04.12.12

Auf der Flucht

Computer-Guru McAfee verrät sich – per iPhone

Auch Computerexperten machen Anfänger-Fehler. John McAfee, wegen Mordverdachts gesucht und auf der Flucht, ist wegen eines Fotos geortet worden. Jetzt will er sich mit den Behörden treffen.

Quelle: dapd
04.12.12 1:57 min.
John McAfee, Gründer der gleichnamigen Computersicherheitsfirma, wird verdächtigt, in Belize seinen Nachbarn ermordet zu haben. An einem geheimen Ort traf der nervöse Mann einen CNN-Reporter.

Ausgerechnet das Computer-Genie John McAfee könnte auf die Tücken der modernen Technik hereingefallen sein: Ein Smartphone-Photo könnte seinen Verfolgern verraten haben, wo er steckt: In Guatemala will sich der Gesuchte mit Behördenvertretern treffen und Asyl beantragen. Sollte er zu einem Verhör nach Belize zurückkehren, fürchte er, getötet zu werden, sagte McAfee der Nachrichtenagentur AP.

Der exzentrische Softwareunternehmer hält sich derzeit in einem Hotel in Guatemala-Stadt auf und hat nach eigenen Angaben auf seiner Internetseite den früheren guatemaltekischen Generalstaatsanwalt Telésforo Guerra als Anwalt engagiert.

McAfee gilt in dem Mordfall um den Amerikaner Gregory F. für die Polizei in Belize als "Person von Interesse". In einem Eintrag in seinem Blog richtete er sich am Dienstag direkt an die Hinterbliebenen des Toten: "Ich habe mit seinem Tod nichts zu tun. Ich habe in meinen 67 Jahren fünf enge Familienangehörige verloren und verstehe euer Leid."

Doppelgänger an der Grenze

Der Multimillionär McAfee beteuert seit Wochen im Internet , er verkündet per Blog (hier) und diversen Interviews aus seinen Verstecken, dass die Regierung von Belize ihn nur loswerden wolle, weil er unbequem sei und den lokalen Drogenhandel gestört habe.

Am Wochenende nahm die höchst öffentliche Flucht von McAfee eine neue, absurd erscheinende Wendung: Erst meldeten diverse US-Medien, McAfee sei an einem mexikanischen Grenzübergang festgenommen worden. Dann verkündete McAfee selbst, er sei weiter in der Freiheit unterwegs: An dem Grenzübergang sei ein Doppelgänger festgenommen worden, den er losgeschickt habe, um Verwirrung zu stiften.

McAfee gilt als paranoid, sucht aktuell aktiv Begleitung und Berichterstattung von US-Medien, da er diese als eine Art Lebensversicherung betrachtet: Solange Reporter bei ihm sind, können die Behörden McAfee zumindest nicht verschwinden lassen, so sein Kalkül. Doch jetzt machten Journalisten des US-Magazins "Vice" einen Anfängerfehler: Sie veröffentlichten ein Foto des "Vice"-Vizechefredakteurs Rocco Castoro zusammen mit John McAfee vor Blättergrün.

GPS-Daten hochgeladen

Aus dem Bild allein lässt sich nicht schließen, wo es entstand. Doch der Fotograf machte das Bild mit einem iPhone 4s – das aber hat einen eingebauten GPS-Positionsempfänger und speichert in den Meta-Daten der Fotodatei, wo genau das Bild entstand. Normalerweise entfernen Profis diese Daten, bevor sie ein Bild verwenden. Doch die Journalisten luden das Bild unter der herausfordernden Headline "We are with John McAfee right now, Suckers!" unredigiert auf ihre Webseite.

Die GPS-Daten verrieten: McAfee befand sich am Wochenende in Guatemala, das Foto zeigt ihn am Pool eines Hotels im abgelegenen Nationalpark Rio Dulce. Als Nutzer auf Twitter daraufhin hämisch anmerkten, mit der Geheimhaltung sei es ja wohl nicht mehr allzuweit her, korrigierten die Vice-Macher hastig ihren Fehler, gleichzeitig legte McAfee einen Blogpost nach: Das sei Absicht gewesen, und zwar um die Verfolger zu verwirren.

An diesem Dienstag aber musste McAfee selbst in einem weiteren Statusupdate zugegeben, in Guatemala zu sein. Er wollte sich im Laufe des Tages mit Vertretern des mittelamerikanischen Staates treffen, um über seine Situation zu verhandeln. Noch wurde keine Festnahme vermeldet, doch diesmal hat das einstige Computer-Experte McAfee sich klar selbst ausgetrickst.

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