18.11.12

Rainer Schwarz

"Mutierter" BER-Brandschutz kostet 300 Millionen

Wegen eines mangelhaften Brandschutzes konnte der Hauptstadtflughafen nicht termingerecht eröffnet werden. Dennoch hat die Anlage bis jetzt schon 300 Millionen gekostet. Viel zu viel, sagen Experten.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER
Ja
Ein Experte überprüft Leitungen im neuen Berliner Flughafen

Die Brandschutzanlage innerhalb des Terminals am künftigen Flughafen BER in Schönefeld hat bereits Kosten von 200 bis 300 Millionen Euro verursacht, ohne dass sie funktioniert. Die Zahl nannte Flughafen-Chef Rainer Schwarz bei einer Podiumsdiskussion in Schönefeld. Dafür baut man in anderen Ländern ganze Terminals, fügte Schwarz hinzu. Die komplexe Anlage habe immer weitere Mutationen erfahren.

Kritiker sehen in der Kündigung der Planungsgesellschaft PG BBI einen Grund für die derzeitigen Schwierigkeiten beim Weiterbau. Das "große Desaster" habe sich erst bei Übergabe der Planungsunterlagen nach der Kündigung im Mai gezeigt, sagte Schwarz. Die Unterlagen hätten "nicht ansatzweise die Qualität" besessen, die für eine schnelle Fertigstellung des Flughafens nötig gewesen wäre.

In der Podiumsdiskussion wies Schwarz die Vorwürfe des Grünen-Obmanns im Flughafen-Untersuchungsausschuss, Andreas Otto, zurück. "Ich sehe keine Fehler im Management und auch keine mangelnde Transparenz."

Grüne fordern Änderungen im Aufsichtsrat

Der Grüne forderte erneut, Schwarz müsse ebenso wie der Aufsichtsrat ausgewechselt werden. Die Kostensteigerung für den Flughafen sei unverantwortlich. "Einen Neubau auf der grünen Wiese muss man im vorgegebenen Kostenrahmen verwirklichen können", sagte er. Otto wundert sich auch über die von Schwarz genannten Kosten für den Brandschutz: "Das werden wir im Abgeordnetenhaus besprechen." Schwarz bekräftigte erneut, im Amt bleiben zu wollen. "Ich bin kein Typ, der wegläuft."

Das Bauordnungsamt des Landkreises prüft derzeit dem zuständigen Landrat Stephan Loge (SPD) zufolge, ob die Genehmigungen überhaupt im Nachhinein erteilt werden können. An mehreren Stellen des Flughafens wurden die bisherigen Baugenehmigungen missachtet.

Für die endgültige Genehmigung muss die Brandschutzanlage allerdings mehr als 50 einzelne Proben bestehen. Loges Fazit: Hier haben sowohl die Planung als auch die Kontrolle der Bauausführung und die Bauleitung versagt.

Auf die Frage, ob der Flughafen tatsächlich im Oktober 2013 eröffnet werden kann, antwortete Schwarz, der Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit habe sich klar ausgedrückt. "Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Erkenntnisse, dass es nicht der 27. Oktober 2013 sein wird." Ursprünglich sollte der Flughafen an 3. Juni 2012, dann am 17. März 2013 eröffnen.

Kosten für Brandschutz seien übertrieben

Aus Sicht des renommierten Flughafenexperten Dieter Faulenbach da Costa belegen die unpräzisen Aussagen des Berliner Flughafen-Chefs zum Brandschutz am BER die Mängel in der Gesellschaft: Wenn es stimmt, was Herr Schwarz gesagt hat, hat er offensichtlich keinen Überblick über die Baukosten, sagte Faulenbach.

So etwas müsse ein Geschäftsführer präziser sagen können in der fortgeschrittenen Phase des Projektes. Das zeigt, dass man offensichtlich keinen blassen Schimmer hat von den tatsächlichen Kosten, so der Experte aus Frankfurt am Main.

Aus seiner Erfahrung aus zahlreichen Flughafenprojekten würde er 200 bis 300 Millionen Euro für den Brandschutz eindeutig für überzogen halten. Üblich seien für Klima- und Brandschutzanlage etwa zwölf Prozent der gesamten Baukosten für das Terminal-Gebäude. Das wären bei den nun auf mehr als eine Milliarde Euro gestiegenen Kosten für den Terminalbau 100 bis 120 Millionen Euro.

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Verschobene Termine
  • Pannenserie

    Seit dem Spatenstich im September 2006 sind drei Anläufe, am BER Eröffnung zu feiern, gescheitert.

  • 30. Oktober 2011

    Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

  • 3. Juni 2012

    Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

  • 17. März 2013

    Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

  • 27. Oktober 2013

    Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin als neuen Eröffnungstag fest.

  • Mitte November

    Laut Amann sollten die Bauarbeiten am BER bereits in diesen Tagen wieder „richtig losgehen“. Nach dem Zeitplan müssen diese bis Ende Mai abgeschlossen sein, damit dann ein fünfmonatiger Probebetrieb beginnen kann. Mit einer Kapazität von 27 Millionen Passagieren soll der BER die Nummer drei in Deutschland hinter Frankfurt und München werden.

  • Baukosten

    Die Kosten für den Flughafen sind inzwischen auf 4,3 Milliarden Euro hochgeschnellt. Ursprünglich sollten es 2,4 Milliarden Euro sein. Zuletzt stiegen die Kosten besonders wegen zusätzlichen Schallschutzes (305 Millionen), einiger Erweiterungsbauten, höherer Passagierzahlen (276 Millionen), der Terminverschiebungen (300 Millionen) und der Risikovorsorge.

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