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27.08.12CSU-Generalsekretär
"Stammtisch-Kasper" – massiv gegen Dobrindt
Attacke aus Berlin gegen die CSU: Generalsekretär Alexander Dobrindt bekommt massive Kritik für seine markigen Worte zu einem baldigen Euro-Aus für Griechenland – auch aus den eigenen Reihen.
Quelle: Reuters
27.08.12
2:05 min.
In der Koalition verschärft sich der Streit über die Zukunft Griechenlands in der Währungsunion. Die CSU sieht den Euro-Austritt Griechenlands schon 2013 - die Bundeskanzlerin distanziert sich davon.
CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hat mit seinen Äußerungen zum baldigen Austritt Griechenlands aus dem Euro auch in der eigenen Koalition eine Welle der Empörung ausgelöst.
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte CSU-Chef Horst Seehofer auf, Dobrindt in die Schranken zu weisen und sich klar zum Europakurs der schwarz-gelben Regierung zu bekennen. "Europa ist viel zu wertvoll, als dass es durch populistisches Gequatsche gefährdet werden darf", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Auch führende Unionspolitiker äußerten sich kritisch.
Der hessische Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Volker Bouffier sagte vor Sitzungen der CDU-Spitzengremien: "Die Sache ist schwierig genug, sie wird nicht dadurch besser, dass jeder jeden Tag irgendeinen Hammer loslässt."
Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) erklärte: "Der Stil ist nicht in Ordnung, der Inhalt nicht und das Kalkül überhaupt nicht." Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte: "Die Situation ist zu ernst, als dass man sie mit einem rhetorischen Überbietungswettbewerb bestreiten könnte."
Nahles – Merkel muss "Stammtisch-Kasper" stoppen
Auch die SPD forderte ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Dobrindts "Zündeln am europäischen Haus" müsse dringend unterbunden werden, mahnte SPD-Generalsektretärin Andrea Nahles. Merkels milder Tadel reiche nicht aus.
"Frau Merkel lässt den Stammtisch-Kasper Alexander Dobrindt hier laufen", kritisierte Nahles. Gleichzeitig warf sie der Kanzlerin vor, sie habe die Kontrolle über ihre Regierung verloren. Dobrindt hatte gesagt, am Ausscheiden Athens aus der Währungsunion führe kein Weg vorbei.
Dobrindt hatte trotz eines klaren Bekenntnisses von Kanzlerin Merkel zum Euro-Verbleib Griechenlands gesagt, an einem Ausscheiden Athens aus der Währungsunion führe kein Weg vorbei. "Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone."
Daraufhin verlangte Merkel am Sonntag erneut Mäßigung in der gegenwärtig entscheidenden Phase: "Jeder sollte die Worte sehr wägen." Ihr Regierungssprecher Steffen Seibert verwies am Montag darauf und wollte Dobrindts Äußerungen sonst nicht weiter kommentieren.
Markus Ferber – "Die Bundeskanzlerin hat Recht"
Der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger, warf Dobrindt "provinzielles Gemeckere" vor. "Es ist ein Stück aus Absurdistan, zu glauben, dass Griechenland mit der Drachme schneller auf die Füße kommt", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Mit einer abgewerteten Währung könne sich das Land keine Einfuhren mehr leisten, auch nicht aus Deutschland.
CSU-Europagruppenchef Markus Ferber sagte: "Die Bundeskanzlerin hat Recht: Alle sollten sich mäßigen, bis der Troika-Bericht vorliegt." Alle derzeitigen negativen Äußerungen trügen nicht dazu bei, die Probleme Griechenlands zu lösen, sagte Ferber, ohne Dobrindt namentlich zu nennen.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte der "Rheinischen Post", es sei töricht, dem Bericht der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds über die Fortschritte Athens bei der Umsetzung der Reformen vorzugreifen.
"Mit dem Bedienen von Vorurteilen wird man unserer Verantwortung für Europa und den Euro nicht gerecht." FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte im Deutschlandradio Kultur, man dürfe "dem europäischen Partner und europäischen Freund Griechenland jetzt auch nicht seine Ehre, sein Selbstwertgefühl völlig wegnehmen".
