30.09.12

Syrien

Schwere Kämpfe verwüsten Weltkulturerbe in Aleppo

Bei Gefechten zwischen Rebellen und der syrischen Armee wurde die historische Altstadt Aleppos getroffen. Ein weltberühmter Basar ging in Flammen auf. Um die Metropole tobt eine Entscheidungsschlacht.

Quelle: Reuters
30.09.12 0:52 min.
Bei schweren Kämpfen in der syrischen Stadt Aleppo ist nach Angaben der Rebellen ein Feuer im historischen Basar Haftif von Suk al-Madina ausgebrochen. Der Markt gehört zum Weltkulturerbe der Unesco.

Die Unesco hat bestürzt auf die Zerstörung des historischen Basars von Aleppo reagiert. Es sei ein "großer Verlust und eine Tragödie", dass die Altstadt der syrischen Metropole von den Kämpfen verwüstet worden sei, sagte der Direktor des Weltkulturerbeprogramms, Kishore Rao. Das alte Zentrum von Aleppo wurde 1986 als Weltkulturerbe aufgenommen. Der historische Basar galt als einer der am besten erhaltenen in der gesamten Region.

Inmitten der anhaltenden Kämpfe in der Millionenstadt wurde der Basar in der Nacht zum Samstag von einem Großbrand verwüstet. Hunderte der Läden unter den mittelalterlichen Arkaden seien zerstört worden, berichteten Aktivisten. In dem Basar – einst eine der größten Touristenattraktionen in der Stadt – wurden seit Jahrhunderten Lebensmittel, Stoffe und Gewürze verkauft.

Der örtliche Aktivist Ahmad al-Halabi schätzte, dass die Mehrzahl der Geschäfte niederbrannte. Ein Video im Internet zeigte Rauch über Aleppo. Auch darin hieß es, Geschäfte stünden in Flammen. Al-Halabi sagte, die syrischen Behörden hätten der Stadt die Wasserversorgung gekappt, sodass die Löscharbeiten schwierig seien.

Seit Wochen Kämpfe auf dem Markt

Der Markt war in den vergangenen Wochen fast täglich Schauplatz von Kämpfen. Seit Beginn einer Rebellenoffensive im August kontrolliert jede der Konfliktparteien etwa eine Hälfte der strategisch wichtigen Handelsmetropole. Wiederholte Versuche beider Seiten, auch die andere Hälfte einzunehmen, scheiterten.

Nach Angaben von Aktivisten haben Scharfschützen der Regierungstruppen auf der Zitadelle, die das Zentrum dominiert, Stellung bezogen. Die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) begann laut Aktivisten bereits am Donnerstag mit einer Offensive, die sie als entscheidende Schlacht bezeichnete. Es seien die schwersten Gefechte seit Wochen.

Die USA stellten der syrischen Opposition unterdessen weitere Hilfen in Millionenhöhe in Aussicht. US-Außenministerin Hillary Clinton kündigte bei einem Treffen der "Freunde Syriens" am Freitag in New York 15 Millionen Dollar (11,6 Millionen Euro) für nichtmilitärische Zwecke und 30 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe an.

Der UN-Menschenrechtsrat verlängerte das Mandat für eine Kommission, die mutmaßliche Kriegsverbrechen in dem arabischen Land untersucht, um sechs Monate. Die Schweizerin Carla Del Ponte, ehemalige Chefanklägerin des UN-Tribunals in Den Haag für das frühere Jugoslawien, wurde in die Sonderkommission berufen.

Russland kritisiert den Westen

Die "Freunde Syriens" bemühten sich bei ihrem Treffen am Rande der UN-Vollversammlung, die zersplitterte syrische Opposition zu einer besseren Zusammenarbeit zu bewegen. Clinton empfing Vertreter der Gruppe, zu der die USA, die Europäische Union und die Arabische Liga gehören. Sie forderte die Nachbarstaaten Syriens auf, nicht zuzulassen, dass der Iran dem Regime von Präsident Baschar Assad über Land oder Luft Waffenhilfe leiste. Russland, China und der Iran waren zu dem Treffen nicht geladen.

Im Weltsicherheitsrat haben Russland und China drei Resolutionen blockiert, mit denen Assad angesichts des Konfliktes zu einem Ende der Gewalt gedrängt werden sollte. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf den USA und ihren Verbündeten vor, den Terrorismus in Syrien anzustacheln.

"Grüne Licht", das eigene Volk anzugreifen

Saudi-Arabien und die Türkei kritisierten den UN-Sicherheitsrat. Die Untätigkeit des Gremiums angesichts des Syrien-Konflikts habe Assads Regime "grünes Licht" dafür gegeben, das eigene Volk anzugreifen, sagte der saudiarabische Vize-Außenminister Abdulasis bin Abdullah am Freitag vor der UN-Vollversammlung in New York. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu erklärte, die Blockade in dem UN-Gremium "spiele Despoten in die Hände".

Der Irak legte unterdessen einen Zwei-Stufen-Plan zur Vermittlung zwischen den Konfliktparteien in Syrien vor. Im ersten Schritt sollten sich die Teilnehmerstaaten der internationalen Syrien-Konferenz, die Ende Juni in Genf stattfand, darauf konzentrieren, die dort gefassten Beschlüsse nun umzusetzen, sagte der irakische Außenminister Hoschjar Sebari. Im zweiten Schritt sollten Vertreter der syrischen Regierung und der Opposition zu einer Konferenz an einem neutralen Ort eingeladen werden.

Quelle: dapd/cc
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