05.10.12

Schulessen

Erdbeerkompott löste Erkrankungswelle aus

Auslöser des heftigen Brechdurchfalls, an dem im Osten Deutschlands mehr als 10.000 Menschen erkrankten, war wohl ein Kompott aus tiefgefrorenen Erdbeeren. Die Früchte stammen vermutlich aus China.

Foto: chromorange
Strawberries
Ein Kompott aus Erdbeeren war der Auslöser der Krankheitswelle

Tiefgekühlte Erdbeeren sind wohl die Ursache für die bislang größte von Lebensmitteln ausgelöste Welle von Brechdurchfall. Das ergaben die Ermittlungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) und der beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) angesiedelten Task Force des Bundes und der Länder, wie es am Freitagabend in einer gemeinsamen Mitteilung hieß. Den Angaben zufolge gibt es keine Hinweise, dass die betroffene Ware in den Einzelhandel gelangt ist.

"Wir sind bei den Ermittlungen einen großen Schritt vorangekommen", sagte auch Holger Eichele, Sprecher des Bundesministeriums für Ernährung. Ein Labor-Nachweis stehe allerdings noch aus. "Er ist sehr schwierig zu erbringen." Auch am Wochenende werde mit Hochdruck weiter in den Labors gearbeitet.

Studien in mehreren Bundesländern "zeigen einen starken und statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Erdbeerspeisen, die aus tiefgefrorenen Erdbeeren einer Charge zubereitet wurden, und den Erkrankungen an Brechdurchfall", hieß es weiter in der Mitteilung. "Es handelt sich um einen lebensmittelepidemiologischen Befund – wie bei EHEC", sagte Eichele.

Vermutlich nicht komplett erhitzt

Vermutlich stammen die verdächtigen Erdbeeren aus China, wie das brandenburgische Verbraucherministerium mitteilte. Insgesamt seien 44 Tonnen Tiefkühl-Erdbeeren eines Direktimporteurs über den Hamburger Hafen aus China bezogen worden. Den Angaben zufolge wird allerdings lediglich ein kleiner Teil – eine Charge Tiefkühl-Erdbeeren – als Verursacher angesehen. Diese wurde gesperrt.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die betroffenen Einrichtungen von mindestens zehn regionalen Küchen des Cateringunternehmens Sodexo aus dem hessischen Rüsselsheim mit Nahrungsmitteln beliefert.

Sodexo kündigte in einer Stellungnahme am Abend an, die Auswahl seiner Lieferanten "strikter handhaben" zu wollen. Zugleich bedauerte Sodexo die Vorfälle: "Wir entschuldigen uns in aller Form bei den betroffenen Kindern und Familien." Zudem sollen die Betroffenen entschädigt werden. Um Vorfälle dieser Art künftig zu vermeiden, "werden wir alles technisch und organisatorisch Machbare unmittelbar umsetzen", hieß es weiter.

Bereits nach Bekanntwerden der ersten Krankheitsfälle sei durch firmeninterne Ermittlungen der Verdacht auf Tiefkühl-Erdbeeren gefallen. "Wir haben diese daraufhin vorsorglich und unverzüglich in allen Sodexo-Küchen gesperrt", teilte das Unternehmen weiter mit. Dadurch sei eine größere Erkrankungswelle verhindert worden. Das hätten auch die Behörden dem Caterer bestätigt.

Ware nicht vollständig erhitzt

Zu den Infektionen sei es wahrscheinlich in Einrichtungen gekommen, die diese Tiefkühlware vor dem Servieren als Nachspeise nicht vollständig erhitzt hätten, führte Ministeriumssprecher Eichele weiter aus.

Wenn gefrorene Erdbeeren nur aufgetaut oder zu schwach erhitzt würden, könnten nicht alle Keime sicher abgetötet werden. Noroviren gelten zum Beispiel als besonders kälteresistent und hitzebeständig.

Sie waren auch von Anfang an im Visier der Mikrobiologen. Die unterschiedliche Art des Auftauens könnte nach Angaben der Ermittler erklären, warum es in einigen Einrichtungen zum Brechdurchfall kam, in anderen aber nicht. Für die weiteren Ermittlungen ist die gesamte verdächtige Erdbeerware bereits gesperrt worden – oder sie wird gerade zurückgerufen.

220 Neuerkrankungen in Sachsen

Mehr als eine Woche nach dem massenhaften Ausbruch von Magen-Darm-Erkrankungen in ostdeutschen Schulen und Kita wurden am Freitag aus Sachsen 220 Neuerkrankungen von zehn bisher nicht betroffenen Stellen gemeldet, wie aus dem Lagebericht des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. Damit sei die Zahl der Einrichtungen in Sachsen auf 150 gestiegen.

Die Neumeldungen deuten dem Bericht zufolge darauf hin, dass der Krankheitswelle in Sachsen anhält. In den anderen Bundesländern handelte es sich dagegen überwiegend nur noch um Nachmeldungen, die beim Institut eingingen.

Das Thüringer Gesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben am Freitag keine neuen Krankheitsfälle registriert. Das RKI bezifferte die bundesweite Gesamtzahl am Freitag mit 11.200 Erkrankungen.

Quelle: dpa/dapd/ks/sara
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