Test
Mobilfunk-Preisvergleich
Discount-Anbieter haben bei Tarif und Service die Nase vorn.
Sein Lieblingshandy hat fast jeder, doch mit der monatlichen Mobilfunkrechnung dürften die meisten Nutzer unzufrieden sein. Was sich beim schnellen Preisvergleich zu Hause nur erahnen lässt, hat das unabhängige Deutsche Institut für Service-Qualität (Disq) nun in einer aufwendigen wissenschaftlichen Studie bestätigt: Mit dem richtigen Handytarif lässt sich richtig Geld sparen – besonders bei Datentarifen. Daneben haben die Hamburger auch den Service umfangreich analysiert – neben dem Telefon- und E-Mail-Support verschiedener Mobilfunker untersuchten sie auch deren Internetseiten auf Benutzerfreundlichkeit und Qualität.
Sie testeten insgesamt 22 Mobilfunkanbieter: Acht Full-Service-Provider, also Unternehmen mit breitem Angebotsspektrum, wie zum Beispiel die Deutsche Telekom, O2 und The Phone House, aber auch Mobilfunkdiscounter mit eingeschränktem Leistungsangebot, wie Aldi Talk, Congstar, Fonic oder Simyo. Um eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Tarife sicherzustellen, erarbeitete das Institut in Zusammenarbeit mit der Serviceplattform teltarif.de vier typische Nutzerprofile: den Wenigtelefonierer, den Normaltelefonierer, den Vieltelefonierer und den SMS-Vielschreiber. Je nach Nutzungsart bietet sich demzufolge die Wahl eines bestimmten Tariftyps an.
Die günstigsten Tarife im Bereich Telefonie und SMS bietet Lidl Mobile. Besonders diejenigen Nutzer, die wenig bis normal oft telefonieren oder SMS schreiben, sind mit dem Angebot des Discounters gut beraten. Maxxim, ebenfalls Discounter, kann günstige Tarife besonders für Wenig- und Vieltelefonierer bieten. Letztere zahlen monatlich nur 19,95 Euro und liegen damit 75 Prozent unter dem Angebot des teuersten Anbieters. Letztplatziert beim Ergebnis Preise ist The Phone House. Besonders Verbraucher, die viel telefonieren, müssten hier mit hohen Kosten rechnen, ermittelten die Wissenschaftler vom Disq. Auch für die Profile Normaltelefonierer und SMS-Vielnutzer gehörte das Unternehmen aus Münster zu den teuersten Anbietern.
Teure Datentarife
Wenigtelefonierer können beim gezielten Preisvergleich übrigens am meisten sparen. Beim günstigsten Anbieter zahlen sie lediglich 4,24 Euro pro Monat für ihren Tarif, während beim teuersten, Yourphone, mit 20,62 Euro fast das Fünffache fällig wird. Vieltelefonierer sind mit dem Tarif der E-Plus-Tochter hingegen gut beraten.
Bei den Vertragsbedingungen im Bereich Telefonie und SMS kann Bildmobil punkten. "Das Unternehmen bot sowohl Prepaid- als auch Vertragstarife an und überzeugte mit Kündigungsfristen und Vertragslaufzeiten von null Tagen", schreiben die Wissenschaftler. Zudem werde kein Mindestumsatz verlangt. Platz zwei belegt hier Simply, Platz drei Simyo, letzter wurde Mobilcom-Debitel. Die Untersuchung beklagt, dass nach Abzug des Startguthabens hier noch Kosten für die Anmeldung in Höhe von durchschnittlich gut 26 Euro anfallen. Zudem betrage die Vertragslaufzeit im Durchschnitt etwa zwei Jahre. Eher negativ einzuschätzen ist, dass nur rund 55 Prozent der Mobilfunkanbieter neben Vertrags- auch Prepaid-Tarife anbieten. Ebenso, dass nur bei einem der 22 Anbieter nach Abzug des Startguthabens keine weiteren Anmeldegebühren anfallen.
