13.11.12

Lebensstil

Diabetes muss den sorglosen Genuss nicht killen

Die Diagnose Diabetes ist nicht zwangsläufig das Ende allen Genusses. Es kommt darauf an, was auf den Teller kommt. Die beste Therapie indes wäre eine Veränderung des Lebens. Doch die ist hart.

Foto: dpa

Der Pieks in den Finger bleibt vielen Diabetikern nicht erspart. Der Alltag wird mit dieser Erkrankung anders
Der Pieks in den Finger bleibt vielen Diabetikern nicht erspart. Der Alltag wird mit dieser Erkrankung anders

Ungesundes Essen, Übergewicht und zu wenig Bewegung – das sind die Hauptursachen für Diabetes. Experten rechnen schon lange nicht mehr damit, die Volkskrankheit so schnell in den Griff zu bekommen, im Gegenteil. "Das wird eher mehr, wenn man bedenkt, wie viele Kinder heute mit Fastfood und wenig Bewegung aufwachsen", sagte der Experte Stephan Martin von der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS).

Der Weltdiabetes-Tag am 14. November soll diese Krankheit wieder mehr ins Bewusstsein rücken und die Menschen sensibilisieren.

Diabetes Mellitus – wer diese Diagnose von seinem Hausarzt bekommt, wird oft davon überrascht. Denn Überzucker macht sich oft nicht bemerkbar. Der Düsseldorfer Diabetologe Stephan Martin spricht deshalb auch von der "stillen Katastrophe".

Auslöser Lebensstil

Er ist überzeugt: "Wenn Zucker wehtun würde, wäre das kein so großes Problem." Acht bis zehn Millionen Menschen leiden nach Schätzungen von Fachleuten daran. Die meisten haben Diabetes Typ 2, ausgelöst durch den Lebensstil. Weltweit geht die Weltgesundheitsorganisation WHO von mehr als 346 Millionen Betroffenen aus.

Wer daran erkrankt ist, bekommt nicht nur Tabletten, sondern muss meistens auch seinen Alltag neu gestalten. "Sie werden ihr Leben umstellen müssen, Sie werden bewusster essen müssen, Sie werden sich mehr bewegen müssen", formuliert es der Münchner Allgemeinarzt Helmut Oestreicher.

Der Diabetes-Experte Martin macht trotzdem Mut: "Auch viele kleine Schritte sind sehr erfolgreich." Also mehr Gemüse und weniger Kartoffeln, dazu einen Spaziergang. "Wenn Sie abends Sport machen, ist morgens der Blutzucker besser", sagt Martin, der die DDS-Tochterstiftung "Chance bei Diabetes – Motivation zur Lebensstil-Änderung" kuratiert.

Was darf noch auf den Teller?

Und was darf dann noch auf den Teller? Süßigkeiten für immer adé? "Nein", beruhigt Martin. "Bittere Schokolade ist hervorragend, natürlich keine ganze Tafel." Außerdem gibt es zu vielen Lebensmitteln gesunde Alternativen. Etwa Olivenöl statt tierischen Fetten, Vollkorn statt Weißmehl.

Immer auch gut: Gemüse. "Gemüse kann man essen, soviel man will", erläutert Martin. Anders dagegen Obst wie etwa Trauben, in denen sich große Mengen Fruchtzucker verbergen. Die wichtigste Botschaft des Mediziners: "Selber kochen."

Wie das geht und wie auch Diabetiker ein schmackhaftes Gericht zubereiten können, führt der Chefkoch des Münchner Kempinski-Hotels Vier Jahreszeiten, Sven Büttner, vor. Sein Menüvorschlag für den Herbst: Kürbissuppe mit Ingwer, Fisch mit Paprikasoße und zum Nachtisch Obst. "Zum Anschwitzen der Kürbissuppe nehmen wir natürlich möglichst wenig Fett", empfiehlt er. Der Fisch kommt ohne Panade in die Pfanne, stattdessen darf er in einem leichten Weißweinsud garen.

