22.11.12

Berliner Klinik

Missbrauch - Charité-Pfleger schon früher auffällig

Nach dem mutmaßlichen Missbrauch einer 16-Jährigen durch einen Pfleger will der Charité-Chef die Informationspolitik "vom Kopf auf die Füße" stellen. Der Pfleger war zuvor bereits auffällig geworden.

Foto: dapd

Karl Max Einhäupl, Leiter der Charité-Universitätsmedizin Berlin, auf der Pressekonferenz zum Verdacht des sexuellen Missbrauchs einer 16-Jährigen durch einen Krankenpfleger
Karl Max Einhäupl, Leiter der Charité-Universitätsmedizin Berlin, auf der Pressekonferenz zum Verdacht des sexuellen Missbrauchs einer 16-Jährigen durch einen Krankenpfleger

Nach Bekanntwerden eines mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs einer 16 Jahre alten Patientin durch einen Pfleger an der Berliner Charité hat die Berliner Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen eingeleitet.

"Wir ermitteln mit Hochdruck", sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Martin Steltner, am Donnerstag. Der Fall sei nicht einfach, da der Übergriff schon vor mehr als einer Woche passiert sei.

"Beweismittel wie DNA-Spuren gibt es leider nicht mehr. Darum müssen wir vor allem auf Zeugenaussagen zurückgreifen – etwa die der mutmaßlich Geschädigten." Der 58 Jahre alte Tatverdächtige sei bislang wegen ähnlicher Fälle nicht verurteilt worden.

Der Vorstandschef des Krankenhauses, Karl Max Einhäupl, sagte, dass der Tatverdächtige in der Vergangenheit bereits drei Mal auffällig geworden sei. Zugleich gab er erneut Fehler in der Informationspolitik des Krankenhauses zu und deutete personelle Konsequenzen an.

Einhäupl wolle die Informationspolitik der Charité nun "vom Kopf auf die Füße" stellen. Er selbst wurde nach eigenen Angaben erst am Dienstag über den Vorfall unterrichtet, der sich bereits eine Woche zuvor ereignet haben soll. Das Krankenhaus ist zuletzt wegen der Informationspolitik zu Keim-Infektionen von Kindern in die Kritik geraten.

Der Klinik-Chef kündigte an, eine Hotline für beunruhigte Eltern zu schalten. Die Prävention wurde nach Angaben der Pflegeleitung schon in der Vergangenheit verbessert. Danach sind alle Mitarbeiter aufgefordert, ungewöhnliche Vorfälle zu melden. Dazu gibt es auch ein anonymes Telefon.

Appell für bessere Vorsorge an Krankenhäusern

Die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Elisabeth Pott, appellierte an Krankenhäuser, besser vorzusorgen. Es sei möglichst zu vermeiden, dass ein Patient mit einem Klinikmitarbeiter in einem Raum alleine sei. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) forderte, die Gefahr von sexuellem Missbrauch in der Gesellschaft wieder stärker ins Bewusstsein zu rufen.

Jetzt solle geklärt werden, ob es weitere Betroffene gibt, wie Einhäupl weiter sagte. Im Zuge der bisherigen internen Recherchen kam demnach heraus, dass der Pfleger, der bereits seit 40 Jahren an der Charité arbeitet, bereits früher aufgefallen sein soll. Er war zunächst in der Kinderonkologie tätig, seit 2008 in der Rettungsstelle. Nach derzeitigen Erkenntnissen erinnerten sich Mitarbeiter an drei Übergriffe, die aber bisher nicht näher bezeichnet werden könnten. Sie sollen länger als fünf Jahre zurückliegen. Akten gebe es dazu aber nicht.

Der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günter Jonitz, nahm die Klinikführung in Schutz. Sie bemühe sich nach Kräften um ein besseres Risikomanagement, sagte Jonitz am Donnerstag im Inforadio des RBB. Aber es handele sich um die größte Universitätsklinik in Europa, was die Aufgabe erschwere.

Keine Zweifel an Aussage des Mädchens

Die 16-jährige wurde vergangene Woche in der Nacht zum Mittwoch in der Rettungsstelle der Kinderklinik am Campus Virchow wegen einer "akuten Erkrankung" aufgenommen, erklärte Einhäupl. Nach Angaben Einhäupls war das Mädchen bei der Behandlung in der Klinik bei Bewusstsein. Es hatte zwar Medikamente bekommen, die zur Beruhigung beitragen sollten. "Aber wir haben keinen Zweifel, dass es die Wahrheit gesagt hat", sagte er. Die Jugendliche sei in der Notaufnahme "knapp drei Minuten" mit dem Pfleger allein gewesen.

Der Pfleger habe ihr beim Ausziehen der Hose geholfen und sie dabei unsittlich berührt. Die 16-Jährige habe anschließend ihre Eltern informiert. Am Tage hätten die Eltern dann gegen einen Krankenpfleger den Vorwurf erhoben, dass der Angestellte an der 16-Jährigen sexuelle Handlungen vorgenommen habe.

Quelle: dapd/dpa/mak
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