01.10.12

Magen-Darm-Virus

Größte von Lebensmitteln ausgelöste Krankheitswelle

Die genaue Ursache für die bundesweiten Brechdurchfälle ist noch offen. Eines wissen die Experten aber bereits: Noch nie haben Lebensmittel in Deutschland eine vergleichbare Krankheitswelle ausgelöst.

Foto: dapd

Schulessen im Labor: Die genaue Ursache für die Welle von Brechdurchfällen ist noch immer nicht klar
Schulessen im Labor: Die genaue Ursache für die Welle von Brechdurchfällen ist noch immer nicht klar

Der derzeit registrierte massenhafte Brechdurchfall ist nach Expertenansicht die bislang größte von Lebensmitteln ausgelöste Erkrankungswelle in Deutschland.

Wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte, ist die Ursache weiterhin nicht ganz klar. Experten aus Bund und Ländern gehen davon aus, dass die Krankheit durch das Schul- und Kita-Essen hervorgerufen wurde. Ob Viren oder bestimmte Gift bildende Bakterien der Auslöser waren, ist aber noch offen.

Nach Angaben des Instituts und neuen Meldungen der zuständigen Behörden in den Ländern waren mehr als 9400 Menschen betroffen. Der Auslöser ist weiterhin unklar. "Es gibt noch keine Laborergebnisse, die auf die Ursache schließen lassen", sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Schulen verzichteten auf Essen von Sodexo

Der Essensanbieter Sodexo bedauerte, dass die Untersuchungen der Behörden, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet, noch keine eindeutigen Ergebnisse liefern konnten. "Nach Informationen der zuständigen Behörden liegen zahlreiche Untersuchungsergebnisse ohne Befund vor, etliche Ergebnisse stehen noch aus", teilte das Unternehmen am Abend mit.

Vier der sechs kurzfristig geschlossenen Küchen in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Berlin hätten nach Freigabe durch die zuständigen Behörden den Betrieb wieder aufgenommen.

Schulen und Kitas in Berlin und Südthüringen verzichteten zu Wochenbeginn vorsorglich auf das Essen des Anbieters Sodexo, der alle betroffenen Einrichtungen beliefert hatte. In Berlin soll in der ganzen Woche kein Sodexo-Essen auf die Tische von Kitas und Schulen kommen.

Brandenburg am stärksten betroffen

Von der Welle am stärksten betroffen ist Brandenburg mit 2896 Fällen, gefolgt von Sachsen (2880), Berlin (2223), Thüringen (913) und Sachsen-Anhalt (50). 23 Kranke mussten in Kliniken behandelt werden, darunter die meisten (16) in Brandenburg. In der Regel verliefen die Erkrankungen unkompliziert und waren nach kurzer Zeit ausgestanden.

Nach dem Höhepunkt Mitte vergangener Woche hat sich die Lage laut Robert Koch-Institut beruhigt. Erste Fälle hatte es demnach bereits am 19. September in Sachsen gegeben, also mehr als eine Woche, bevor die Erkrankungen offiziell bekannt wurden. Aus Sicht des RKI ist es aber auch möglich, dass diese Erkrankungen mit der späteren Welle nichts zu tun haben.

In Sachsen ist das hochansteckende Norovirus inzwischen in 69 Fällen als Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen nachgewiesen worden. Neben diesen Erregern stehen auch giftbildende Bakterien im Verdacht.

Sodexo: Keine Ungereimtheiten

Sicher ist offenbar: Die Erkrankungen hängen mit dem Schulessen der Cateringfirma Sodexo aus Rüsselsheim zusammen. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück und warf den Behörden Informationschaos vor. Es sei wenig hilfreich, dass "die Ämter in unterschiedlichen Richtungen unterwegs sind", sagte Sodexo-Sprecher Stephan Dürholt der "Berliner Morgenpost". So habe ein Behördenmitarbeiter bereits Tomatenmark als Krankheitsquelle verkündet, eine andere Stelle habe dies jedoch ausgeschlossen.

Um die Ursache so schnell wie möglich zu finden und den Ausbruch der Magen-Darm-Erkrankungen zu stoppen, war eine Task Force unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingerichtet worden. Beteiligt sind auch das RKI, das Bundesinstitut für Risikobewertung und Vertreter der zuständigen Länderbehörden.

Quelle: dpa/dapd/sara
Quelle: Reuters
28.09.12 2:19 min.
Nach Erkrankungen von rund 4000 Schülern im Osten Deutschlands nach dem Verzehr von Kantinenessen suchen Gesundheitsbehörden in Brandenburg weiter nach den Ursachen für das verunreinigte Schulessen.
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