Thomas Oppermann – "Die Sprache des Pöbels"
Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok kritisierte, dass Dobrindt EZB-Präsident Mario Draghi als "Falschmünzer" bezeichnet hatte. "Zu dem Dobrindt fällt mir nichts mehr ein", sagte er dem "Kölner Stadt- Anzeiger". "Das ist einfach unerträglich."
Durch Angriffe auf Athen und die EZB schaffe er Unsicherheit und erhöhe so die volkswirtschaftlichen Kosten der Krise. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte im ARD-"Morgenmagazin" über Dobrindts Äußerungen: "Das ist die Sprache des Pöbels."
"Man muss nicht Ökonomiestudiert haben, um zu begreifen, in welcher Lage die Griechen sind."
Horst Seehofer (CSU), 29. September 2011, Süddeutsche Zeitung
"Griechenland muss das Hütchenspiel mit unserer Währung sofort beenden."
Alexander Dobrindt (CSU), 3. November 2011, Spiegel Online
"Die Euro-Zone ist eine Gemeinschaft der Stabilität und der Leistungsbereitschaft, kein Hängematten-Club."
Alexander Dobrindt, 5. November 2011, Bayernkurier
"Die rote Linie ist erreicht. Wir können nicht unbegrenzt andere Länder finanzieren, die sich nicht an die Spielregeln halten. Die griechischen Freunde haben in der vergangenen Woche leider viel dazu beigetragen, Vertrauen zu reduzieren. Hängepartien helfen nicht mehr weiter."
Markus Söder (CSU), 6. November 2011, Welt am Sonntag
"Wir haben gezeigt, dass wir Finanzstabilität in Bayern und in Deutschland können: Bayern hat seit Jahren einen ausgeglichenen Haushalt, Deutschland wird ihn 2014 voraussichtlich erreichen. Europa dagegen hat zugelassen, dass ein paar Dolce-Vita-Länder überbordend Verschuldung betreiben."
Alexander Dobrindt, 20. November 2011, Die Welt
"Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, aber nicht Beihilfe zur Konkursverschleppung."
Horst Seehofer, 14. Februar 2012, Rede an der Universität Zürich
"Griechenland ist und bleibt ein Pleitekandidat. Ein Strategiewechsel bei der Griechenland-Rettung inklusive Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum darf kein Tabu mehr sein."
Alexander Dobrindt, 27. Februar 2012, Bild
"Blumen in der Wüste zu gießen, macht auch wenig Sinn."
Markus Söder, 10. Mai 2012, Vorstellung Euro-Gutachten in München
"Dass andere an unser Geld wollen, ohne sich dabei zu viel zuzumuten, ist zutiefst menschlich, aber es ist keine Lösung des Problems."
Horst Seehofer, 5. Juli 2012, Stern
"Wenn wir nicht an Griechenland ein klares Exempel statuieren, also zu sagen, wer nicht die Reformen erfüllt, der muss dann auch raus aus der Euro-Zone, dann ist die ganze Euro-Zone nichts anderes mehr als eine große Umverteilungsgemeinschaft."
Markus Söder, 26. Juli 2012, ZDF-Morgenmagazin
"Es ist auffällig, das Draghi immer dann aktiv wird und über die EZB Staatsanleihen kaufen will, wenn es in Italien mal wieder eng wird."
Alexander Dobrindt, 4. August 2012, Tagesspiegel
"Wenn jemand an deinem Seil hängt und dabei ist, dich mit in den Abgrund zu reißen, musst du das Seil kappen."
Markus Söder, 5. August 2012, Bild am Sonntag
"Die Gier nach deutschen Steuergeldern treibt bei Herrn Monti undemokratische Wurzeln."
Alexander Dobrindt, 6. August 2012, Die Welt
"Ich sehe Griechenland 2013 außerhalb der Euro-Zone."
Alexander Dobrindt, 26. August 2012, Bild am Sonntag (im gleichen Interview beschimpfte Dobrindt den Präsidenten der Europäischen Zentralbank Mario Draghi als "Falschmünzer")
Quelle: dpa/mcz
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