15.11.12

Quartalszahlen

Air Berlin will 2013 noch härter sparen

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft, Air Berlin, kann den Gewinn im Sommer spürbar steigern. Gespart wird aber weiterhin. Das Vielfliegerprogramm wird verkauft und der Flugplan neu geordnet.

Foto: dapd

Erneut in den schwarzen Zahlen: Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn
Erneut in den schwarzen Zahlen: Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn

Air-Berlin-Chef Hartmut Mehrdorn gibt sich als Optimist. Trotz anhaltender Verluste soll die zweitgrößte deutsche Airline im kommenden Jahr trotz des sich eintrübenden Wirtschaftsklimas weiterhin in die schwarzen Zahlen fliegen. Schulden soll abgebaut und das Eigenkapital gestärkt werden.

Zudem ordnet Air Berlin ab Mai 2013 den internationalen Flugplan neu. Die Anpassungen stünden im Zeichen erhöhter Effizienz und beträfen vor allem die Strecken in die USA sowie die Drehkreuze auf Mallorca und in Wien, teilte die Airline mit.

Es gehe nicht um eine Reduzierung sondern um eine Verlagerung von Kapazitäten. Auch sollten die Partnerschaft mit dem arabischen Großaktionär Etihad und das Netz des Luftfahrtbündnisse Oneworld besser genutzt werden. Zu Oneworld gehören zum Beispiel British Airways und American Airlines.

Mehr Nonstop-Flüge in die USA

Die saisonalen Direktflüge von Düsseldorf nach Las Vegas, San Francisco und Vancouver werden gestrichen. Das Angebot an Nonstop-Flügen nach New York, Los Angeles und Miami werde im Gegenzug gestärkt.

Auch nach Mallorca sollen mehr Flieger starten – bis zu 402 Mal pro Woche. Dafür fallen drei Ziele auf Spaniens Festland weg. Von Wien aus gehen künftig mehr Air-Berlin-Flieger nach Griechenland, Ägypten, Spanien und in die Türkei. Flüge von Wien nach Osteuropa sollen dafür zunehmend nach Berlin verlagert werden.

Im dritten Quartal und damit im wichtigen Sommergeschäft erhöhte die Fluggesellschaft zwar das operative Ergebnis um 4,5 Prozent auf 101,2 Millionen Euro und konnte das Nettoergebnis mit 66,6 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppeln.

Insgesamt lag der Verlust nach neun Monaten aber bei 77,5 Millionen Euro (123,7 Millionen Euro). "Damit sind wir zwar auf dem richtigen Weg, die Reise ist aber noch nicht beendet", kündigte Konzernchef Hartmut Mehdorn weitere Kostensenkungen an.

Vielfliegerprogramm wird verkauft

Zudem will Air Berlin die Mehrheitsanteile an seinem Vielfliegerprogramm "Top Bonus" mit seinen rund drei Millionen Mitgliedern verkaufen. Der Grund hiefür sei es aber nicht das Programm zu versilbern, sagte Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer, sondern "Top Bonus" zum Nutzen der Airline und des Investors weiterzuentwickeln und den Wert des Programms sichtbar zu machen.

Erträge aus diesem Verkauf würden sich positiv auf das Jahresergebnis 2012 auswirken. Top Bonus werde "deutlich zur Stabilisierung" von Air Berlin beitragen. Hüttmeyer rechnet damit, dass die hohe Verschuldung von derzeit 853 Millionen Euro bis zum Jahresende auf rund 500 Millionen gesenkt werden könnte.

Dazu beitragen soll auch der Verkauf von sieben Flugzeugen. Allerdings laufen die Verhandlungen mit potenziellen Käufern derzeit wegen der sich eintrübenden wirtschaftlichen Aussichten nicht so zügig wie erwartet.

Personalabbau droht

Die schwächere Konjunktur, die Aussicht auf einen harten Winter, steigende Kosten aufgrund von staatlichen Gebühren und die drohende neue Verschiebung der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens in Berlin machen allerdings auch Hartmut Mehdorn große Sorgen. "Vor allem die externen Faktoren sind ein großes Ärgernis."

Um gewappnet zu sein, hat er er deshalb kürzlich ein weiteres Kostensenkungsprogramm angekündigt. Details sollen Ende des Jahres vorgelegt werden. Mehdorn schloss auch Entlassungen nicht aus. Die Gewerkschaft Ver.di forderte, Sparpläne sofort öffentlich zu machen. Berichte über die mögliche Streichung jedes zehnten Arbeitsplatzes seien "schockierend."

Quelle: mit dpa
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