27.08.12

Kölner Zoo

Pflegerin schon 2005 von Großkatze attackiert

Die Polizei untersucht weiter die Tragödie im Tiger-Gehege des Kölner Zoos. Jetzt kommt heraus: Die getötete Pflegerin wurde schon einmal von einem Leoparden attackiert und schwer verletzt.

Foto: DPA

Tödliches Drama im Kölner Zoo: Der Sibirische Tigerkater "Altai" hat seine Pflegerin angefallen und durch einen Biss in den Hals getötet. Die erfahrene Tierpflegerin hatte ein Sicherheitstor offen gelassen.

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Zwei Tage nach der tödlichen Tigerattacke lässt die Staatsanwaltschaft die Leiche der 43 Jahre alten Pflegerin Ruth K. obduzieren. Dies sei üblich, wenn die genaue Todesursache ungeklärt sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bislang geht die Zooleitung davon aus, dass die Pflegerin versäumt hatte, eine oder zwei Verbindungstüren im Inneren des Tigergeheges zu schließen, bevor sie einen Teilbereich dieses Innengeheges vom sogenannten Wirtschaftsraum aus betrat.

Nach Recherchen der Berliner Morgenpost war die Pflegerin Ruth K. schon einmal Opfer einer Großkatzenattacke. 2005 wurde sie von einem Leoparden angegriffen, als sie dessen Gehege reinigen wollte. Das Tier fügte ihr schwere Verwundungen am Hals zu, an deren Folgen sie lange litt. Unter anderem waren auch ihr Kehlkopf und ihre Stimmbänder verletzt worden, was ihr noch Jahre später Schwierigkeiten beim Sprechen bereitete. Damals hatte ein anderer Pfleger Ruth K. aus dem Gehege ziehen und in Sicherheit bringen können.

Dieser Vorfall war vom Kölner Zoo nie öffentlich gemacht geworden, er taucht auch nicht in den Übersichten über Zwischenfälle in deutschen Zoos auf – wurde aber nun vom Kölner Zoo gegenüber der Berliner Morgenpost bestätigt. Wie es zu diesem früheren Leopardenangriff auf Ruth K. kam und welche betriebsinternen Konsequenzen aus diesem Vorfall gezogen wurden – darüber schweigt der Kölner Zoo bislang. Zoodirektor Theo Pagel beantworte vorerst keine Fragen, hieß es.

Zoo-Direktor in der Kritik

Dass der Zoochef Theo Pagel den Sibirischen Tiger nach der Attacke auf die Pflegerin erschoss, ist nicht Gegenstand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. In Internetforen hatte Pagels Handeln teilweise zu empörten Reaktionen geführt. Der Zoo begründete die Erschießung damit, dass der Tiger unmittelbar neben der schwerverletzten Pflegerin gesessen habe und es zu viel Zeit gekostet hätte, ihn zu betäuben.

Einige Tierschützer fordern nun ein Verbot der Tigerhaltung in Zoos. Ein hundertprozentig sicheres Gehege gebe es nicht, sagte Peter Höffken von der Organisation Peta. "Wenn ein Tiger die Möglichkeit hat, einen Menschen anzufallen oder zu entkommen, dann nutzt er diese auch. Allein in diesem Jahr sind schon drei mal Geparden aus ihrem Gehege entkommen, einmal im Kölner Zoo, zwei mal im Tiergarten Nürnberg. Daran sieht man doch: Diese Tiere wollen einfach nur raus."

"Absoluter Blödsinn!", sagte dazu Peter Dollinger, Generalsekretär des Verbands Deutscher Zoodirektoren in Bern. "Wir führen keine Statistik, aber ich denke, wenn es in den letzten zehn Jahren zwei, drei Unfälle mit tödlichem Ausgang in Deutschland gab, dann ist das viel. Und das gibt es natürlich in anderen Branchen genauso."

Quelle: mit dpa
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