Weil in Zeiten von Whatsapp, Facebook und vor allem YouTube immer mehr mobile Daten verbraucht werden, untersuchte das Institut auch die in diesem Bereich angebotenen Tarife. Hier wurde anhand der Nutzerprofile Normalsurfer und Vielsurfer bewertet, wobei bei Ersterem von einem monatlichen Verbrauch von 500 MB Daten ausgegangen wurde, bei Letzterem von fünf GB, was also zehn Mal so viel ist und nur dann wirklich gebraucht werden dürfte, wenn ein regulärer Internetanschluss zu Hause nicht vorhanden ist.
Lidl Mobile vorn
Lidl Mobile belegt im Ergebnis Preise den ersten Platz: Der Tarif für Vielsurfer kostet hier nur 14,99 Euro und ist somit ganze 70 Prozent günstiger als beim teuersten Anbieter, der Telekom. Platz zwei belegt Aldi Talk. Die Tarife beschreiben die Wissenschaftler als fast genauso günstig wie bei Lidl Mobile. Nur der Tarif für Normalsurfer kostet hier vier Cent mehr als beim Erstplatzierten. Rang drei teilen sich E-Plus und dessen Tochter Base mit gleichen Tarifen. Mit 15 Euro pro Monat sind Vielsurfer günstig dran.
Die Deutsche Telekom landet auf dem letzten Platz. Sowohl für das Normalsurfer- als auch das Vielsurfer-Profil bietet das Unternehmen die jeweils teuersten Tarife auf dem Markt an. Erstere müssen gar das Zehnfache im Vergleich zum günstigsten Datenangebot zahlen. Für sie lohnt sich in jedem Fall ein intensiver Preisvergleich, sagen die Wissenschaftler. Der günstigste Anbieter verlangt 4,95 Euro für 500 MB Datenvolumen, der teuerste knapp 50 Euro. Allerdings sollten auch die jeweiligen Vertragsbedingungen wie Geschwindigkeit von Download und Upload, Laufzeit des Vertrags und Kündigungsfristen berücksichtigt werden.
Bei der Servicequalität untersuchte das Institut, wie gut die Kunden bei einem Unternehmen aufgehoben sind. Wie lange hängt man als Kunde in der Telefonwarteschleife, wie viele Stunden oder Tage dauert die Beantwortung einer E-Mail, wie schnell findet der Nutzer die Informationen, die er wirklich sucht und die ihn weiterbringen? Insgesamt bewerten die Wissenschaftler diese Servicequalität als "knapp befriedigend". Nur drei der 14 Unternehmen bieten einen guten Service, zwei gar einen mangelhaften.
Keine Antwort auf E-Mail-Anfragen
Testsieger im Gesamtergebnis Service ist die E-Plus-Tochter Blau.de. Vor allem der Internetauftritt sei informativ, schreiben die Wissenschaftler, wichtige Inhalte wie ein Verzeichnis mit häufig gestellten Fragen und eine Tarifübersicht seien schon nach einem Klick zu finden. Simyo (Platz zwei) glänzte vor allem durch die beste telefonische Beratung. So seien die Antworten der Kundenberater "vollständig und sehr souverän", die Warteschleife mit durchschnittlich zwölf Sekunden sehr kurz gewesen.
Lidl Mobile und Fonic, die den gleichen Telefon- und E-Mail-Kontakt nutzen, schnitten im Bereich Service am schlechtesten ab. Die Anbieter reagierten während der Testreihe auf keine der gestellten E-Mail-Anfragen. Zudem kam während des Testzeitraums kein Telefongespräch mit einer Wartezeit von unter sieben Minuten zustande. Überhaupt stellten die Forscher fest, dass nicht einmal jedes zweite der 210 Telefonate binnen 20 Sekunden angenommen wurde. Für die Unternehmen ein guter Angriffspunkt, Service zu verbessern.


















