29.08.12

Berlin-Schöneberg

Juden und Muslime empört über Angriff auf Rabbiner

Verprügelt und beleidigt: Politiker, jüdische und muslimische Verbände verurteilen den Überfall auf einen Rabbiner in Berlin. Er wurde als einer der ersten nach dem Holocaust in Deutschland ordiniert.

Foto: Godong
Rabbiner
Ein Rabbiner in einer Synagoge. Vier Jugendliche schlugen in Berlin auf einen Rabbiner ein, der ins Krankenhaus kam

Der Überfall auf einen Rabbiner im Berliner Stadtteil Schöneberg hat europaweit Empörung ausgelöst. Der Rabbiner wurde von mehreren Jugendlichen gewalttätig angegriffen und beleidigt, offenbar aus antisemitischen Motiven. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wurde der 53-Jährige am Kopf verletzt. Seine sechsjährige Tochter, die bei dem Vorfall zugegen war, bedrohten die Jugendlichen den Angaben zufolge mit dem Tode.

Laut Polizei hatte ein junger Mann "vermutlich arabischer Herkunft" den Rabbiner um 18.20 Uhr in der Beckerstraße mit der Frage: "Bist du Jude?" auf der Straße angesprochen. Der Jugendliche verstellte dabei dem Rabbiner und seiner Tochter den Weg. Drei weitere Jugendliche, "vermutlich Landsleute des ersten", kamen den Angaben zufolge hinzu und stellten sich hinter den Vater und seine Tochter. Der erste Jugendliche habe mehrmals zugeschlagen und den Mann am Kopf verletzt. Danach flüchteten die Täter in Richtung Rubensstraße.

Der verletzte Rabbiner kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen.

Nicht der erste Vorfall dieser Art

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte den Angriff "auf das Schärfste". "Es ist eine Attacke auf das friedliche Zusammenleben aller Menschen in unserer Stadt", erklärte Wowereit. Innensenator Frank Henkel (CDU) betonte: "Solche Taten werden von den Sicherheitsbehörden unnachgiebig verfolgt."

Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus zeigte sich "sehr betroffen über die Gewalttat". Laut Forum-Sprecher Levi Salomon handelte es sich bei dem Opfer um einen der ersten Rabbiner, die nach dem Holocaust in Deutschland ordiniert wurden. Er sei als Religionslehrer an einer jüdischen Schule tätig und engagiere sich seit Jahren für den interreligiösen Dialog mit Muslimen und Christen.

"Wir sind sehr betroffen über die Gewalttat und hoffen, dass die Staatsanwaltschaft die Täter schnell ermittelt und vor Gericht stellt", sagte die Vorsitzende des Forums, Lala Süsskind. Es sei nicht der erste Vorfall dieser Art, der in Berlin und dem ganzen Bundesgebiet geschehen sei. "Dieser Vorfall zeigt außerdem wie wichtig die Gewaltprävention und Bildungsarbeit ist, die man unbedingt noch vertiefen muss."

Religiöses Gipfeltreffen in Paris

Auch der Europäische Jüdische Kongress (EJC) hat den Angriff auf den Rabbiner und dessen sechsjährige Tochter in Berlin verurteilt. Europas Politiker müssten sich zu solchen Ausschreitungen klarer positionieren, forderte EJC-Präsident Mosche Kantor am Mittwoch in Paris. Nach dem tödlichen Angriff auf drei jüdische Kinder und einen Mann im März in Toulouse sei das Leben in Europa weitergegangen, als sei nichts passiert. Das vergrößere den Schmerz der jüdischen Gemeinschaft.

Kantor sagte weiter, die religiösen Führer Europas müssten sich stärker gemeinsam gegen Gewalt einsetzen. Von dem religiösen Gipfeltreffen in der kommenden Woche in Paris erhoffe er sich ein solches Signal, das vor allem für Jugendliche richtungsweisend sein könne.

Am 4. und 5. September treffen sich in Paris 80 muslimische und jüdische Religionsvertreter aus 18 Nationen, darunter aus Deutschland, Italien, Großbritannien und den Niederlanden. Sie wollen über die Beziehungen zwischen der jüdischen und der muslimischen Gemeinschaft sprechen.

Das Deutsch-Arabische Zentrum verurteilte den Überfall ebenfalls. "Im Namen der 17 arabischen Vereine, die dem Zentrum angehören, verurteile ich den Vorfall", sagt der Chef des Deutsch-Arabischen Zentrums, Ali Maarous. "Unsere Aufgabe ist es, Muslime und Juden einander näher zu bringen", sagt Maarous.

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