"Genießen für die Gesundheit"

Büttner ist überzeugt: "Wenn man auf gewisse Sachen achtet und Rücksicht nimmt, kann man ganz normal kochen." Besonders wichtig: Keine Sahne. "Mit vierzig Prozent Fett ist das schon ein bisschen heftig." Die Krönung der Suppe stattdessen: Kürbiskernöl.

Das ist ganz im Sinne Martins. "Genießen für die Gesundheit", so seine Devise. Denn nur wer sich wohlfühle, könne die gesunde Lebensweise auch auf Dauer durchhalten. "Eine Tablette einwerfen, das ist einfach", sagt der Arzt verständnisvoll. "Aber eine Lebensumstellung ist das Härteste, was man sich vorstellen kann."

Quelle: dpa
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Diabetes-Fakten
  • Zahl der Betroffenen

    Diabetes mellitus, im Volksmund auch „Zucker“ genannt, ist inzwischen eine Volkskrankheit. Derzeit sind daran etwa sechs Millionen Bundesbürger erkrankt, wie aus dem gerade veröffentlichten Gesundheitsbericht „Diabetes 2013“ hervorgeht. 90 Prozent leiden an einem Typ-2-Diabetes, die anderen an Typ-1-Diabetes – darunter schätzungsweise 15.000 Kinder.

  • Wirkung und Anzeichen

    Bei Diabetes handelt es sich um eine Stoffwechselkrankheit: Der Körper produziert entweder kein Insulin mehr (Typ 1), oder die Zellen können es nicht mehr aufnehmen (Typ 2). Alle Diabetes-Kranken haben ein gemeinsames und messbares Kennzeichen: die chronische Erhöhung ihres Blutzuckers.

  • Weg des Zuckers

    Der mit der Nahrung aufgenommene Zucker gelangt nicht mehr ins Zellinnere und kann dort nicht als Energielieferant oder -speicher wirken. Der aufgenommene Zucker wird stattdessen im Blut angereichert, der Blutzuckerspiegel steigt. Der Zucker wird schließlich ungenutzt mit dem Urin ausgeschieden. Schon die Ärzte der Antike beschrieben den „honigsüßen Urinfluss“, so die wörtliche Übersetzung.

  • Mögliche Folgen

    Diabetes mellitus ist keine reine „Zuckerkrankheit“, sondern geht auch einher mit Störungen des Protein- und Fettstoffwechsels. Diabetiker sind gefährdet, was Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall angeht.

  • Ursache von Typ 1

    Als verantwortlich für Typ 1 gilt ein Mix aus Erbanlagen, äußeren Einflüssen (etwa einer bestimmten Virusinfektion) sowie eine Fehlsteuerung des Immunsystems.

  • Ursache von Typ 2

    Der Typ-2-Diabetes wird häufig immer noch Alterszucker genannt, obwohl die Betroffenen immer jünger werden. Als Auslöser gelten fettreiche Kost, Übergewicht und Bewegungsmangel.

  • Weltweite Zahlen

    Die Anzahl der Betroffenen steigt seit Jahren in fast allen Ländern rasant an. Weltweit schätzt die Weltgesundheitsorganisation die Zahl der Diabetes-Patienten mittlerweile auf knapp 350 Millionen. 80 Prozent davon leben der WHO zufolge in Entwicklungs- und in Schwellenländern.

  • Weltdiabetestag

    Der Weltdiabetestag wird seit 1991 begangen. Seit 2007 ist er offizieller Tag der Vereinten Nationen. Der 14. November wurde gewählt, weil an diesem Tag Frederick G. Banting geboren wurde, der gemeinsam mit Charles Herbert Best 1921 Insulin entdeckt hat. Nach dem Weltaidstag ist der Weltdiabetestag der zweite Aktionstag der Vereinten Nationen, der einer Krankheit gewidmet ist. Eine entsprechende Resolution verabschiedeten die UN Ende 2006. Hintergrund war die weltweit steigende Zahl von Diabetes-Patienten und der Wunsch, mehr Prävention zu betreiben.

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