11.11.12

"Tatort"

In Schimanski-Land kämpft jeder gegen jeden

Der neue Dortmund-"Tatort": Das vierköpfige Ermittlerteam hat in "Mein Revier" mit einem wild gewordenen Geschäftsmann und jeder Menge internen Querelen zutun. Dazu reicht die ARD einen Gangster-Rap.

Die Dortmunder Nordstadt ist eine No-go-Area, einer jener Orte, wo man keinesfalls hinziehen sollte, empfiehlt uns der neue Ruhrgebiets-"Tatort". Das edle Programmheft schwärmt von fantastischen Krimi-Bedingungen wie dort herrschender "Armut, Prostitution und Tagelöhnerlei", freilich nicht ohne den Hinweis, dass all das "nicht nur im 'Tatort', sondern auch in der realen Nordstadt" existiert.

Hier, in Schimanski-Land, wohnen sie noch alle beisammen – Polizisten, Zuhälter, Dealer und die aussterbende Spezies der ehrlichen Arbeiter. Als zufällig kann es also schwerlich bezeichnet werden, dass es ausgerechnet die Nachbarschaft von Kommissarin Nora Dalay ist, in der der türkischstämmige Serkan Bürec ermordet wird. Der gehörte zu den Bösen und galt als rechte Hand des ebenso zwielichtigen Geschäftsmannes Tarim Abakay, der sich auf die lukrative Vermietung von Baracken an Bulgaren spezialisiert hat.

Wie es sich für einen Ganoven seines Kalibers gehört, sitzt er im ganzen Film nur selbstzufrieden herum, am massiven Holzschreibtisch oder im türkischen Café, immer im feschen Zwirn. Allein davon fühlt sich Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) provoziert.

Großes Maul, aber ebenso großes Herz

Zoff hat der Bulle allerdings auch mit den Kollegen – ein bisschen mit der chronisch schlecht gelaunten Kriminalhauptkommissarin Bönisch (Anna Schudt) und ziemlich viel mit Wachtmeister Polland, den uns der Film als eine Art Archetyp des Ruhrgebiets verkauft: großes Maul, aber ebenso großes Herz und eben einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit.

Auch dessen Noch-Frau Sonja entstammt der Kategorie Gutmensch: Die Ex-Prostituierte engagiert sich für Straßenmädchen und immer öfter auch für ihren Mann, der die Freizeit hauptsächlich in der Stammkneipe verbringt, die in keinem Ruhrgebietskrimi fehlen darf.

Dass es hier kaum jemanden gibt, der ein intaktes Privatleben führt, ist dann auch typisch für den modernen deutschen Kriminalfilm. Die Charaktere gelten nur dann als tiefgründig, wenn sie gebrochen sind, in "Mein Revier" sind sie zumindest recht glaubwürdig geraten: Kommissarin Bönisch lässt sich einen Callboy ins Stundenhotel kommen, Faber leidet weiterhin am Tod von Frau und Tochter.

Einzig die beiden jungen Ermittler Nora und Daniel (Aylin Tezel, Stefan Konarske), haben emotional etwas am Laufen, was die über allem liegende Schwere erträglicher macht. Die ultimative Street-Credibility stellt der Filmtote höchstselbst unter Beweis: Yusuf "Edy" Erdugan steuerte den schicken Titelsong bei, einen echten "Tatort-Ganster-Rap".

"Tatort - Mein Revier", Sonntag 11.11, 20.15, ARD

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