09.10.12

Rekordversuch

So gefährlich ist der Sprung von Felix Baumgartner

Der Österreicher Felix Baumgartner will aus 36 Kilometern Höhe aus einem Ballon springen und im freien Fall die Schallmauer durchbrechen. Dabei warten jede Menge Gefahren auf den Extremsportler.

Quelle: dapd
08.10.12 0:59 min.
Dem Extremsportler Felix Baumgartner steht der höchste Sprung seiner Karriere bevor. Vom Rande der Erdatmosphäre, in etwa 37 Kilometern Höhe, will er die Schallmauer durchbrechen.

Der Rekordversuch wurde wegen schlechter Wetterbedingungen auf voraussichtlich 19.30 Uhr verschoben. Verfolgen Sie den Sprung bei uns im Livestream.

Drei Stunden etwa braucht er für den Hinweg, eine knappe Marathonstrecke, in der Geschwindigkeit eines trainierten Dauerläufers. Zurück geht es dann in gut fünf Minuten, die Dauer einer Achterbahnfahrt, aber schnell wie ein Überschallflugzeug.

In einem Heliumballon will sich der 43 Jahre alte Österreicher Felix Baumgartner von seinem Startplatz nahe Roswell im US-Bundesstaat New Mexico auf die Höhe von 36.500 Meter begeben, um sich von dort auf die Erde zu stürzen.

Damit will der Extremsportler einen neuen Weltrekord im freien Fall eines Menschen aufstellen, und sich auf den letzten eineinhalb Kilometern von einem Fallschirm auf Landegeschwindigkeit abbremsen lassen. Eine Art Raumanzug soll ihn schützen vor den lebensfeindlichen Bedingungen – kein atmosphärischer Druck, dafür hohe UV- und andere Strahlung.

Baumgartner will die Schallmauer durchbrechen

Die mehrfach angekündigte Aktion wird bisweilen als "Weltraumsprung" bezeichnet. Die Grenze des Alls aber wird Baumgartner nicht einmal zur Hälfte erreichen, die befindet sich nach verschiedenen Definitionen in einer Höhe zwischen 80 und 100 Kilometer.

Ein Ausstieg aus dem "echten" Weltraum würde dem "Stratonauten" auch wenig nützen bei seinem Rekordversuch. Viel zu viel Zeit würde er bei allzu geringer Anziehungskraft verplempern, bevor er weiter unten von der Erde auf die angestrebte Geschwindigkeit – etwa 1100 Stundenkilometer – gezogen wird.

Erreicht er sie tatsächlich, wäre er auch der erste Mensch, der die Schallmauer durchbricht, ohne in einem Fahrzeug oder Flugzeug zu sitzen – und demgemäß auch ohne allzu viel Schall zu verursachen. Der erste stille Durchbruch gewissermaßen, wir dürfen gespannt sein auf seine Schilderungen.

Der bisherige Rekord ist 52 Jahre alt

Die Geschwindigkeit muss er jedenfalls im oberen Bereich gewinnen, ab etwa 15 Kilometer abwärts wird der Sturz bereits wieder gebremst durch den dort dichter werdenden Luftwiderstand. Der verhindert es denn auch stets, dass ein Fallschirmspringer aus der Höhe eines Interkontinentaljets – etwa 11.500 Meter – auch nur annähernd an Baumgartners Geschwindigkeit herankommt.

52 Jahre alt ist der bisherige Höhen- und Geschwindigkeitsrekord eines im Ballon aufgestiegenen Fallschirmspringers. Der Amerikaner Joseph Kittinger war im August 1960 auf immerhin 31.333 Meter aufgestiegen, und hatte im Sturzflug knapp 900 Stundenkilometer erreicht. Heute gehört der 84-Jährige als Berater zum Team des Österreichers. Sein Sprung von 1960 zeigt: Technisch war das Abenteuer grundsätzlich auch damals bereits möglich.

Die Probleme und Gefahren, denen der Springer in der extremen Höhe ausgesetzt ist, gleichen denen der Astronauten bei ihrem Weltraumspaziergang. Der Druckanzug muss ihn abschirmen und darf beim Ausstieg nicht beschädigt werden, ansonsten würde das Blut in Wallung geraten. Für seine Sauerstoffversorgung führt Baumgartner auf seinem Rücken Flaschen mit sich.

Sprung soll Sicherheit bei Reisen ins All verbessern

Den Absprung muss er möglichst geradlinig hinlegen, um nicht ins Trudeln zu geraten, was er wegen des niedrigen Luftdrucks nur schwer ausbügeln könnte. Würde er ins Koma fallen, stünde ein automatischer Bremsfallschirm bereit – der allerdings auch erst weiter unten seine Steuerungskraft entfalten könnte. Zwei Sprünge aus über 20.000 Höhe hat der Österreicher in diesem Jahr bereits zum Training absolviert – beide Male ohne Probleme.

Der Sprung wird als Werbeaktion von einem Getränkehersteller gesponsert. Springer und Sponsor machen geltend, er könnte dazu beitragen, die Sicherheit bei Reisen ins All zu verbessern, gar die Möglichkeiten bei Notabsprüngen aus einer Raumstation austesten. Wie ernst dies gemeint ist, mag dahingestellt sein.

Wer, weil er schneller zur Erde zurück will, einfach aussteigt aus einer Raumstation, die in 250 Kilometer Höhe mit 28.000 Stundenkilometer über der Erde kreist, der hat noch ganz andere Probleme mit der Geschwindigkeit. Da reicht kein Fallschirm, sondern nur ein sicherer Hitzeschild.

Verfolgen Sie den waghalsigen Sprung im Livestream:

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