12.11.12

NSU-Unterlagen

"Es fehlt mir die Fantasie, an Absicht zu glauben"

Berlins Innensenator nimmt seinen Verfassungsschutz vor dem Verdacht in Schutz, vorsätzlich Akten mit Bezug zur NSU vernichtet zu haben. Personelle Konsequenzen könnte es dennoch geben.

Foto: dpa

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hält die Vernichtung von Akten zum Rechtsextremismus für ein Versehen
Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hält die Vernichtung von Akten zum Rechtsextremismus für ein Versehen

Innensenator Frank Henkel (CDU) ist in der Krise angekommen: Nach der Sondersitzung des Verfassungsschutz-Ausschusses am Freitag muss sich der CDU-Politiker am Mittwoch erneut den Fragen der Abgeordneten zur Vernichtung der Neonazi-Akten stellen.

Die Grünen haben beantragt, über die Schredderaktion zu beraten. Sie verlangen von Henkel, dass er möglichst schnell aufklärt, wieso Akten mit Bezug zum Terrortrio Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) vernichtet werden konnten.

Der von Henkel eingesetzte Sonderermittler Dirk Feuerberg hatte in den vergangenen Wochen schon die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes befragt. Er gehe nicht von einer bewussten Täuschung aus, so Feuerberg. Auch Henkel geht davon aus, dass die geschredderten Akten nicht absichtlich vernichtet wurden. "Es fehlt mir die Fantasie, so etwas zu glauben", sagte er im Inforadio des RBB.

Die Vernichtung sei nicht nur ärgerlich, sondern auch inakzeptabel, nicht entschuldbar und schwer vermittelbar. "Es ist vor allem ein Vorgang, der das Vertrauen in die deutschen Sicherheitsbehörden leider erneut zu einer Zeit infrage stellt, zu der es eigentlich darum ging, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen", so der Innensenator.

Henkel informierte Abgeordnete erst spät

Wie berichtet, waren Verfassungsschutzakten zum Rechtsextremismus, die nach Ablauf ihrer Aufbewahrungsfrist wegen ihrer historischen Bedeutung ins Landesarchiv überführt werden sollten, Ende Juni in den Reißwolf gewandert. Darunter waren auch zwei Ordner über die rechtsextreme Musikband Landser. Diese verbotene Gruppe steht in direktem Zusammenhang mit dem mutmaßlichen NSU-Helfer Thomas S., der als V-Mann der Berliner Polizei Hinweise auf das Terrortrio geliefert hatte.

Die Opposition empört, dass Henkel die Abgeordneten erst im September über diesen V-Mann informiert hatte, obwohl er schon im März von dessen Existenz erfahren hatte. Für diese Panne hatte sich Henkel damals entschuldigt. Umso unverständlicher für viele Abgeordnete, dass es zu der zweiten Panne kommen konnte: Anfang Oktober wurde die Verfassungsschutz-Leiterin Claudia Schmid über die Aktenvernichtung informiert, berichtete aber erst nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub am 15. Oktober Henkel über diesen Fehler.

Henkel selbst schwieg ebenfalls, erst in der vergangenen Woche erfuhren die Abgeordneten von der Schredderaktion. Und noch nicht einmal von Henkel persönlich, weil dieser erkrankt war, sondern von dessen Staatssekretär Bernd Krömer (CDU).

Personelle Konsequenzen gefordert

Krömer scheint jetzt auch in der CDU ins Zentrum der Kritik zu rücken. Zum einen, um Henkel zu schützen. Zum anderen, weil Krömer seinen Job als Innenstaatssekretär offensichtlich nicht beherrscht. Der 57-Jährige war viele Jahre lang Baustadtrat im Bezirk Tempelhof-Schöneberg und zuletzt auch Generalsekretär der Berliner CDU. Nach der Bildung der großen Koalition holte Henkel ihn als Staatssekretär in die Senatsinnenverwaltung, obwohl Krömer keine Kenntnisse von innerer Sicherheit hatte.

Dies rächt sich jetzt. In der CDU wurde am Wochenende beraten, wie man die Probleme in der Senatsinnenverwaltung lösen kann. Es wird nicht mehr ausgeschlossen, dass Krömer seinen Posten räumen muss, um weiteren Schaden von Henkel abzuwenden. "Er ist das Bauernopfer", hieß es in der CDU.

Aber auch die Leiterin des Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, die den Senator aus ihrem Urlaub heraus nicht informierte oder ihren Stellvertreter beauftragte, Henkel unverzüglich Bescheid zu sagen, steht in der Kritik. Dass nach dieser zweiten Panne im Zusammenhang mit der NSU-Aufklärung personelle Konsequenzen gezogen werden, davon sind die Abgeordneten aller Fraktionen überzeugt. Auch die der CDU.

Quelle: mit dpa
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Karneval der Kulturen der Welt
19.05.13Umzug
Karneval der Kulturen – 700.000 feiern in Kreuzberg

In Berlin-Kreuzberg ist es wieder bunt und voll: Tausende Tänzer, Musiker und andere Akteure inszenieren den Karneval der Kulturen. 75 Gruppen sind bei dem Multikulti-Umzug dabei. mehr...

title
19.05.13Wiederaufstieg
Herthas blau-weißer Feiertag

Hertha BSC beendet die Saison mit einem 1:1-Unentschieden im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus. Mit 76 Zählern stellt das Team von Trainer Jos Luhukay einen neuen Punkterekord auf. mehr...

Sonne in Berlin
19.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Montag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Montag, den 20. Mai. mehr...

VfL Bochum - 1. FC Union Berlin
19.05.13Zweite Liga
Union gelingt mit Auswärtssieg versöhnlicher Saisonabschluss

Mit Tabellenrang sieben und dem ersten Auswärtserfolg nach acht sieglosen Spielen auf fremden Plätzen beendet der 1. FC Union die Zweitliga-Saison. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Straßenfest

Karneval der Kulturen 2013

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote