondern wie jeder andere es auch täte – als Elternteil." Obama, der in seinem Statement stockte und mehrfach mit dem Finger Tränen wegwischte, erinnerte an ähnliche Massaker der jüngeren Vergangenheit in Kinos, Einkaufszentren, einem Sikh-Tempel und anderen Schulen.

Die Opfer vom Freitag, die "wunderbaren Kinder", die in Newtown gestorben seien, hätten ihr ganzes Leben vor sich gehabt: "Geburtstage, Schulabschluss, Hochzeiten, eigene Kinder." Er sagte: "Unsere Herzen sind gebrochen."

Der bewegte Präsident, der ankündigte, seine beiden Töchter heute Abend "wie alle Eltern im Land" besonders fest zu umarmen und ihnen zu sagen, dass er sie liebe, fügte hinzu: "Unser Land macht dies zu oft durch." Das klang nach einem neuen Anlauf zur strengeren Waffenkontrolle.

Eine der wenigen guten Nachrichten des Tages kam vom Twitterer Jeff S., der für seinen kleinen Vetter gebetet hatte. "Mein Cousin ist daheim", teilte er eine Stunde später kurz und erleichtert mit.

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