25.11.12

Bangladesch

Über 100 Menschen sterben bei Brand in Textilfabrik

1000 Menschen nähen am Samstagabend Kleidung, als ein Feuer in der Fabrik in Bangladesch ausbricht. Die Flammen breiten sich schnell aus. Mehr als 100 kommen um. Die Fabrik fertigte auch für C&A.

Bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind in der Nacht zum Sonntag mindestens 104 Menschen getötet worden. Wie die Feuerwehr am Sonntag mitteilte, war das Feuer am späten Samstagabend in dem Werk am Rande der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen. Hunderte Arbeiter wurden demnach in den oberen Etagen des Fabrikgebäudes eingeschlossen.

Mehr als 1000 Arbeiter eingeschlossen

Zunächst war von 121 Toten die Rede gewesen. Die Polizei korrigierte die Angaben später jedoch nach unten. "Einige Leichen seien doppelt gezählt worden, da mehrere Teams in verschiedenen Stockwerken des Gebäudes arbeiteten", sagte ein Polizeioffizier. Einige Arbeiter hätten sich tödlich verletzt, als sie in Panik aus den Fenstern gesprungen seien, andere seien im Rauch erstickt.

"Mehr als tausend Arbeiter waren in der Fabrik eingeschlossen", sagte eine Überlebende lokalen Medien. Sie sei aus dem vierten Stock gesprungen und auf dem Dache eines Nachbargebäudes aufgekommen, erzählte die 42-Jährige im Krankenbett. Vier Stunden benötigte die Feuerwehr, um den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Fabrik fertigte für C&A

Firmenchef Delwar Hossain sprach von einem "schweren Verlust für meine Angestellten und meine Fabrik", die unter anderem für das Bekleidungsunternehmen C&A arbeitet. Das Werk des Textilunternehmens Tazreen Fashion liegt rund rund 30 Kilometer nördlich von Dhaka. Die Ursache für den Brand war zunächst unklar. Häufig lösen jedoch Kurzschlüsse in den maroden Elektroinstallationen der Bekleidungsfabriken in Bangladesch Brände aus.

In den Fabriken nähen Mitarbeiter unter meist ärmlichen Verhältnissen Textilien für westliche Auftraggeber. Bangladesch ist jüngst zum weltweit zweitgrößten Textilexporteur aufgestiegen; 80 Prozent der Exporte des asiatischen Landes fallen auf den Textilsektor.

Die Textilindustrie ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor Bangladeschs. Die meisten Exporte gehen nach Europa, allein Deutschland importierte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2011 Bekleidung im Wert von 2,8 Milliarden Euro. Der Verband der Textilhersteller und -exporteure in Bangladesch versprach den nun betroffenen Familien Entschädigung.

Niedrige Lohnkosten locken Unternehmen

Die niedrigen Lohnkosten in Bangladesch haben dazu geführt, dass viele Unternehmen in den vergangenen Jahren das Land als Produktionsstandort für Textilien entdeckten. Derzeit gibt es mindestens 5000 Textilfabriken mit mehreren Millionen Beschäftigten, die meisten davon junge Frauen.

Die Arbeits- und Sozialstandards werden von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) immer wieder kritisiert. So würden keine Frauen über 30 in den Fabriken beschäftigt, da sie die 13- bis 16-Stunden-Schichten nicht schafften. Gewerkschaften würden nur selten toleriert. Außerdem gebe es kaum Kontrollen, sodass der Arbeitsschutz nicht gewährleistet sei.

Seit 2005 sieben tödliche Vorfälle

Laut einer Studie der Kampagne für Saubere Kleidung kam es seit dem Jahr 2005 zu sieben tödlichen Bränden und Fabrikeinstürzen in Bangladesch, bei denen insgesamt 145 Menschen starben. Die vielen Toten seien mit mangelhaften Sicherheitsmaßnahmen zu erklären. Elektrokabel hingen häufig frei im Raum, Feuerlöscher fehlten, Notausgänge verschlossen und Fluchtwege versperrt.

Erst im September gab es einen verheerenden Brand mit mehr als 259 Toten in einer Textilfabrik in Pakistan. Bangladesch war bis 1971 ein Teil Pakistans. Die pakistanische Unglücksfabrik belieferte auch den deutschen Textildiscounter Kik.

Quelle: jah/uvs
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