06.12.12

Charité

Mutmaßliches Missbrauchsopfer sagt nicht aus

Ein Pfleger der Berliner Charité soll eine 16-Jährige in der Notaufnahme missbraucht haben. Doch das mutmaßliche Opfer erscheint nicht zur Aussage. Die Chancen auf eine Aufklärung des Falls sinken.

Foto: dpa

Mehrfach versuchte die Berliner Klinik in Kontakt mit der mutmaßlich missbrauchten 16-Jährigen zu kommen. Doch die Familie des Mädchens meldet sich nicht
Mehrfach versuchte die Berliner Klinik in Kontakt mit der mutmaßlich missbrauchten 16-Jährigen zu kommen. Doch die Familie des Mädchens meldet sich nicht

Die Chancen auf eine Aufklärung des möglichen Missbrauchs-Falles an der Berliner Charité sinken rapide. "Es wird nun sehr schwer, eine konkrete Straftat festzustellen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Steltner, mit Blick auf fehlende Aussagen des 16-jährigen Mädchens.

Das mutmaßliche Opfer war mehrfach zur Aussage geladen worden, aber nie erschienen. Jetzt gebe es nur noch das Mittel der staatsanwaltschaftlichen Vernehmung, zu der ein Eingeladener erscheinen muss. Bei Jugendlichen oder Opfern einer Straftat werde jedoch sehr genau abgewogen, ob man dieses Mittel wähle.

"Wir haben bisher alles getan, um an eine Aussage zu kommen", sagte Steltner. Angaben dazu, ob das Ermittlungsverfahren nun eingestellt werde, wollte er nicht machen.

Kontaktaufnahme scheiterte

Auch an der Charité ist man zum Abwarten gezwungen. "Der Pfleger ist weiterhin vom Dienst suspendiert, die Kündigung wurde ja bereits eingeleitet", berichtete Charité-Sprecherin Manuela Zingl. Der Personalrat hatte der Kündigung jedoch nicht zugestimmt, weswegen sie noch nicht ausgesprochen wurde.

Auch die Versuche der Klinik, mit dem mutmaßlichen Opfer in Kontakt zu treten, scheiterten. "Auf den Brief, den wir bei der Familie in den Briefkasten warfen, kam keine Reaktion", sagte Zingl. Laut Medienberichten hatte das Mädchen bereits einmal gegen einen Schul-Sozialarbeiter angeblich falsche Missbrauchsvorwürfe erhoben.

Der Verteidiger des 58-jährigen Pflegers, der im Verdacht steht, das Mädchen Mitte November in der Notaufnahme des Virchow-Klinikums missbraucht zu haben, hat bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht genommen.

Quelle: dpa/cke
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