20.09.12

Freitagsgebete

Der Westen in Angst vor neuer Islamisten-Rache

Vor den Freitagsgebeten geht die Angst vor der nächsten großen Gewalteskalation um. Berlin verschärft vielerorts die Sicherheitsvorkehrungen. Auch in Deutschland wollen Muslime auf die Straße gehen.

Quelle: Reuters
20.09.12 2:01 min.
Angesichts der Welle der Gewalt wegen des Mohammed-Films rief Außenminister Westerwelle die deutschen Botschaften in islamischen Ländern zu den anstehenden Freitagsgebeten zu erhöhter Wachsamkeit auf.

Im Westen geht die Angst vor einer neuen Gewalteskalation in der islamischen Welt um: Vor den Freitagsgebeten haben Deutschland und andere Länder aus Furcht vor Racheakten wegen des antiislamischen Videos und neuer Mohammed-Karikaturen ihre Botschaften in Alarmbereitschaft versetzt. Überall in der Region seien die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Berlin.

Es sei nicht auszuschließen, dass zusätzlich zu den am islamischen Feiertag ohnehin geschlossenen Botschaften weitere deutsche Vertretungen geschlossen blieben. Wegen der angespannten Sicherheitslage verschob das Innenministerium derweil den Start der Plakataktion der Öffentlichkeitskampagne "Vermisst."

In Pakistan kam es schon am Donnerstag zu Gewalt. Mehr als Tausend Demonstranten lieferten sich in Islamabad heftige Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Im Iran protestierten Studenten vor der französischen Botschaft und skandierten "Tod für Frankreich" und "Nieder mit den USA". Auch in Afghanistan, dem Irak und Indonesien gab es kleinere Demonstrationen.

"Tag der Zusammenkunft"

Am Freitag – für Muslime der arbeitsfreie "Tag der Zusammenkunft" – werden Massenproteste in der islamischen Welt erwartet. Frankreich kündigte bereits an, rund 20 Botschaften, Konsulate und Schulen zu schließen. So befürchtet Paris, dass in der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" veröffentliche Mohammed-Karikaturen Vergeltungsschläge provozieren könnte.

In Pakistan eskalierte derweil der Protest gegen den Schmähfilm. Mehr als 2.000 Demonstranten versuchten, sich in der Hauptstadt Islamabad Zugang zur US-Botschaft zu verschaffen, die in einem bewachten Gelände untergebracht ist. Steine flogen durch die Luft. Bereitschaftspolizisten setzten Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Menschenmenge fernzuhalten. Hunderte Container wurden aufgereiht, um das Areal abzusperren.

Bei einigen der Demonstranten handelt es sich um Studenten, die mit der ultrakonservativen islamischen Partei Jamaat-e-Islami in Verbindung stehen. Auch in den Städten Lahore, Chaman, Karachi und Peshawar kam es zu Demonstrationen, die jedoch weitgehend friedlich verliefen.

Westerwelle ruft zu Wachsamkeit auf

Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief die deutschen Botschaften in islamischen Ländern angesichts der Welle der Gewalt wegen des Mohammed-Films zu erhöhter Wachsamkeit auf. "Wir haben überall in der Region die Sicherheitsvorkehrungen verschärft und teilweise auch das Sicherheitspersonal verstärkt", sagte Westerwelle am Donnerstag in Berlin.

Auch die Schließung von Botschaften oder anderen deutschen Einrichtungen, die normalerweise trotz des islamischen Feiertages am Freitag geöffnet seien, sei denkbar.

Vor der Veröffentlichung eines Mohammed-Titels in der Satire-Zeitschrift "Titanic" warnte Westerwelle davor, angesichts der Protestwelle in den islamischen Ländern Öl ins Feuer zu gießen. "Meinungsfreiheit ist nicht die Freiheit, Andersgläubige zu beleidigen, zu beschimpfen oder zu verunglimpfen", sagte er.

Verantwortung für Meinungsfreiheit

Alle, die sich jetzt auf das hohe Gut der Meinungsfreiheit beriefen, müssten auch ihre Verantwortung kennen. Westerwelle betonte, dass er nicht auf einzelne Karikaturen Bezug nehme, sondern sich nur grundsätzlich äußere. Zugleich bekräftigte er erneut, dass keine Karikatur und kein noch so schändliches Video Gewalt rechtfertigten.

Das Satire-Magazin "Titanic" will kommende Woche das Bild eines islamischen Kriegers mit Ex-Präsidenten-Gattin Bettina Wulff im Arm auf dem Titelbild abdrucken. Die Schlagzeile darunter lautet: "Der Westen im Aufruhr: Bettina Wulff dreht Mohammed-Film!"

Demonstrationen in Deutschland

In Deutschland wollen am Freitag in mindestens vier Städten Muslime gegen die angebliche Beleidigung des Propheten Mohammed demonstrieren. Bei der Mehrzahl der zu erwartenden Demonstranten soll es sich um Anhänger der libanesischen Hisbollah-Organisation handeln. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Sicherheitskreisen. Sie folgen damit einem Aufruf des Hisbollah-Anführers Hassan Nasrallah die Ehre des Propheten zu verteidigen.

In Freiburg, Münster, Dortmund und Karlsruhe wurde für den Freitag Demonstrationen angemeldet. Alleine bei der Protestkundgebung in Freiburg werden etwa 800 Teilnehmer erwartet. Bei dem Veranstalter, einem gebürtigen Libanesen, handelt es sich nach Einschätzung von Sicherheitsbehörden um eine Person aus dem Umfeld der libanesischen Hisbollah-Miliz. Auch bei der Demonstration in Münster werden überwiegend schiitische Anhänger der Hisbollah erwartet.

Quelle: dapd/rtr/DW
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