11.10.12

Ankara

Türkei beschlagnahmt Waffenteile in syrischem Jet

Türkische Kampfjets haben ein syrisches Passagierflugzeug zur Landung gezwungen. Bei der Durchsuchung des Fliegers wurden laut Medienberichten Raketenteile und Funktechnik aus Russland gefunden.

Quelle: Reuters
11.10.12 1:08 min.
Kampfflugzeuge der Türkei haben ein aus Moskau kommendes Passagierflugzeug zur Landung in Ankara gezwungen. Die Regierung vermutete Waffen an Bord des Airbus A320 und beschlagnahmte Teile der Fracht.

Türkische Behörden haben Medienberichten zufolge an Bord eines in Ankara zur Landung gezwungenen syrischen Passagierflugzeugs militärisches Gerät gefunden. Es handele sich um Teile von Raketensystemen und Kommunikationsausrüstung. Die Ladung sei offenbar für die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad bestimmt gewesen.

Die russische Agentur Interfax hingegen meldete unter Berufung auf Informationen aus russischen Rüstungsexportkreisen, das Flugzeug habe weder Waffen noch andere militärische Ausrüstungen an Bord gehabt.

Syriens Verkehrsminister Mahmud Said warf der Türkei "Luftpiraterie" vor. Das Abfangen eines syrischen Verkehrsflugzeugs durch die verletze internationale Verträge über die zivile Luftfahrt, zitierte der libanesische Sender Al-Manar den Minister.

Die Maschine war in Moskau gestartet. Russland ist einer der wichtigsten Verbündeten und Waffenlieferant des Assad-Regimes. Nachdem die verdächtigen Teile beschlagnahmt worden seien, habe der Airbus A-320 mit seinen 35 Passagieren an Bord am frühen Morgen Ankara in Richtung Damaskus verlassen.

"Verdächtige Fracht"

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu bestätigte laut Nachrichtenagentur Anadolu, dass man Gegenstände gefunden habe, die nach zivilen Luftfahrtvorschriften hätten deklariert werden müssen. Um welche Art Gegenstände es sich handele, sagte er aber nicht.

Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten die syrische Maschine am Abend abgefangen und zur Landung auf dem Esenboga-Flughafen in Ankara gezwungen. Nach Angaben Davutoglus lagen dem türkischen Geheimdienst Informationen über "verdächtige Fracht" vor.

"Wir sind entschlossen, den Zufluss von Waffen an ein Regime zu stoppen, das rücksichtslos Massaker an der eigenen Bevölkerung begeht", sagte er laut Nachrichtenagentur Anadolu.

Raketenteile und Störsender

Das türkische Onlineportal ntvmsnbc meldete, dass sich an Bord des syrischen Airbus Teile von Raketensystemen befunden hätten. Laut Onlineausgabe der Zeitung "Hürriyet" wurde auch Funkausrüstung, darunter Störsender, sichergestellt.

Unter den 35 Passagiere hätten sich auch mehrere Russen befunden, die während des erzwungenen Zwischenstopps in Ankara vom russischen Botschafter betreut worden seien, hieß es bei ntvmsnbc.

Moskau habe von der Regierung in Ankara eine Erklärung gefordert, meldete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija.

Türkei streicht Linienflüge über Syrien

Aus Furcht vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen von syrischer Seite wurden türkische Verkehrsflugzeuge aufgefordert, vorerst nicht mehr den syrischen Luftraum zu durchfliegen.

Eine Maschine der halbstaatlichen Fluggesellschaft Turkish Airlines mit Mekka-Pilgern an Bord unterbrach nach der Warnung ihren Flug, weil sie über Syrien nach Saudi-Arabien fliegen sollte. Die Maschine landete außerplanmäßig im südtürkischen Adana.

Die Beziehungen zwischen Ankara und Damaskus sind höchst angespannt. Die Türkei stellt sich im Syrienkonflikt offen auf die Seite der Aufständischen und hat an die 100.000 Flüchtlinge und wichtige Oppositionelle aufgenommen.

Feuergefechte im Grenzgebiet

Im Juni schoss Syrien einen türkischen Kampfjet ab. Seit rund einer Woche schlagen im türkischen Grenzgebiet immer wieder Granaten aus Syrien ein, die Türkei feuert zurück. Erst am Mittwoch hatte die Türkei angekündigt, "mit größerer Wucht" zurückzuschlagen, sollten die Attacken kein Ende haben.

Die syrische Führung warf der Türkei vor, sie habe die jüngsten Angriffe an der Grenze selbst inszeniert. Die regierungsnahe syrische Tageszeitung "Al-Watan" schrieb am Mittwoch, Ziel dieser Taktik sei es, die Einrichtung eines "befreiten Gebietes" im Norden der syrischen Provinz Idlib durchzusetzen.

Quelle: dpa/ks
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