21.11.12

Bahnverkehr

Siemens kann ICE-Züge nicht rechtzeitig liefern

Auf Bahn-Kunden dürfte im Winter erneut Chaos zukommen. Siemens kann der Deutschen Bahn bestellte ICE-Züge nicht rechtzeitig vor Wintereinbruch ausliefern – wegen "Problemen mit der Zugsteuerung".

Foto: dapd

Ein ICE bei der Ausfahrt aus einem Bahnhof. Im Winter fehlen der Deutschen Bahn acht bestellte ICE-Züge
Ein ICE bei der Ausfahrt aus einem Bahnhof. Im Winter fehlen der Deutschen Bahn acht bestellte ICE-Züge

Siemens kann der Deutschen Bahn die bestellte ICE-Züge nicht wie geplant in Kürze liefern. Die Übergabe verzögere sich über Anfang Dezember hinaus, teilte der Münchner Konzern am Mittwoch mit. Die Deutsche Bahn hatte 16 ICE-Züge bei Siemens bestellt. Acht davon sollten zum Fahrplanwechsel im Dezember zur Verfügung stehen.

Die Berliner Morgenpost hatte bereits vor einigen Tagen darüber berichtet. Siemens hatte gegenüber der Berliner Morgenpost erklärt, drei ICE-Züge ausgeliefert zu haben. Diese waren nach Angaben der Deutschen Bahn aber nur Testzüge.

Damit ist jetzt auch klar, dass der Bahn auch in diesem Winter die dringend nötigen Reserven im Fernverkehr fehlen. Herrscht über Tage scharfer Frost, sind Zugausfälle und Verspätungen praktisch programmiert. Grund sind der chronische Mangel an Fernzügen bei der Bahn, vor allem aber das Dauerproblem des Lieferanten Siemens bei den neuen ICE-Zügen.

Siemens hatte pünktliche Lieferung versprochen

Es ist noch gar nicht lange her, da hatte Siemens der Bahn im Beisein von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zugesichert, die ersten acht der Züge würden am 23. November die Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) erhalten und stünden zum Fahrplanwechsel bereit.

Doch nach Informationen der Berliner Morgenpost gibt es technische Probleme. Die Software der hochkomplexen Züge bereitet Schwierigkeiten. "Die Zeit von Bestellung bis Lieferung war einfach zu kurz. Die Komplexität der Materie wurde unterschätzt", räumt ein Siemens-Mitarbeiter ein. Inzwischen räumt das Unternehmen "Probleme mit der Zugsteuerung" ein und "bedauert diese erneute Verzögerung ausdrücklich".

Ohne neue Züge kaum Puffer für Zugausfälle

Die bestellten Züge, jeder mit einem Wert von rund 35 Millionen Euro, sollten seit Monaten im Einsatz sein. Nachdem klar war, dass Siemens an der zweifellos kniffligen Herausforderung bislang gescheitert ist, die Züge fristgerecht für den Einsatz auf mehreren Schienennetzen in Europa fit zu machen, beschloss die Bahn die Züge als Reserve im Inland zu nutzen.

Das ist auch dringend nötig, denn für die Flotte der DB gibt es kaum Puffer, wenn Züge ausfallen. Hauptgrund sind die Probleme mit den Achsen beim ICE 3 und ICE T. Nach einem Achsbruch müssen die Züge per Erlass des EBA in kurzen Abständen zum Sicherheitscheck. Doch der dauert im Winter lange, denn dafür müssen die Achsen aufwendig enteist werden. Deshalb fehlen der Bahn derzeit rechnerisch zwölf ICEs – der Mangel sollte durch die neuen Modelle von Siemens gemildert werden.

Quelle: Reuters/do/dma
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