08.10.12

Personenverkehr

Bahn ist "besser auf den Winter vorbereitet"

Große Anstrengungen hat die Deutsche Bahn unternommen, um winterfest zu werden. Im Fernverkehr könnte es wegen sensibler ICE-Technik und wenig Reserven dennoch recht eng werden.

Foto: DB

Im vergangenen Winter sind die ICEs nur selten ausgefallen. Das soll auch in den kommenden Monaten so bleiben
Im vergangenen Winter sind die ICEs nur selten ausgefallen. Das soll auch in den kommenden Monaten so bleiben

Wenn der Sommer zu Ende geht, passieren bei der Deutschen Bahn regelmäßig zwei Dinge: Der Konzern gibt bekannt, dass die Fahrpreise steigen – und dass man allen Pannen in der Vergangenheit zum Trotz bestens für den Winter gerüstet sei. "Wir sind zunehmend besser vorbereitet. Nicht zuletzt haben wir auch sehr viel in eine besseren Prävention investiert", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube der "Frankfurter Rundschau".

Nachdem der Konzern im Vorjahr fast einen dreistelligen Millionenbetrag für zusätzliche Wintermaßnahmen ausgegeben habe, werde nun noch einmal Geld im zweistelligen Millionenbereich ausgegeben – etwa für Enteisungsanlagen, Weichenheizungen, Heizlüfter und beim Schneeräumdienst.

Vor zwei Jahren zahlreiche Zugausfälle

Die Deutsche Bahn hatte vor allem im Winter 2009/2010 mit vielen Zugausfällen durch den Frost zu kämpfen. Im darauffolgenden Sommer war es zu Problemen durch nicht funktionierende Klimaanlagen gekommen. Dieses Jahr habe sich der Ausfall von Klimaanlagen in Grenzen gehalten, sagte Grube.

"Im Sommer hatten wir nur an einem heißen Wochenende Probleme, überhaupt kein Vergleich also mit 2010". Die entsprechende Umrüstung der betroffenen Züge habe "sich ausgezahlt und wird sich weiter auszahlen", sagte Grube.

Vergangenes Jahr kaum Probleme - dank mildem Winter

Dass der Zugverkehr im vergangenen Winter störungsfreier lief als in den Vorjahren war allerdings auch der Witterung geschuldet, von einem Kälteeinbruch abgesehen, hielten sich Kälte, Eis und Schnee in Grenzen. "Das hat uns natürlich deutlich Rückenwind verschafft", sagt ein Bahn-Manager zu den Winterproblemen.

Seither hat die Bahn allerdings deutliche Anstrengungen unternommen, um mit Kälte und Schnee besser fertig zu werden. Anfang des Jahres hatte die DB bekannt gegeben, 700 Weichen zusätzlich mit Heizungen ausgerüstet zu haben, damit diese nicht mehr einfrieren. Damit werden nun insgesamt 48.000 Weichen beheizt.

27 neue Enteisungsanlagen eingerichtet

Zudem wurden bundesweit 27 neue Enteisungsanlagen eingerichtet, um das Abtauen der Züge zu beschleunigen. Darüber hinaus standen im Winter Anfang des Jahres insgesamt mehr als 20.000 Mitarbeiter in Bereitschaft, die bei starkem Schneefall im Schichtsystem eingesetzt werden könnten.

Neben den Problemen der ICE-Züge, die aufgrund ihrer hochgerüsteten aber auch sensiblen Technik bei Eis und Frost immer wieder ausfallen, sind eingefrorene und zugeschneite Weichen eines der Hauptprobleme der Bahn.

ICE-Flotte fast ohne Reserve-Züge

Trotz der eingeleiteten Maßnahmen dämpfte Grube Hoffnungen auf eine rasche Verbesserung im Fernverkehr, der Konzern hat zu wenig ICE-Züge, es gibt praktisch keine Reserven.

Zudem müssen die Hochgeschwindigkeitszüge nach einem Radsatzbruch im Kölner Hauptbahnhof, dessen Ursachen immer noch unklar sind, in kurzen Abständen zur Achskontrolle. Das beansprucht vor allem im Winter viel Zeit, denn die Fahrzeuge müssen erst aufwendig enteist werden und fehlen für den Einsatz im Regelbetrieb.

Reservezüge stehen erst Ende 2014 bereit

Eine nachhaltige Verbesserung im Zugverkehr werde es erst geben, wenn die Bahn wieder über eine Reserveflotte verfüge, so Grube. "Das wird Ende 2014 der Fall sein." Dafür müsse die Bahnindustrie aber pünktlich funktionstüchtige Züge liefern, forderte der Bahnchef – ein Hieb Richtung Siemens.

Der Siemenskonzern hat die Auslieferung von 16 neuen ICE-Züge mehrfach wegen technischer Probleme verschieben müssen, doch nun sollen im Dezember die ersten acht Züge geliefert werden.

Sie waren ursprünglich für den Einsatz im westeuropäischen Ausland gedacht. Da die Züge aber auch nach Auslieferung nicht über die notwendige Technik verfügen, kommen sie im Inland zur Verstärkung der Flotte in Einsatz.

Grube kritisiert erneut Bahnindustrie

Grube kritisierte an dieser Stelle erneut die Bahnindustrie. Pünktliche Lieferung sei in der Vergangenheit ein Problem gewesen. Dies könne sich die Industrie nicht mehr leisten. "Die Konkurrenz schläft schließlich nicht, insbesondere die aus Asien", sagt Grube.

Einen neuen Anlauf für einen Börsengang lehnt weiterhin Grube ab. "Ein Börsengang ist auf absehbare Zeit kein Thema." Dies sei nur ein Mittel zum Zweck. "Und zwar dann, wenn man Schulden abzahlen will und das nicht kann, oder wenn man wachsen will, aber nicht genügend Cashflow hat. Das trifft auf uns nicht zu."

Bahn räumt Fehler bei der S-Bahn aus

Vor dem Hintergrund von Bahnausfällen und Linienunterbrechungen räumte Bahn-Chef Rüdiger Grube Management-Fehler bei der Tochtergesellschaft S-Bahn Berlin ein. "Da haben wir uns wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, da gibt es nichts zu beschönigen", sagte er der "Berliner Zeitung". Mit dem heutigen Gehaltssystem der Bahn hätte es damals "direkte Konsequenzen" gegeben.

Inzwischen sei die S-Bahn aber auf einem guten Weg. "Bis zum Jahresende werden wir die seit mehr als drei Jahren eingestellte Linie S 85 von Waidmannslust nach Grünau wieder in Betrieb nehmen", sagte Grube. Einen Termin, wann es auf dem gesamten S-Bahnnetz wieder Normalverkehr geben werde, nannte er aber nicht.

Die Bahn rechne sich dennoch gute Chancen aus, wieder bei der Berliner S-Bahn zum Zuge zu kommen, sagte Grube. "Für mich ist wichtig, dass wir die Qualität liefern, die der Kunde von uns erwartet. Wenn uns das gelingt, sind wir sicher auch ein gern gesehener Betreiber in Berlin."

Quelle: dpa/dapd/do
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