18.11.12

Formel 1

Vettel verpasst den Sieg und ist "absolut glücklich"

14 Runden vor Schluss wird Titelverteidiger Sebastian Vettel bei der Formel-1-Premiere in Austin von Lewis Hamilton überholt. Mit seinem zweiten Platz vor Fernando Alonso kann er aber gut leben.

Foto: REUTERS

Lewis Hamilton hat den Großen Preis der USA in Austin gewonnen, die WM-Entscheidung wurde um eine Woche vertragt.

26 Bilder

Den schwarzen Cowboy-Hut von den kichernden Grid-Girls nahm er auch nach der verpassten WM-Entscheidung mit einem breiten Grinsen entgegen, den Champagner verspritzte er ausgelassen: Trotz eines starken Ritts auf seinem "Roten Bullen" hat Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel den Premieren-Sieg in Texas verpasst und muss im Kampf um seinen dritten WM-Titel bis zum Saisonfinale zittern. In dieses am kommenden Sonntag in Sao Paulo geht Vettel nach seinem zweiten Platz beim ersten Rennen in Austin hinter Lewis Hamilton mit 13 Punkten Vorsprung. Somit würde ihm in Brasilien bereits ein vierter Platz reichen, selbst wenn Rivale Fernando Alonso - in Austin Dritter - das Rennen gewinnen würde.

Dass er sich nicht als Verlierer, sondern als zweiter Sieger fühlte, zeigte Vettel, der Red Bull zumindest den dritten Konstrukteurs-Titel in Folge sicherte, schon direkt nach der Zieleinfahrt. Zufrieden winkte er und verkündete über den Boxenfunk: "Ich bin absolut glücklich." Auf dem Podium erklärte er im Interview mit Ex-Weltmeister Mario Andretti: "Das war ein großes Rennen und ein gutes Ergebnis. Wir haben den Teamtitel gewonnen, wir haben noch bessere Chancen auf den Titel als vor dem Rennen. Von daher ist alles gut."

Der Red-Bull-Pilot trotzte zwar allen Psychospielchen und Regeltricks von Alonso und dessen Team Ferrari, musste sich aber um 0,6 Sekunden dem starken Briten Hamilton im McLaren geschlagen geben. Alonso kam nach einer starken Aufholjagd von Startplatz sieben als Dritter aufs Podium und wahrte seine kleine Chance auf seinen dritten Titel. Auf den Deutschen hatte der Spanier 38,5 Sekunden Rückstand.

"Ich hoffe, es war eine gute Show. Ich freue mich schon nächstes Jahr wiederzukommen", sagte Alonso, der von den US-Fans mit Sprechchören gefeiert wurde, aber deutlich missmutiger dreinschaute als Vettel. "Absolut fantastisch", funkte derweil McLaren Hamilton nach dessen vorletztem Rennen vor dem Wechsel zu Mercedes zu, der Brite feierte seinen Sieg wie einen WM-Erfolg.

Webbers Lichtmaschine streikte

Den ersten Titel-Hattrick haben Vettel und Red Bull seit Sonntag aber schon sicher: In der Konstrukteurswertung liegen sie nach Vettels Triumph uneinholbar vorne. Dabei leistete Teamkollege Mark Webber wieder einmal nur geringe Schützenhilfe – diesmal aber unverschuldet. Wie bei Vettel in Valencia und Monza verweigerte die Lichtmaschine in der 17. Runde den Dienst. Der Australier Webber, der bis dahin auf Rang drei direkt vor Alonso gelegen hatte, musste sein Auto abstellen. "Normalerweise wäre das Podium möglich gewesen", sagte er und bangte mit Vettel: "Schlimm, dass wir uns wegen der Zuverlässigkeit nun wieder Sorgen machen müssen."

Rekordweltmeister Michael Schumacher wurde in seiner dritten Heimat - er besitzt seit kurzem eine Ranch in Texas - von Startplatz fünf bis auf Rang 16 durchgereicht, wurde dabei überrundet und blieb auch in seinem vorletzten Saisonrennen zum sechsten Mal in Folge ohne Punkte. Am Ende landete er sogar weit hinter seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg, der sich von Rang 17 zumindest bis auf Position 13 vorarbeitete und ohne Überrundung blieb. Nico Hülkenberg (Force India) kam in seinem vorletzten Rennen vor dem Wechsel zu Sauber auf Rang acht, Marussia-Pilot Timo Glock belegte Platz 19.

