10.12.12

Flugbetrieb

33 Flüge in Tegel wegen Warnstreik ausgefallen

In Schönefeld kam es bisher zu keinen Ausfällen. Deutschlandweit sind die Auswirkungen des Streiks auf den Flughäfen unterschiedlich.

Quelle: Reuters
10.12.12 1:47 min.
Die Gewerkschaft Verdi hatte an zehn deutschen Flughäfen zu mehrstündigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Verdi verlangt bessere Arbeitsbedingungen für die privaten Sicherheitsunternehmen.

Wegen eines Warnstreiks beim privaten Sicherheitspersonal sind am Berliner Flughafen Tegel am Montag nach Angaben der Betreiber 33 Flüge ausgefallen. "Witterungsbedingt hatten wir keine Ausfälle, aber der Streik hat uns erwischt", sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft. Am Flughafen Schönefeld hätten wegen des Streiks keine Flüge abgesagt werden müssen. An beiden Standorten werde es allerdings den Tag über weiter zu Verspätungen wegen des Warnstreiks am Morgen kommen. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt gab es dagegen nach Auskunft eines Sprechers keine Beeinträchtigungen durch die Arbeitsniederlegung.

Die Gewerkschaft Verdi hatte auf den Flughäfen in Frankfurt, Berlin, Hamburg, Hannover, Stuttgart, Düsseldorf, Bremen, Köln-Bonn und Baden-Baden/Karlsruhe für den Montagmorgen zu mehrstündigen Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Mit dem Ausstand will Verdi die Forderung nach einem neuen Manteltarifvertrag mit Regelungen für die Arbeitsbedingungen unterstreichen und Druck auf den Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) machen. Mitte November war auch in der vierten Verhandlungsrunde mit dem BDSW keine Einigung erreicht worden.

Passagiere nicht rechtzeitig zum Flugsteig

Die Auswirkungen waren allerdings regional sehr unterschiedlich: Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt hatte der Arbeitskampf keine Folgen für die Passagiere, wie ein Airport-Sprecher erklärte. Dagegen wurden in Stuttgart, Düsseldorf und Köln-Bonn nach Auskunft der Betreiber etliche Flüge gestrichen, es kam zum Teil zu stundenlangen Verspätungen.

In Hamburg flogen die Maschinen zwar wie geplant, einige Passagiere kamen aber wegen langer Schlangen vor den Sicherheitskontrollen nicht rechtzeitig zum Flugsteig. Außerdem bestreikte die Gewerkschaft ver.di nach eigenen Angaben die Flughäfen in Berlin sowie in Karlsruhe, Bremen und Hannover. Grund seien die stockenden Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag, die seit knapp einem Jahr ohne konkretes Ergebnis laufen. Am 14. November waren die Verhandlungen erneut vertagt worden, sie sollen Mitte Januar fortgesetzt werden.

"Zum wiederholten Male reagieren die Arbeitgeber nicht auf unsere Forderung nach einem Gesamtangebot, sondern setzen auf eine Verschleppungstaktik", sagte ver.di-Verhandlungsführer Andreas Sander über die vergangene Verhandlungsrunde. "Wir wollen gerechte Bedingungen an allen Flughäfen." Die Gewerkschaft wolle erreichen, dass die im Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) zusammengeschlossenen Arbeitgeber sowie die großen Sicherheitsdienstleister FIS und Frasec einheitliche Bedingungen für ihre Mitarbeiter schaffen.

Beschäftigte fordern bessere Planbarkeit

Besonders störe die Beschäftigten, dass sie oft erst einen Tag im Voraus über ihre Einsätze informiert würden, sagte der Gewerkschafter. Die mangelnde Planungssicherheit belaste die Betroffenen und deren Familienleben schwer. Zudem fordern die Beschäftigten eine Abschaffung befristeter Verträge, eine Begrenzung der regelmäßigen Arbeitszeit für bestimmte Beschäftigungsgruppen sowie den Ausbau der Aus- und Weiterbildung.

BDSW-Hauptgeschäftsführer Harald Olschok bezeichnete den Streik als "völlig überzogen und unverhältnismäßig". Es habe zuletzt deutliche Annäherungen zwischen seinem Verband und der Gewerkschaft gegeben. Nun würden aber Tausende Passagiere sinnlos geschädigt. Die Sicherheitsunternehmen seien daran interessiert, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Besonders viele Kontrollen fielen an Flughäfen aber naturgemäß abends und morgens an, dazwischen gebe es oft nicht genug Arbeit für die gesamte Belegschaft. Außerdem würden diese Zeiten von den Fluglinien nicht bezahlt. Deshalb würden die Mitarbeiter oft nur stundenweise eingesetzt.

Reisende sollten sich vor Abflug über Streikfolgen informieren

Nach ver.di-Angaben verdienen Sicherheitsleute in der Passagierkontrolle im Schnitt rund 12 Euro pro Stunde. Wer für Fracht- und Personalkontrolle zuständig ist, bekommt demnach etwa 8,50 bis 10 Euro Stundenlohn. Die Gehälter sind aber nicht Gegenstand der derzeitigen Verhandlungen.

Fluggäste sollten sich wegen der Warnstreiks vor ihrer Anreise zum Flughafen bei den Airlines, Reiseveranstaltern oder auf der Homepage des Flughafens über den Status ihres Fluges informieren, teilte etwa der Düsseldorfer Flughafen mit. Die Auswirkungen auf den Flugbetrieb seien derzeit noch nicht abzuschätzen.

Tarifeinigung bei GlobeGround

Unterdessen ist nach rund zehn Monaten Verhandlung der Konflikt um einen Flächentarifvertrag für rund 2000 Vorfeldkontrolleure, Passagier- und Gepäckabfertiger an den Berliner Flughäfen beendet. Die Gewerkschaft Ver.di und der Allgemeine Verband der Wirtschaft Berlin und Brandenburg hätten sich "auf wesentliche Eckpunkte zu den Arbeits- und Vergütungsbedingungen sowie auf eine Zeitarbeiterquotierung" geeinigt, teilte der Dienstleister Globeground am Montag mit. Details wurden nicht genannt. Die Angestellten der Bodenverkehrsdienstleister Globeground und Acciona arbeiten am Check-In, weisen Flieger ein und kümmern sich um das Gepäck. Die Einigung habe nichts mit den deutschlandweiten Streiks an Flughäfen zu tun, betonte eine Sprecherin.

Quelle: Reuters/dapd
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