09.11.12

Berliner Morgenpost-Literaturpreis

Vom Schreiben unter ständiger Bedrohung

In Berlin ist der 14. Berliner Morgenpost-Literaturpreis an die israelische Schriftstellerin Zeruya Shalev verliehen worden. Unter den Gästen: Monika Maron, Necla Kelek, Maria Schrader und Martina Gedeck.

Es ist immer bewegend, wenn uns jemand erzählt, wie man in Israel zu überleben versucht. Aber wie aufwühlend sind solche Geschichten erst, wenn wir sie aus so berufenem und professionellem Munde hören wie dem von Zeruya Shalev.

Wohl keiner der Gäste aus Politik, Kultur und Medien, die am Freitagabend ins Berliner Axel-Springer-Haus kamen, um der Berliner Morgenpost-Literaturpreisträgerin des Jahres 2012 zu begegnen, konnte sich der großen Emotionalität entziehen, mit der die Gekürte in ihrer Dankrede vom Schreiben unter ständiger Bedrohung beichtete: "Manchmal denke ich nachts an mein Land und diskutiere mit ihm, genau wie meine Romanfiguren das tun", erzählte die international bekannte Autorin.

Mit ihren Romanen "Liebesleben", "Späte Familie" und zuletzt "Für den Rest des Lebens" hat sich die in Jerusalem lebende Dichterin innerhalb der letzten Jahre in die vorderste Reihe der Literaten ihres Landes geschrieben. Ihr vielleicht größter Erfolg, "Liebesleben", ging auch in der Verfilmung von Maria Schrader um die Welt.

Weltweite Ausstrahlung der Preisträgerin

Zunächst führte die Herausgeberin der "Literarischen Welt", Rachel Salamander, in ihrer Begrüßungsansprache in das Werk von Zeruya Shalev ein. Sie wies auf die weltweite Ausstrahlung der Preisträgerin hin: "Ihre Romane spielen zwar in Israel, könnten aber genauso gut in New York angesiedelt sein."

Es war dann dem Laudator Albert Ostermaier vorbehalten, vor allem die große Bedeutung der Familie als israelische Schicksalsgemeinschaft in den Romanen von Zeruya Shalev hervorzuheben. Ostermaier, der als Lyriker, Theaterautor und Romancier selbst im Vorjahr den Berliner Morgenpost-Literaturpreis erhalten hat, bekannte, besonders von den Familienszenen in Zeruya Shalevs Werk angerührt worden zu sein, weil sie "von ähnlicher Wucht und archaischer Gewalt" seien wie die Bibel.

Verlegerin Friede Springer gab der Preisträgerin die Ehre

Zeruya Shalev ist die 14. Trägerin des Berliner Morgenpost-Literaturpreises, der im Jahr 1999 im Andenken an den Gründer der "Literarischen Welt", Willy Haas, vom Verlag Axel Springer gestiftet worden ist. Die Jury unterstrich in ihrer Begründung vor allem die "große sprachliche Magie" der Erzählerin. Vorherige Preisträger waren unter anderem Bernhard Schlink, Imre Kertész, Yasmina Réza, Amos Os und Daniel Kehlmann.

Zeruya Shalev, die Deutschland oft besucht, hat inzwischen viele Freunde hier, von denen sich auch beim Berliner Festakt zahlreiche zeigten. So konnten hier die Verlegerin Friede Springer sowie der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner Schriftstellerinnen wie Monika Maron und Necla Kelek begrüßen, auch den Büchner-Preisträger Friedrich Christian Delius. Desgleichen die Schauspielerinnen Maria Schrader und Martina Gedeck.

Auch die Historiker Arnulf Baring und Karl Schlögel waren unter den Gästen sowie Ulrich Köstlin, Vorsitzender des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft. Der Nachhall von Shalevs Rede war lange spürbar.

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