Ferrari trickste vor dem Rennen

Ferrari hatte schon vor dem Start mit einer strittigen Aktion für heftige Diskussionen gesorgt. Eine eigentlich als Bestrafung gedachte Regel des Automobil-Weltverbandes Fia machte sich die Scuderia nun zunutze, um Alonso in eine bessere Position zu bringen. Bei Teamkollege Felipe Massa wurde vor dem Rennen mutwillig das Siegel am Getriebe verletzt, was wie der Tausch des Getriebes eine Rückversetzung um fünf Plätze nach sich zieht.

Somit startete der Brasilianer in Texas vom elften statt vom sechsten Startplatz - Alonso rückte vom achten auf den siebten Rang vor. Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko reagierte ebenfalls gelassen – und mit Ironie. "Wir haben das zur Kenntnis genommen und schauen nur auf uns", sagte der Österreicher und ergänzte: "Wir hatten es zum Glück nicht nötig, uns über solche Dinge Gedanken zu machen."

Doch beim Start zeigte Alonso, der nach der neuntbesten Zeit im Qualifying schon von einer Rückversetzung Romain Grosjeans profitiert hatte, auch noch seine ganze Klasse. Schon in der ersten Kurve war er an Nico Hülkenberg, Michael Schumacher und Kimi Räikkönen vorbeigezogen und hatte den vierten Platz erobert - das Mindestziel, um ein echtes Finale in Brasilien zu erzwingen.

Der deutsche Widerstand direkt vor Alonso hatte somit nicht lange gehalten. Dabei hatte Vettel am Samstag noch launig "eine Runde Bier" versprochen, wenn ihm Hülkenberg und Schumacher helfen würden.

Hamilton machte Druck

Doch der Weltmeister zeigte sich unbeeindruckt von dem, was hinter ihm passierte. Doch der künftige Mercedes-Pilot Hamilton setzte ihn bald kräftig unter Druck. Alonso verlor dahinter an Boden, zunächst durch einen kleinen Ausritt auf der Strecke, dann durch einen ungewöhnlichen langen Boxenstopp, den ein klemmendes rechtes Hinterrad verursacht hatte. Vettels erster Reifenwechsel verlief problemlos, so behielt der Hesse die Führung. Vor Alonso schob sich zwischenzeitlich noch der wie Rosberg ganz lange mit einem Stopp wartende McLaren-Pilot Jenson Button.

Nach zwei Dritteln der Distanz zeigte Hamilton dann wieder, dass er sich noch nicht geschlagen geben wollte. In der 42. von 56 Runden zog Hamilton dann aber auf der langen Gerade mit der vollen Kraft von KERS und DRS vorbei. Vettel beschwerte sich im Funk, dass ihn ein Überrundeter kurz zuvor aufgehalten habe und er somit verlangsamen musste. "Bleib ruhig und konzentriere dich", antwortete sein Renningenieur. Ein Risiko ging Vettel aber nicht mehr ein, zumal Hamilton nur schwer zu bezwingen gewesen wäre.

Die Formel 1 nach Austin

Endstand:

1. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:35:55,269 Std.

 

2. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red-Bull-Renault 0:00,675 Min. zurück

 

3. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 0:39,229

 

4. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 0:46,013

 

5. Jenson Button (Großbritannien) McLaren-Mercedes 0:56,432

 

6. Kimi Räikkonen (Finnland) Lotus-Renault 1:04,425

7. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus-Renault 1:10,313

 

8. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force-India-Mercedes 1:13,792

 

9. Pastor Maldonado (Venezuela) 1:14,525

 

10. Bruno Senna (Brasilien) Williams-Renault 1:15,133

 

11. Sergio Perez (Mexiko) Sauber-Ferrari 1:24,341

 

12. Daniel Ricciardo (Australien) Toro-Rosso-Ferrari 1:24,871

 

13. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:25,510

eine Runde zurück:

 

14. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber-Ferrari

 

15. Paul di Resta (Großbritannien) Forde-India-Mercedes

 

16. Michael Schumacher (Kerpen)

 

17. Witali Petrow (Russland) Caterham-Renault

 

18. Heikki Kovalainen (Finnland) Caterham-Renault

 

19. Timo Glock (Wersau) Marussia-Cosworth

zwei Runden zurück:

 

20. Charles Pic (Frankreich) Marussia-Cosworth

 

21. Pedro de la Rosa (Spanien) Hispania-Cosworth

 

22. Narain Karthikeyan (Indien) Hispania-Cosworth

 

Ausgeschieden:

 

Mark Webber (Australien) Red-Bull-Renault

 

Jean-Eric Vergne (Frankreich) Caterham-Renault

Fahrerwertung:

 

1. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red-Bull-Renault 273 Punkte

 

2. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 260

 

3. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus-Renault 206

 

4. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes 190

 

5. Mark Webber (Australien) Red-Bull-Renault 167

 

6. Jenson Button (Großbritannien) McLaren-Mercedes 163

7. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 107

 

8. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus-Renault 96

 

9. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 93

 

10. Sergio Perez (Mexiko) Sauber-Ferrari 66

 

11. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber-Ferrari 58

 

12. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force-India-Mercedes 53

13. Paul di Resta (Großbritannien) Force-India-Mercedes 46

 

14. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams-Renault 45

 

15. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes 43

 

16. Bruno Senna (Brasilien) Williams-Renault 31

 

17. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro-Rosso-Ferrari 12

 

18. Daniel Ricciardo (Australien) Toro-Rosso-Ferrari 10

Teamwertung:

 

1. Red-Bull-Renault 440 Punkte

 

2. Ferrari 367

 

3. McLaren-Mercedes 353

 

4. Lotus-Renault 302

 

5. Mercedes 136

 

6. Sauber-Ferrari 124

7. Force-India-Mercedes 99

 

8. Williams-Renault 76

 

9. Toro-Rosso-Ferrari 22

 

 

Nächster und letzter WM-Lauf: Großer Preis von Brasilien am 25. November

Quelle: sid/jr
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Die Schüler des JFK-Gymnasiums
12:08Obama in Berlin
600 Berliner Schüler und ein amerikanischer Präsident

Die Schüler und Lehrer der Kennedy-Schule in Zehlendorf durften den US-Präsidenten am Mittwoch in Berlin hautnah erleben. Schon im Vorfeld war die Aufregung groß. mehr...

Merkel und Obama am Brandenburger Tor
14:32US-Präsident
Obama in Berlin - Ein heißer Tag mit der Duzfreundin Angela

Tropische Temperaturen, große Gesten, offene Worte, Gespräche mit Gauck, Merkel und Steinbrück und ein Essen im Schloss: So verbrachte US-Präsident Barack Obama seinen Tag in Berlin. mehr...


Am Alexanderplatz gedenkent man nach wie vor dem verstorbenen Jonny K. Ein Freund hat nun eine berührende und zugleich beklemmende Aussage vor Gericht getätigt
Aktualisiert vor 2 MinutenProzess um Jonny K.
Freund - "Ich hatte den sterbenden Jonny im Arm"

Nach der Prügelattacke am Berliner Alexanderplatz lag Jonny K. reglos in den Armen eines Freundes. Der Student beschrieb nun die erschütternde Szene vor Gericht. mehr...

Berlin droht am Donnerstagabend ein Unwetter
14:21Extremes Wetter
Gewitter, Hagel, Tornado – Berlin droht heftiges Unwetter

Der Donnerstag war mit Höchstwerten von 36 Grad der bislang heißeste Tag des Jahres in Berlin. Am Abend muss man allerdings mit schweren Unwettern rechnen. Ein Tief ist im Anmarsch. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtete die First Family

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Obamas Rede in voller Länge
Berlin Präsident Obama verabschiedet sich nach dem Dinner
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Damenprogramm

First Lady Michelle Obama unterwegs in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Bei 35 Grad

Dirk Nowitzkis 35. Geburtstag in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote